Ameker müssen auf Biergarten verzichten
Viel Lärm um eine kleine Terrasse

Ameke -

Im März hat Drago Medjedovic Post vom Kreis Warendorf bekommen. Der Betrieb seines Biergartens ist dem Wirt des Landhauses Thiemann untersagt worden. Der Grund dafür liegt schon mehr als 30 Jahre zurück.

Donnerstag, 25.04.2019, 20:10 Uhr aktualisiert: 25.04.2019, 20:48 Uhr
Geschlossen hat seit Kurzem der Biergarten des Landhauses Thiemann. Doch ohne Außengastronomie wollen Wirt Drago Medjedovic und seine Frau Lubiza die Gaststätte nicht betreiben.
Geschlossen hat seit Kurzem der Biergarten des Landhauses Thiemann. Doch ohne Außengastronomie wollen Wirt Drago Medjedovic und seine Frau Lubiza die Gaststätte nicht betreiben. Foto: Evering

„Ich habe keine Wahl: Wenn sich nichts bewegt, dann mache ich zu.“ Drago Medjedovic betreibt das Landhaus Thiemann mit viel Herzblut. Doch als er vor etwa vier Wochen ein Schreiben vom Kreis Warendorf bekam, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass er seine Außengastronomie unverzüglich stilllegen müsse, hat ihn das sehr getroffen. „Und ohne Terrasse will ich das Haus nicht betreiben.“

„Es handelt sich um eine Verkettung unglücklicher Umstände“, erklärt Bauingenieur Markus Gawlik, der vom Eigentümer der Immobilie mit den weiteren Planungen beauftragt worden ist. Denn anders als zum Teil in den sozialen Medien geschildert, ist nicht eine Beschwerde wegen Ruhestörung der eigentliche Grund für die Stilllegung, sondern die Terrasse an sich. „Das Abdach ist vor mehr als 30 Jahren ohne Genehmigung gebaut worden“, weiß Gawlik. Überdies gelte die Konzession nur für den Innen-, nicht aber für den Außenbereich. Ein Antrag, das Abdach nachträglich genehmigen zu lassen, sei abgelehnt worden. Darauf folgte im März die Ordnungsverfügung, die die Nutzung „insbesondere aus Brandschutzgründen“ untersagt. Diesen Hergang bestätigt die Pressestelle der Kreisverwaltung.

Das städtische Ordnungsamt war bereits vorher involviert. Der Grund: Beschwerden wegen Ruhestörung. Dass sich ein Anwohner darüber beklagt hatte, hat den Pächter laut eigener Aussage sehr überrascht, habe er doch eigentlich gedacht, mit allen Bürgern im Dorf gut auszukommen. Dass sich nun jemand an offizielle Stellen gewandt habe, ohne zuvor das persönliche Gespräch mit ihm zu suchen, habe ihn enttäuscht. „Mit mir kann man doch über alles reden“, so Medjedovic, der das Gasthaus im Schatten der Georgskapelle seit 2010 betreibt.

Erste Beschwerde schon 2015

Etwas anders stellt Nachbar Hermann Aschwer die Situation dar. Er ist bei der Stadt vorstellig geworden: zum ersten Mal 2015, dann wieder im Herbst 2018. „Davor habe ich Drago mehrfach persönlich angesprochen und angerufen“, betont der Ameker, der seit 45 Jahren in dem Haus wohnt, dessen Garten direkt an den des Landhauses grenzt. Doch der Wirt habe sich uneinsichtig gezeigt. Deswegen folgte in letzter Konsequenz die Beschwerde bei der Stadt.

Wenn es mal etwas lauter werde, sei das ja kein Thema, betont Aschwer. Doch regelmäßige Feiern, zum Teil bis 4 Uhr morgens, wolle er nicht hinnehmen. Zudem hätten Planen, mit denen das Abdach vor einigen Jahren „eingehaust“ wurde, die Situation noch verschlimmert. „Das hat wie ein Lautsprecher gewirkt“, so Aschwer.

Es handelt sich um eine Verkettung unglücklicher Umstände.

Bauingenieur Markus Gawlik

Nach der aktuellen Verfügung des Kreises sind Tische und Stühle nun in einer Ecke der Terrasse gestapelt. An den zurückliegenden Ostertagen konnte Drago Medjedovic den Biergarten, der Platz für etwa 50 Gäste bietet, nicht nutzen. Ein herber Verlust. Nun soll laut Ingenieur Markus Gawlik das Abdach noch im April zurückgebaut und eine Konzession für den Außenbereich beantragt werden.

Lärmgutachten ist erforderlich

Dabei spielt dann auch das Lärm-Thema wieder eine Rolle. Denn: „Um planungsrechtlich entscheiden zu können, ob für den Gasthof überhaupt eine Außengastronomie möglich ist, ist ein Lärmgutachten erforderlich, das bezogen auf die konkreten Betriebszeiten und maximalen Besucherzahlen die Nachbarschaft berücksichtigt. Zuständig für diese Prüfung im Rahmen einer Bauvoranfrage ist das örtliche Ordnungsamt“, teilt der Kreis Warendorf dazu mit.

Mit der Prüfung ist die Stadt nun seit März beschäftigt. Um die bestehende Gaststätten-Konzession erweitern zu können, müssten verschiedene Stellen beteiligt werden, unter anderem auch das Bauamt des Kreises, so die Stadt auf WN-Anfrage. Erst wenn dessen „baurechtliche Bedenken“ behoben seien, könne das Ordnungsamt weiter tätig werden und kurzfristig eine Schankgenehmigung für den Außenbereich erteilen.

Eine Schallpegelmessung für das nötige Lärmgutachten will Markus Gawlik zeitnah durchführen. Für den 1. Mai solle vorerst eine Sondergenehmigung beantragt werden – damit Spaziergänger und Radfahrer zumindest diesen Feiertag auch auf der Terrasse des Landhauses Thiemann verbringen könnten. Der Antrag liegt der Stadtverwaltung vor und wird aktuell geprüft.

Nachtruhe und Lärmschutz

Bezüglich der Öffnungszeit für den Außenbereich gilt im Allgemeinen die Nachtruhe, die das Landesimmissionsschutzgesetz für 22 bis 6 Uhr ausweist. „Eine Ausnahme würde in diesem Fall vorliegen, da es sich um eine Außengastronomie handelt. Dabei verkürzt sich die Nachtruhe auf 24 bis 6 Uhr“, teilt die Stadtverwaltung mit. Die Richtwerte für Immissionen ergeben sich aus dem Bundes-Immissionsschutzgesetz. Erlaubt sind demnach Lärmpegel zwischen 50 und 60 Dezibel (tags) beziehungsweise zwischen 35 und 45 Dezibel (nachts) – je nachdem, ob es sich um ein reines Wohngebiet, ein allgemeines Wohngebiet oder ein Mischgebiet handelt. Worunter der Ortskern von Ameke genau fällt, prüft die Stadt derzeit noch.

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