„Aktenzeichen XY“ erinnert an brutale Tat
Grevener Raub-Opfer (82): „Ich habe gedacht, die bringen mich um!“

Greven -

Die Räuber kamen am Abend und gingen ungewöhnlich brutal vor: Kurt D. hätte den Überfall um ein Haar nicht überlebt. Vier Männer prügelten den 82-Jährigen auf der Suche nach Beute fast eine Stunde lang durch sein eigenes Haus, bevor sie ihn gefesselt im Keller liegenließen. „Ich habe gedacht, die bringen mich um!“ Jetzt, knapp acht Monate später, erzählt er seine Geschichte.

Mittwoch, 15.05.2019, 20:08 Uhr aktualisiert: 15.05.2019, 22:22 Uhr
Eine nachgestellte Szene: Für die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ schlüpfte Schauspieler Claus Wilcke (rechts) in die Rolle des Grevener Raubopfers Kurt D.
Eine nachgestellte Szene: Für die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ schlüpfte Schauspieler Claus Wilcke (rechts) in die Rolle des Grevener Raubopfers Kurt D. Foto: ZDF/SaskiaPavekP

Es ist der 28. September 2018, ein Freitag. Erdogan trifft Merkel in Berlin, in der Bundesliga schlägt Hertha BSC Bayern München, die Gewerkschaft der Polizei klagt in Berlin über Personalmangel. Gegen 21 Uhr steht Kurt D. in der Küche seines Einfamilienhauses in einem Wohngebiet am Rande von Greven und bereitet das Abendessen vor: Kartoffelsalat mit Brot. Der 82-Jährige ist alleine zu Hause, weil sein Sohn, der mit im Haus wohnt, im Stadion den 3:0-Sieg von Preußen Münster über den SV Wehen Wiesbaden feiert.

Plötzlich stehen zwei Männer neben dem Rentner. Die Kragen hochgeklappt, Baseballkappen tief ins Gesicht gezogen. „Wir wissen, dass du viel Geld hast“, behaupten sie in gebrochenem Deutsch. „Wo ist das?“

Mit der Faust ins Gesicht geschlagen

Kurt D. lässt sich das nicht gefallen. Er ist topfit, schreit die inzwischen vier Räuber an. Doch die Tortur beginnt erst. „Der eine hatte einen dicken Schraubenzieher. Den hat er in beide Hände genommen und gegen meinen Hals gedrückt. Dann haben sie mich am Kragen gepackt und durchs Haus gezogen.“

Die Einbrecher, so stellte sich später heraus, hatten eine Kellertür aufgebrochen und waren so ins Haus gelangt. Jetzt prügeln sie den Rentner, schlagen ihm mit der Faust ins Gesicht. „Ich habe geblutet wie ein Schwein.“ Doch Kurt D. hilft den Tätern nicht. Sie durchsuchen das ganze Haus. Reißen Schubladen raus, werfen Mö­bel um, schlitzen Sessel und Matratzen auf in der Hoffnung, verstecktes Geld, Gold und Schmuck zu finden.

Todesangst

Kurt D. hat Todesangst. „Ich habe gedacht: Wenn die so weiter machen, ist es gleich soweit. Aber dann hast du es wenigstens geschafft.“ Die Schläge, die Schmerzen, die Tortur. Niemand hilft ihm. Nachbarn sehen zwar den Schein von Taschenlampen – doch sie denken, bei D. sei der Strom ausgefallen und der fitte Senior helfe sich selbst.

Kurt D. bricht bewusstlos zusammen

Nach etwa einer Stunde gehen bei ihm die Lichter aus. „Im Flur bin ich bewusstlos zusammengebrochen.“ Doch die Täter lassen nicht von ihm ab. Sie schleifen ihn an den Füßen die Kellertreppe hinab. Stufe für Stufe schlägt sein Kopf auf, Blutlachen geben später Zeug­nis davon. Im Keller fesseln sie seine Hände und Füße, lassen den Bewusstlosen liegen und flüchten.

