Meal-o als Inklusionsbetrieb ausgezeichnet
Inklusion in den ersten Arbeitsmarkt: Helle Freude statt Frust

Schöppingen -

Anfangs war Nico Herrmann sehr zurückhaltend. Doch während und nach seinem Praktikum blühte der 23-jährige Autist immer weiter auf. Mittlerweile ist er Mitarbeiter beim Software-Unternehmen Meal-o. Ein Zuckerschlecken war der Weg bis dahin nicht immer.

Freitag, 17.05.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 17.05.2019, 16:34 Uhr
Über die gelungene Einbindung von Eva Schmidt (2.v.l.) und Nico Herrmann (2.v.r.) in das Unternehmen freuen sich Geschäftsführerin Sabrina Isermann-Ravensburg (r.) und Uwe Isermann (l.).
Über die gelungene Einbindung von Eva Schmidt (2.v.l.) und Nico Herrmann (2.v.r.) in das Unternehmen freuen sich Geschäftsführerin Sabrina Isermann-Ravensburg (r.) und Uwe Isermann (l.). Foto: Rupert Joemann

Für Michael Veltmann ist es ein Spagat zwischen sozialem Engagement und Wirtschaftlichkeit. Der Mitarbeiter des LWL-Inklusionsamts Arbeit hat das Software-Unternehmen Meal-o auf dem Weg zum zertifizierten Inklusionsbetrieb begleitet.

Hinter dem offiziellen Titel stecken Menschen. Und deren Persönlichkeitsentwicklung durch die Arbeit ist für Meal-o-Geschäftsführerin Sabrina Isermann-Ravensburg eine helle Freude. So wie beim autistisch veranlagten Nico Herrmann.

Der 23-Jährige reparierte bereits in seiner Jugendzeit leidenschaftlich gerne Computer. Mit diesem Talent fiel er Uwe Isermann, Lehrer an der St.-Elisabeth-Förderschule Steinfurt und Ehemann von Sabrina Isermann-Ravensburg, auf.

Mit Praktikum gestartet

Zunächst absolvierte Nico Herrmann ein Praktikum bei Meal-o. Dabei war er anfangs sehr zurückhaltend. „Heute übernimmt Nico eigenständig das Telefon und den Support“, erzählt Sabrina Isermann-Ravensburg. Auch zu Kunden fährt er regelmäßig alleine. Der 23-Jährige blüht auf. Und das nicht nur dienstlich. Auch im Privatem fällt ihm der Umgang mit Menschen leichter. Zuletzt feierte er mit einigen Gästen seinen Geburtstag. Früher hätte sich Nico Herrmann das nicht zugetraut.

Doch ein Zuckerschlecken war der Weg bis dahin nicht. Besonders wichtig war und ist das Vertrauensverhältnis zum Ehepaar Isermann. „Es gab gute und nicht so gute Phasen“, gibt Sabrina Isermann-Ravensburg zu. Die Zusammenarbeit kostete zum Teil viel Zeit und Kraft. Doch aus ihrer Sicht hat es sich gelohnt.

Auch Nico Hermann steckte viel Energie in den gemeinsamen Weg. Bereits zu seinem Praktikum 2015 fuhr er mit dem Fahrrad von seinem Wohnort Burgsteinfurt nach Schöppingen. Seit August 2018 ist der 23-Jährige nun fest angestellt.

Im vergangenen Dezember überraschten ihn die Isermanns. Am Tag seiner bestandenen Führerschein-Prüfung stellten sie ihm einen Dienstwagen vor die Tür. Bereits beim Weg zur Führerschein-Prüfung unterstützte das Ehepaar ihren Mitarbeiter. Viele glaubten nicht, dass Nico Herrmann den Führerschein packt, das Schöppinger Ehepaar wohl.

Hilfe zur vertieften Berufsorientierung

Durch das Landesprogramm „Star – Schule trifft Arbeitswelt zur Integration (schwer)behinderter Schülerinnen und Schüler im Arbeitsleben“ sollen junge Menschen mit Behinderung Zugang zu einer vertieften Berufsorientierung erhalten. Ziel ist, die Chancen einer beruflichen Eingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu verbessern. Zur Zielgruppe gehören Mädchen und Jungen mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung in den Bereichen geistige Entwicklung, körperliche und motorische Entwicklung, Hören und Kommunikation, Sehen und Sprache. Gefördert werden unter anderem Investitionskosten zum Aufbau eines entsprechenden Arbeitsplatzes. Zudem gibt es einen Lohnkostenzuschuss.

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Mit Eva Schmidt absolviert derzeit eine junge Frau vom Gronauer Wittekindshof im Meal-o-Büro ein Praktikum. „Sie erledigt selbstständig den Briefverkehr. Eva besitzt sehr viel Potenzial“, ist Isermann-Ravensburg überzeugt. Die 22-Jährige sei schon viel offener geworden, so die Geschäftsführerin. Auch bei Eva Schmidt sei gut zu beobachten, wie die Erfolge bei der Arbeit sich positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung auswirkten, so Isermann-Ravensburg.

Gute Betreuung ist wichtig

„Inklusionsbetriebe sind ein guter Weg der Integration“, ist auch Michael Veltmann vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) überzeugt. Für den LWL betreut im Kreis Borken der Integrationsfachdienst (IFD) des Deutschen Roten Kreuzes sowohl die Menschen mit Behinderung als auch die Firmen. Sabrina Isermann-Ravensburg lobt die Zusammenarbeit mit Susanne Schulze Ameling vom IFD. „Man merkt, dass das klappt, wenn die Betreuung gut ist“, sagt die Geschäftsführerin.

Es gebe im Kreis Borken bei den Menschen mit Behinderung, die an dem Förderprojekt teilnehmen, wenig Rückkehrer vom ersten Arbeitsmarkt in Behindertenwerkstätten, so Schulze Ameling. „Sie sind viel zu stark für die Werkstatt.“

Unternehmen bieten mehr Plätze, als es Bewerber gibt

Eine große Offenheit für das Star-Landesprogramm (siehe Infokasten) erlebt Susanne Schulze Ameling vom Integrationsfachdienst (IFD) im Augenblick. „Wir haben mehr mögliche Plätze als Leute“, sagt Schulze Ameling. Im Bundesvergleich liege der Kreis Borken relativ weit vorne.In Nordrhein-Westfalen gebe es insgesamt rund 300 Firmen, die als Inklusionsunternehmen zertifiziert sind, so Michael Veltmann vom Inklusionsamt Arbeit des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL). Bundesweit, so schätzt er, seien es rund 900.Susanne Schulze Ameling vermutet, dass das Interesse der Unternehmen in der Region auch deshalb so groß sei, weil es momentan immer schwieriger sei, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen.

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