Medikamentenmangel
Apotheker beklagen „dramatische“ Lieferengpässe bei Medikamenten

Münster -

Den Apotheken in Deutschland gehen immer häufiger Medikamente aus. Selbst bei Allerweltspräparaten wie gängigen Blutdrucksenkern oder auch Antibiotika sind die Regale zwischenzeitlich gähnend leer.

Dienstag, 21.05.2019, 19:01 Uhr aktualisiert: 21.05.2019, 19:23 Uhr
Medikamentenmangel: Apotheker beklagen „dramatische“ Lieferengpässe bei Medikamenten
Gähnende Leere in den Apotheken-Regalen: Die Liste, in der das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte die von den Herstellern freiwillig gemeldeten Lieferengpässe aufführt, umfasst derzeit 21 Seiten. Foto: Colourbox.de

„Es gibt leider immer größere Engpässe bei zahlreichen Arzneimitteln“, sagt der Sprecher der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, Sebastian Sokolowski. „Die Situation ist in der Tat dramatisch“, bestätigt auch Thomas Haddenhorst, Apotheker aus Oelde, auf Nachfrage.

Die Liste, in der das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte die von den Herstellern freiwillig gemeldeten Lieferengpässe aufführt, umfasst derzeit 21 Seiten. Nach Angaben Sokolowskis sei es nicht unüblich, dass in manchen Apotheken bis zu 200 gewöhnliche Medikamente nicht verfügbar sind. Aus Sicht der Kammer ist die Mangelverwaltung „vor allem eine Folge des Kostendrucks“, so der Sprecher.

„Grund für die Engpässe ist der Spardruck“

Das sieht der Vorstandsvorsitzende des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe, Klaus Michels, genauso. „Grund für die Engpässe ist der Spardruck“, sagt er. Die meisten Pharmafirmen ließen die Wirkstoffe kostengünstig im Ausland – meist in Asien – produzieren. Oftmals gebe es nur noch wenige Hersteller. Bei Produktionsproblemen seien dann Lieferengpässe die logische Folge.

Hinzu kommt, dass es für die Hersteller „meist lukrativer ist, ihre Ware in andere Länder zu liefern, in denen noch höhere Preise als in Deutschland gezahlt werden“, so Michels. Der Druck sei inzwischen so groß, dass hierzulande die Versorgungssicherheit nicht mehr grundsätzlich gewährleistet sei.

Folgen für die Patienten

Im Moment sei es noch möglich, die Verknappung durch die Vergabe anderer Medikamente zu kompensieren, ergänzt Elke Balkau, Apothekerin aus Tecklenburg. Dafür müsse sie die Patienten aber in den meisten Fällen zum Arzt zurückschicken, damit der die Medikation umstellt. Das sei für den Betroffenen sehr ärgerlich und für Patienten, die mehrere Arzneimittel ein­neh­men müssen, durchaus riskant.

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