Eichenprozessionsspinner: Ärzte sehen Situation als nicht dramatisch
Vorsicht ja, aber keine Panik

Lüdinghausen -

Sie sind wieder da, die gefürchteten Eichenprozessionsspinner. Ihre Gespinste an den Stämmen und Astgabeln der Eichen verbreiten bei vielen Bürgern große Angst. Die WN haben bei hiesigen Ärzten nachgefragt, wie sie die Situation einschätzen.

Donnerstag, 13.06.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 13.06.2019, 09:48 Uhr
Von diesen Gespinsten sollte man sich fern halten: Die Brennhärchen der Raupen werden über die Luftbewegung in die direkte Umgebung getragen und können beim Menschen allergische Reaktionen auslösen.
Von diesen Gespinsten sollte man sich fern halten: Die Brennhärchen der Raupen werden über die Luftbewegung in die direkte Umgebung getragen und können beim Menschen allergische Reaktionen auslösen. Foto: Biologisches Zentrum/Brocksieper

Kaum ein anderes Tier erfreut sich derzeit einer solch großen medialen Aufmerksamkeit wie der Eichenprozessionsspinner. Gerade in den sozialen Netzwerken sorgen die haarigen Raupen mit den unangenehmen Nebenwirkungen für jede Menge Furore. Ängstliche Eltern tauschen sich in Foren über die Gefahren für ihre lieben Kleinen aus, Stadtverwaltungen erhalten täglich unzählige Anrufe wegen just entdeckter Nester – stets verbunden mit dem dringlichen Wunsch, diese doch so schnell wie möglich zu entfernen. Und es stimmt, der Kontakt mit den feinen Brennhärchen der Raupen kann extrem unangenehm sein.

Aber wie dramatisch ist die Situation tatsächlich hier vor Ort? Die WN haben beim hiesigen Kinderarzt, in der örtlichen Hautarztpraxis und im St.-Marien-Hospital einmal nachgefragt.

Gefährlicher ist es dagegen, wenn die feinen Härchen eingeatmet werden. Das kann in der Tat zu einem Asthmaanfall führen. Allerdings hatten wir noch keinen solchen Fall.

Kinderarzt Dr. Werner Braun

Symptome bei 25 Kindern

„Wir haben ja schon länger mit diesem Thema zu tun, das ist nicht wirklich neu für uns“, erzählt Kinderarzt Dr. Werner Braun. In diesem Jahr seien bislang 25 Kinder im Kita- und Schulalter mit den entsprechenden Symptomen in die Praxis gekommen. Allerdings seien sämtliche Fälle – auch die in den Vorjahren – undramatisch verlaufen. Die Kinder litten zwar nach dem Kontakt unter einer Hautreaktion. „Das brennt und ist natürlich unangenehm“, weiß der Kinderarzt.

Häufig reiche es aber schon, die betroffene Stelle schnell mit Wasser abzuspülen und eine frei verkäufliche antiallergische Salbe aufzutragen. Nur wenn das nicht zum gewünschten Erfolg führe, sei ein Besuch in der Arztpraxis angeraten. „Gefährlicher ist es dagegen, wenn die feinen Härchen eingeatmet werden. Das kann in der Tat zu einem Asthmaanfall führen. Allerdings hatten wir noch keinen solchen Fall“, so Braun.

Tipps zur Behandlung

Ähnlich schätzt auch seine Kollegin, Hautärztin Dr. Christina Nolting-Schräer, die Situation in der Steverstadt ein. „Wir hatten bislang nur wenige Patienten, die mit den typischen Symptomen zu uns gekommen sind.“ Denen könne mit Allergiemitteln und einer kortisonhaltigen Salbe in der Regel gut geholfen werden. Unangenehm sei, dass die betroffenen Hautareale manchmal noch über einen längeren Zeitraum für Beschwerden sorgten. „Das ist natürlich ärgerlich, aber nicht gefährlich“, betont die Hautärztin.

Von keinem einzigen Patienten, der durch den Kontakt mit den Eichenprozessionsspinnern erkrankt ist, kann Dr. Thomas Klossok vom St.-Marien-Hospital berichten. „Weder im vergangenen Jahr noch aktuell haben sich bei uns Menschen mit den typischen Beschwerden gemeldet“, erklärt der Oberarzt der Inneren Medizin, der auch in der Versorgung ambulanter Patienten tätig ist, auf Nachfrage der WN. Sein Tipp, falls es zu einem Kontakt mit den Brennhärchen gekommen ist: „Am besten sofort unter die Dusche gehen und die Kleidung wechseln.“

Aktuell sind zwei von der Stadt beauftragte Fachfirmen in Lüdinghausen im Einsatz (die WN berichteten), um die Nester vor allem an sensiblen Stellen zu entfernen. „Dazu gehören als erstes Kindergärten, Schulen und Spielplätze“, so Bürgermeister Richard Borgmann.

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