Eichenprozessspinner in Telgte
„Es ist ein Kampf gegen Windmühlenflügel“

Telgte -

Das feucht-warme Klima hat dafür gesorgt, dass sich die Eichenprozessspinner-Population auch in Telgte explosionsartig entwickelt hat. Die Stadt kommt mit der Organisation der Beseitigungsmaßnahmen nicht mehr hinterher.

Freitag, 14.06.2019, 18:00 Uhr
Mit einem Sauger entfernt Markus Köckemann die Eichenprozessionsspinner von dieser Eiche am Randweg zum Rochus-Hospital. Hunderte der Tiere (kl. Bild) sind an manchen Stämmen unterwegs.
Mit einem Sauger entfernt Markus Köckemann die Eichenprozessionsspinner von dieser Eiche am Randweg zum Rochus-Hospital. Hunderte der Tiere (kl. Bild) sind an manchen Stämmen unterwegs. Foto: Große Hüttmann

Markus Köckemann, er beseitigt seit einigen Tagen im Auftrag der Stadt die Eichenprozessionsspinner im Stadtgebiet, nimmt das Wort in den Mund. „Die Lage ist katastrophal“, sagt der Experte, der an Freitagmorgen am Radweg zum Rochus-Hospital im Einsatz war.

Wer ihm einige Zeit zuschaut, der versteht diese Aussage. Denn während der Gartenbau-Fachmann mit Hilfe eines Hubsteigers Nester in einer Eiche beseitigt, ziehen Hunderte Eichenprozessionsspinner in einer langen Prozession den Stamm hinab. Doch sie haben keine Chance zur Flucht. Wenige Minuten später hat Markus Köckemann sie vom Baum abgesaugt und sicherheitshalber den Stamm zusätzlich abgeflämmt, damit die gefährlichen Brennhaare allesamt beseitigt sind.

Das Telefon des städtischen Grün-Ingenieurs Ihno Gerdes stand in den vergangenen Tagen kaum still, denn das feucht-warme Klima hat dafür gesorgt, dass sich die Eichenprozessspinner-Population explosionsartig entwickelt hat. Zahllose Anrufe gingen daher in der Verwaltung ein. Bis Freitagmorgen gab es insgesamt 50 kritische Stellen, Gerdes spricht von Fällen, in denen zumeist mehrere Bäume betroffen waren. Ein Beispiel: Allein am Kirchpättken in Westbevern, einer dieser 50 Fälle, sind es rund vier Dutzend Bäume. „Eine Herkulesaufgabe“, sagt Gerdes.

Bereits in den ersten Tagen seines Einsatzes hat Markus Köckemann über 370 Nester beseitigt. „Wenn ich abends aus meinem Schutzanzug steige, dann kann ich ihn auswringen“, sagt der Experte, der zudem mit Atemmaske und Schutzhandschuhen ausgestattet ist.

Da die Zahl der Fälle so stark gestiegen ist, hat die Verwaltung eine Prioritätenliste erstellt. Vorrang haben Schulen, Kindergärten und Schulwege. Erst danach stehen Straßenränder im innerstädtischen Bereich an. Außenbereiche, Wirtschaftswege und die Emsauen haben eine untergeordnete Priorität, sprich: Hier werden – Stand heute – keine Maßnahmen erfolgen. Denn wegen der Massivität des Auftretens des Eichenprozessionsspinners stehen ausschließlich die Siedlungsbereiche in Telgte, Westbevern und Vadrup im Fokus. Mehr ist laut Stadt nicht möglich. „Es gleicht einem Kampf gegen Windmühlenflügel“, sagt Gerdes. In solchen Bereiche beschränke sich das Eingreifen auf das Aufstellen von Warnschildern.

Beschlossene Sache ist indes in der Stadtverwaltung, dass es im kommenden Jahr wieder eine Vorbehandlung der Bäume in neuralgischen Bereichen geben werde. Das war in diesem Jahr ebenfalls der Fall. Gerdes spricht von einem 50-prozentigen Erfolgsfaktor. „Sonst wären die Auswirkungen meiner Meinung nach noch dramatischer“, sagt er.

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