Lebensmittelhandwerk
Immer weniger Fleischereien und Bäckereien im Münsterland

Frankfurt/Münster -

Immer mehr traditionelle Bäckereien und Fleischereien im Münsterland geben auf. Zahlen belegen einen drastischen Rückgang der handwerklichen Bäckereien und Fleischereien in den letzten zehn Jahren. Dafür gibt es Gründe.

Dienstag, 23.04.2019, 21:50 Uhr aktualisiert: 23.04.2019, 22:00 Uhr
Im Fleischer- und im Bäckerhandwerk schrumpft die Zahl der Traditionsbetriebe seit Jahren deutlich.
Im Fleischer- und im Bäckerhandwerk schrumpft die Zahl der Traditionsbetriebe seit Jahren deutlich. Foto: colourbox.de

In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der handwerklichen Bäckereien von 259 (2008) auf lediglich noch 182 im Jahr 2018 gesunken, berichtete die Handwerkskammer Münster am Dienstag unserer Zeitung. Im gesamten Kammerbezirk, also inklusive der Emscher-Lippe-Region, schrumpfte die Zahl der Bäckereibetriebe sogar von 371 auf nur noch 252.

Auch im Fleischer-Handwerk sanken die Zahlen drastisch: Nur noch 217 Firmen (minus 70) gibt es im Münsterland, 294 (minus 111) im Kammerbezirk.

„Seit einigen Jahren schließen im Bäcker- und Fleischerhandwerk jedes Jahr mehr Betriebe, als neue eröffnet werden“, sagte Herbert Dohrmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Fachverbände des Lebensmittelhandwerks.

Ladensterben in Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen ging die Zahl der Bäckereien seit 2008 um rund ein Drittel auf 1631 zurück. Fast im Gleichschritt verringerte sich die Zahl der Fleischer-Fachbetriebe von 2546 Ende 2008 auf 1664 Ende 2018, teilte der Zentralverband des Deutschen Handwerks mit.

Damit war das Ladensterben in Nordrhein-Westfalen sogar noch etwas stärker ausgeprägt als im gesamten Bundesgebiet. In Deutschland insgesamt sank die Zahl der in der Handwerksrolle eingetragenen Bäckereien seit Ende 2008 um knapp 30 Prozent auf 10 926 Betriebe, die Zahl der Fleischereibetriebe verringerte sich von 18 320 auf 12 879.

Konkurrenz durch Supermärkte

Den Fachbetrieben macht die Konkurrenz der großen Handelsketten wie Edeka, Rewe, Aldi oder Lidl zu schaffen. Doch nicht nur Bürokratie und Konkurrenz von Discountern und Supermärkten belasten die beiden großen Zweige des Lebensmittelhandwerks. Hinzu kommen Fachkräftemangel und das gesunkene Interesse von Schulabgängern an einer Ausbildung zum Bäcker oder Metzger. Oft steht auch kein Nachfolger für aus Altersgründen ausscheidende Eigentümer bereit.

Fachkräfte- und Nachwuchsmangel

Vor allem der Fachkräftemangel bereitet den Betrieben Sorge. „Das Problem ist der Mangel an qualifiziertem Personal und an Nachwuchskräften, aus denen eine neue Generation von Inhabern entstehen müsste“, sagte Dohrmann. „Den elterlichen Betrieb übernimmt nur noch, wer dies wirklich will.“

Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung mangelte es den Bäckereien im vergangenen Jahr mit 906 nicht vergebenen Ausbildungsstellen massiv an Nachwuchs. Bei den Fleischereien fehlten 894 Azubis. Im Münsterland sank die Zahl der Lehrlinge im Fleischerhandwerk seit 2008 um 44 Prozent auf 52. Im Bäckerhandwerk war der Einbruch laut Handwerkskammer noch stärker. Ein Minus von 52 Prozent ließ die Auszubildendenzahl auf 131 sinken.

Hinzu kommt: „Wer von seinem Beruf begeistert ist und ein Unternehmen neu gründen möchte, hat es schwerer als früher“, erläutert Dohrmann, der auch Präsident des Deutschen Fleischer-Verbandes ist. „Die Hürden, seien es die bürokratischen oder die finanziellen, sind nicht gerade niedriger geworden.“

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