Kein „El Dorado“ für Windräder
Bürgerinitiative Gegenwind will Bau weiterer Anlagen in Vellern stoppen

Vellern -

Aus Vellern kommt mächtig Gegenwind. Genau so heißt die Bürgerinitiative, die den Bau eines Teiles von weiteren Windkraftanlagen im Nahbereich des Beckumer Ortsteiles verhindern will. „Wir sind aber keine radikalen Windkraftgegner“, betont Ludger Schweck.

Donnerstag, 25.04.2019, 06:01 Uhr aktualisiert: 25.04.2019, 08:27 Uhr
Allein im Nahbereich von Vellern stehen 13 Windräder. Sechs dieser 100 Meter hohen Anlagen sollen jetzt durch zwei neue 240 Meter hohe Anlagen ersetzt werden. Ferner sind vier weitere 200 Meter hohe Windräder rechts und links der A2 geplant. Die Autobahn führt durch Vellern.
Allein im Nahbereich von Vellern stehen 13 Windräder. Sechs dieser 100 Meter hohen Anlagen sollen jetzt durch zwei neue 240 Meter hohe Anlagen ersetzt werden. Ferner sind vier weitere 200 Meter hohe Windräder rechts und links der A2 geplant. Die Autobahn führt durch Vellern. Foto: Beate Kopmann

„Wenn Atomkraftwerke abgeschaltet werden, brauchen wir regenerative Energien“, beteuert er. Dies sei auch dadurch dokumentiert, dass nur die beiden vorderen der vier neu geplanten Anlagen nicht akzeptiert werden. Außerdem müsse es gerecht zugehen. Aus Sicht der Bürgerinitiative ist das nicht der Fall. Das kleine Vellern verkomme vielmehr zum „El Dorado“ für Windräder.

Wenn ich mich einmal um die eigene Achse drehe, sehe ich hier 34 Windräder.

Reinhild Schmidt

Dabei haben sich die Dorfbewohner an die 13 Windräder, die seit 1996 in Vellern stehen, längst gewöhnt. „Die haben eine Höhe von 100 Metern, das geht.“ Aber jetzt sind vier weitere Windräder geplant, die jeweils 200 Meter hoch sind. Auch sollen sechs der kleineren Windräder durch zwei neue 240 Meter hohe Anlagen ersetzt werden. „Wahrscheinlich kann sich keiner vorstellen, wie es aussehen wird, wenn rings um das Dorf diese ganzen Spargelanlagen stehen werden“, warnt Jochen Feichtinger.

Die Initiative Gegenwind sieht es deswegen als ihre Aufgabe an, die Dorfbewohner zu informieren und zum Protest zu bewegen. Verhindern könnte eine weitere Verspargelung des Dorfes wohl nur der Kreis Warendorf. Denn der müsste die Baugenehmigung erteilen, nachdem die Stadt Beckum darauf verzichtet hat, Vorranggebiete für Windkraftanlagen auszuweisen.

„Vellern ist schon heute sehr gebeutelt“, erläutert Schweck. „Die A2 zerschneidet das Dorf. Wir haben eine Hochspannungsleitung und einen Funkmasten im Bereich von Wohngebieten. Und nun soll auch noch der Windkraft-Ausbau an dieser Stelle vorangetrieben werden.“ Gleichzeitig seien andere Beckumer Bezirke völlig davon befreit, einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. „Dazu zählen auch Regionen, in denen schon seit Jahrhunderten eine Windmühle steht. Genug Wind scheint es dort also auch zu geben.“

Zwei Projektentwickler planen Anlagen für Vellern

Der Projektentwickler „Bremer Energie Kontor AG“ will in Vellern sechs bestehende 100 Meter hohe Windkraftanlagen durch zwei neue 240 Meter hohe Anlagen ersetzen. Ferner sollen durch den Projektentwickler „BayWa Wind GmbH“ rechts und links der Autobahn 2 vier neue 200 Meter hohe Windräder errichtet werden. Die Windräder werden im Dorf von jeder Stelle zu sehen sein. Zum Teil ist nur ein Abstand von 500 Metern zur Wohnbebauung gegeben. Die Bürgerinitiative „Gegenwind“ fordert einen Mindestabstand von 1,5 Kilometern. In Bayern, wo das Unternehmen „BayWa Wind GmbH“ ansässig ist, gilt seit 2014 ein Mindestabstand vom Zehnfachen der Höhe von Windrädern zu Wohngebäuden in Gebieten mit Bebauungsplänen, also zum Beispiel 2000 Meter bei 200 Meter hohen Anlagen. Das hatte zur Folge, dass sich die Projektentwickler neue Standorte suchten. Lagen im Jahr 2013 noch 400 Bauanträge für Windkraftanlagen in Bayern vor, so wurden nach Inkrafttreten des Gesetzes 2014 nur noch vier Anträge eingereicht.

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Claudia Utz ärgert sich außerdem, weil die Abstände zwischen Windrädern und Häusern zu gering sind. „Mein Haus liegt 500 Meter von den geplanten Anlagen entfernt. Ich kann den Rädern demnächst beim Schreddern der Vögel zugucken.“ Die Bürgerinitiative fordert einen Mindestabstand von 1,5 Kilometern.

Wie sieht Vellern aus, wenn rings um das Dorf Spargelanlagen stehen?

Jochen Feichtinger

Längst kann sich das kleine Vellern mit 1100 Einwohnern energetisch längst selbst versorgen. „Wir haben hier rund 400 Haushalte, können aber 6800 mit dem bei uns produzierten Strom versorgen“, weist Reinhild Schmidt auf ein weiteres Ungleichgewicht hin und ergänzt: „Wenn ich mich einmal um die eigene Achse drehe, sehe ich 34 Windräder.“ Denn im Außenbereich des Dorfes befänden sich ebenfalls Windkraftanlagen. „Dabei nennt man Vellern auch ,Beckums schöne Tochter‘ – wegen der vielen Dorfwettbewerbe, die wir gewonnen haben.“ Aus Sicht von Schmidt hat Vellern genug Engagement für die Gesellschaft gezeigt. „Und unser Beitrag zur Energiewende ist auf jeden Fall mehr als erbracht.“

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