Grabpflege und ihre Folgen
Entsetzt über boshaftes Gerücht

Reckenfeld -

Der „Vorfall“ liegt schon einige Wochen zurück – aber Roland Böckmann ist noch immer angefasst. „Eine bodenlose Frechheit“, sagt er und schüttelt den Kopf.

Donnerstag, 13.06.2019, 06:27 Uhr aktualisiert: 13.06.2019, 07:28 Uhr
Roland Böckmann bei der Pflege des Grabes seiner 2015 verstorbenen Frau und seiner Schwiegereltern. Er plagt sich mit einer Geschichte herum, die im Dorf die Runde macht.
Roland Böckmann bei der Pflege des Grabes seiner 2015 verstorbenen Frau und seiner Schwiegereltern. Er plagt sich mit einer Geschichte herum, die im Dorf die Runde macht. Foto: Oliver Hengst

Was er damit meint: ein absurdes, ja fast schon abenteuerliches Gerücht, das im Dorf die Runde macht. Wäre es nicht so traurig, könnte man fast darüber lachen. Doch Böckmann ist überhaupt nicht zum Lachen zumute.

Doch von Anfang an: Auf dem Grab der Familie Koll wuchs ein Strauch. Mannshoch und so buschig, dass der Grabstein schon halb zugewachsen war. Die Namen der Verstorbenen waren kaum noch zu sehen. Beerdigt sind in dem Grab die Eltern von Helga Böckmann, die 2015 verstarb und ebenfalls in dieser Grabstelle beigesetzt wurde. Die Eltern einst noch klassisch in Särgen, die Tochter Helga – Roland Böckmanns Gattin – in einer Urne.

Wie kann man so etwas behaupten?

Roland Böckmann

Der wuchernde Strauch auf dem Grab musste weichen, was sich als strapaziöses Unterfangen erwies. Vor allem die teilweise armdicken Wurzeln hatten es in sich. Ein Bekannter eilte Roland Böckmann spontan zu Hilfe, dennoch dauerte es zwei Tage, ehe die Arbeit erledigt war. Aber die Angelegenheit war damit nicht beendet, denn einige Zeit später wurde Böckmann zugetragen, was über ihn im Dorf erzählt wurde: Er habe die Urne seiner Frau ausgegraben. „Was habe ich mich geärgert“, empört er sich noch immer über den ungeheuerlichen Vorwurf.

Die Geschichte verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Bis heute ist nicht klar, wer sie in Umlauf gebracht hat. „Wie kann man so etwas behaupten?“, ist Böckmann noch immer fassungslos. „Viele haben darüber gelacht“, hat er sich berichten lassen. „Hast Du gehört? Der Böckmann, soll . . .“ – wie das in einem kleinen Ort eben ist, wo fast jeder jeden kennt.

Schreck, Unverständnis und Verärgerung

Wenn Böckmann davon berichtet, steht ihm der Schreck noch immer ins Gesicht geschrieben. Schreck, Unverständnis und – ja, auch Verärgerung. Dass jemand eine so boshaftes Geschichte streut – für Böckmann einfach nicht nachvollziehbar.

Dran ist an dem Gerücht natürlich nichts. Dennoch sieht Böckmann den Ruf seiner Familie beeinträchtigt und hat sich daher entschlossen, öffentlich für eine Klarstellung zu sorgen. Auch wenn jedem, der mit gesundem Menschenverstand an die Sache rangeht, eigentlich klar sein müsste, dass das Gerücht reiner Unfug ist: Nein, Böckmann hat natürlich keine Urne ausgegraben.

Nicht mal in der Nähe der Urne gegraben

Er hat nicht mal in der Nähe der Urne gegraben. Der Busch stand am oberen Rand des Grabes, nahe dem Grabstein. „Die Urne meiner Frau ist dort vorne, wo die herzförmige Platte liegt“, sagt er und deutet auf eine Stelle am gegenüberliegenden Ende des Grabfeldes. Zudem hat er nicht ansatzweise so tief gegraben, wie es nötig wäre, um in die Nähe einer Urne zu gelangen. Als er auf den wüsten Vorwurf angesprochen wurde, fühlte sich das „fürchterlich“ an, sagt er.

Eine Klarstellung werde dem Gerücht den Wind aus den Segeln nehmen, hofft Böckmann und greift zur Harke. Wo bis vor kurzem der Busch stand, blühen inzwischen Geranien.

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