Initiative „Maria 2.0“ in Münster
„Verachtete Hälfte“ fordert Neuaufbruch in der Kirche

Münster -

Etwa 700 bis 800 Gläubige haben sich am Sonntagvormittag einer Mahnwache der Initiative „Maria 2.0“ vor dem Dom in Münster angeschlossen. Sie protestieren damit gegen den Umgang mit Missbrauch in der katholischen Kirche und forderten eine stärkere Beteiligung von Frauen in der Kirche. 

Sonntag, 12.05.2019, 13:10 Uhr aktualisiert: 12.05.2019, 19:24 Uhr
Initiative „Maria 2.0“ in Münster: „Verachtete Hälfte“ fordert Neuaufbruch in der Kirche
Hunderte Menschen versammelten sich am Sonntag vor dem Dom um Münster, um sich für eine stärkere Beteiligung von Frauen in der katholischen Kirche einzusetzen. Foto: Matthias Ahlke

Die große Beteiligung wertete Lisa Kötter, eine der Initiatorinnen, als Zeichen für eine „ganz große Sehnsucht“. Der Aufruf der Frauen aus der Gemeinde Heilig-Kreuz, in den Streik zu treten, weil sie in der Kirche ohnehin außen vor seien, sei auf einen „fruchtbaren Boden gestoßen“, sagte sie. „Frauen dürften in der Welt heute fast alles“, sagte sie. „Nur nicht in der katholischen Kirche und in Saudi-Arabien.“

Die Initiative ist von der großen Resonanz auf „Maria 2.0“ völlig überrascht. Nicht nur überall in Deutschland beteiligen sich Frauen an dem Projekt. Auch über die Grenzen hinaus gibt es ähnliche Veranstaltungen. Lisa Kötter ist jetzt schon überzeugt, dass durch die Aufmerksamkeit viel angestoßen worden sei, dass sich nicht mehr zurückdrehen lasse. „Mein Herz hüpft, weil ich an den vielen Zuschriften und Telefonaten sehe, dass Zehntausende Menschen mitmachen“, sagte sie.

Die Bewegung werde auf jeden Fall weitergehen. Niemand habe mehr Angst, Kritik laut zu äußern. „Da könne auch kein Bischof oder Generalvikar mehr dran vorbeigucken.“

Maria 2.0-Mahnwache am Dom

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  • Frauenprotest vor dem Dom in Münster:

    Foto: Matthias Ahlke
  • 700 bis 800 Frauen beteiligten sich an der Mahnwache, zu dem die Initiative maria 2.0 aufgerufen hatte.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Frauen protestieren gegen den Missbrauch in der Kirche und die von Männern beherrschten Strukturen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit der Mahnwache beginnt ein einwöchiger Streik, bei dem die teilnehmenden Frauen keine Kirche betreten und keine Dienste verrichten wollen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit der Mahnwache vor den Kirchenmauern wollen die Initiatorinnen aus Münster „die Realität der Frauen in der Kirche sichtbar machen, dass Frauen ausgeschlossen sind“.

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  • Sehen Sie im Folgenden weitere Impressionen der Aktion auf dem Domplatz

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„Streiks sind nicht das richtige Mittel“

Vertreter des Bistums Münster haben die Mahnwache am Sonntagmittag offiziell nicht besucht. In einer Stellungnahme tut sich der Bischof von Osnabrück, Franz-Josef Bode, zwar schwer damit, dass auch Eucharistiefeiern boykottiert werden. Er sagt aber auch: „Die Ungeduld vieler Frauen in der katholischen Kirche muss man wahrnehmen. Dahinter steckt eine ganz tiefe Verletzung, dass sie sich in Kirche nicht so angenommen fühlen, wie es ihrem Einsatz entspricht.“ 

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Gegenüber den ARD-Tagesthemen meinte Matthias Kopp, Sprecher der deutschen Bischofskonferenz: „Die Bischöfe verstehen die Unruhe und auch, dass es Änderungen geben muss, aber Stück für Stück. „Wir brauchen einen Dialog, Streiks sind nicht das richtige Mittel.“

Mahnwache mit Gesang und Gebet

Während der Mahnwache sangen und beteten die Frauen. Lisa Kötter hob während der Feier hervor: „Es ist uns ernst mit der Berufung aller Getauften. Und mit der Gleichberechtigung der Frau. Die mit gleicher Würde und mit gleichen Berufungen gesegnet und geliebt ist als Gottes Kind, wie jeder Mann. Wie jeder Mensch. Frauen sind nicht die besseren Menschen. Aber nur gemeinsam, auf Augenhöhe, können wir uns gegenseitig beflügeln, uns gegenseitig auf die Finger schauen (und auch mal klopfen), nur gemeinsam können wir belebend wirken. Wer Frauen nicht achtet, ohne Wenn und ohne Aber, der verachtet die Hälfte der geliebten Kinder Gottes.“

Viele Aktionen im Münsterland

Im Münsterland starten die Frauen mit einer ganzen Reihe von verschiedenen Aktionen in die Streikwoche: In Lüdinghausen etwa bildeten am Samstagabend Frauen eine Menschenkette rund um die Pfarrkirche St. Felizitas. Viele Gottesdienste fanden vor statt in den Kirchen statt, so zum Beispiel in Borken, Greven, Gronau, Lengerich und Rheine. In Greven-Reckenfeld blieb der Eine-Welt-Laden geschlossen. Als Zeichen ihrer Solidarität mit „Maria 2.0“ unterschrieben in Rheine viele das auf den Kirchenstufen liegende Transparent mit dem Text: „Maria 2.0. Ein Neuaufbruch in der Kirche. Ich bin dabei“.

Bis zum nächsten Wochenende wollen die Frauen keine Gotteshäuser betreten und sich zum Beispiel an der Vorbereitung von Gottesdiensten nicht beteiligen. Bereits am Samstagabend hatten rund 200 Frauen vor der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Münster mit einem Gottesdienst die Streikwoche eingeläutet. 

Auftakt zum Kirchenstreik "Maria 2.0" in Heilig-Kreuz-Gemeinde

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  • Lisa Kötter (l.) und Andrea Voß-Frick feierten mit rund 200 Gläubigen vor der Heilig-Kreuz-Kirche einen Gottesdienst.

    Foto: Stefan Werding
  • Während der Feier teilten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Brot und wünschten sich den Frieden.

    Foto: Stefan Werding
  • Zu Beginn der Feier verteilen die Gläubigen Blumen und Brot auf einem Tisch.

    Foto: Stefan Werding
  • Während der Feier teilten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Brot und wünschten sich den Frieden.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Rund 200 Gläubige kamen am Samstagabend vor die Heilig-Kreuz-Kirche.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Das Medieninteresse war groß: Mehrere Kamerateams und Fotografen kamen ins Kreuzviertel.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Stefan Werding, Pjer Biedersädt
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