Erst jetzt rufen Nachbarn die Polizei. Kurt D. kommt ins Krankenhaus – mit Platzwunden, die genäht werden müssen. „Und einen Oberschenkelhalsbruch haben die mir verpasst!“ Am Tag drauf bekommt er eine neue Hüfte.

Raubüberfall auf 82-jährigen Grevener bei "Aktenzeichen XY... ungelöst"

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  • Am 15. Mai 2019 zeigt die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" einen Beitrag über einen Raubüberfall am 28. September 2018 in Greven. Das 82-jährige Opfer - dargestellt von Schauspieler Claus Wilcke - wird in seiner eigenen Wohnung überfallen und brutal misshandelt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Studio: Jannick Roling von der Polizei Steinfurt und Moderator Rudi Cerne.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Auf einer Karte wurde der Tatort am Schwarzen Weg in Greven gezeigt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 15. Mai 2019 zeigt die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" einen Beitrag über einen Raubüberfall am 28. September 2018 in Greven. Das 82-jährige Opfer - dargestellt von Schauspieler Claus Wilcke - wird in seiner eigenen Wohnung überfallen und brutal misshandelt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 15. Mai 2019 zeigt die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" einen Beitrag über einen Raubüberfall am 28. September 2018 in Greven. Das 82-jährige Opfer - dargestellt von Schauspieler Claus Wilcke - wird in seiner eigenen Wohnung überfallen und brutal misshandelt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Studio: Jannick Roling von der Polizei Steinfurt und Moderator Rudi Cerne.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Tatwerkzeug: ein Schraubenzieher.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Eine nachgestellte Szene: Für die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ schlüpfte Schauspieler Claus Wilcke (rechts) in die Rolle des Grevener Raubopfers Kurt D.

    Foto: ZDF/SaskiaPavekP

Das Haus: seine Heimat

Erst sieben Wochen später kommt er nach einer Reha in Bad Iburg wieder in sein Haus. „Ich habe kurz überlegt, ob ich hier wegziehe“, erinnert er sich. „Aber ich habe hier jeden Stein in der Hand gehabt!“ Das Haus: seine Heimat - seit 40 Jahren.

Kommentar: Unglaubliche Brutalität

Mit unglaublicher Brutalität gingen die vier feigen Männer gegen ihr 82-jähriges Opfer vor. Schlagen, treten, die Treppe runterschleifen, gefesselt zurücklassen – sie nahmen offensichtlich in Kauf, dass der bestohlene Senior in der Blutlache im Keller sterben könnte – nach der Tat. Dabei hätten sie die gleiche Beute auch mit weniger Brutalität gemacht.

Einbrüche sind als großes Problem unserer Zeit erkannt. Die Polizei reagiert, die Einbruchszahlen gehen zurück, Fahndungserfolge nehmen zu. Genug kann all das freilich niemals sein. Denn was gibt es Schlimmeres als das Gefühl, in den eigenen vier Wänden nicht sicher zu sein?

Gunnar A. Pier

...

Wie geht es ihm heute? „Schlecht“, sagt er offen. „Ich war nach der Reha wieder fit wie ein Turnschuh.“ Deshalb nahm er am 12. April das Fahrrad, um die 17 Kilometer zur Trauma-Ambulanz in Münster zu radeln. Auf dem Rückweg schmerzte plötzlich sein linkes Bein. Heute weiß er: Bandscheibenvorfall, die wohl langwierigste körperliche Folge jenes 28. September.

„Die Angst kommt immer wieder.“

Und er trägt die psychischen Folgen. „Die Angst kommt immer wieder.“ Kurt D. schläft lieber am Tag als nachts, da fühlt er sich sicherer. „Ich habe keinen vernünftigen Rhythmus mehr.“ Die körperlichen Beschwerden belasten ihn – der zuletzt täglich zwei Stunden Fahrrad gefahren ist. „Der Einbruch hat mein Leben kaputt gemacht“, sagt er. „Es macht keinen Spaß mehr.“

Die Täter gingen spät abends. Aber für Kurt D. gingen sie niemals so ganz.

Der Fall wird am Mittwochabend (15. Mai 2019) ab 20.15 Uhr in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ behandelt.

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