Dülmener Wildpferde
Ein Hauch Wilder Westen mitten im Münsterland

Dülmen -

Wasserschlösser, Kilometer lange Radwege und viel Natur - das alles hat das Münsterland zu bieten. Und etwas ganz Besonderes zu bestaunen gibt es am Rande von Dülmen: die letzte Wildpferdeherde Europas. 

Dienstag, 23.04.2019, 15:10 Uhr
Die ersten Fohlen im Merfelder Bruch wurden bereits vor einigen Wochen geboren.
Die ersten Fohlen im Merfelder Bruch wurden bereits vor einigen Wochen geboren. Foto: Beena Shaikh

Wer diese besuchen möchte, hat gleich mehrere Möglichkeiten. Die erste - und gleichzeitig spektakulärste findet jedes Jahr am letzten Maiwochenende statt: Der weit über Dülmens Grenzen hinaus beliebte Wildpferdefang . Dabei werden die einjährigen Hengste der Herde, die sogenannten Jährlinge, von ausgebildeten Fängern mit der Hand eingefangen.

Nach dem Fangen werden sie gechipt und sind somit als Dülmener Wildpferd des Herzogs von Croy zu identifizieren. Anschließend gibt es die Möglichkeit, einen Hengst per Verlosung oder Versteigerung zu erwerben. 

Nachwuchs bei den Dülmener Wildpferden

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  • Etwa 12 km westlich von Dülmen liegt das Naturschutzgebiet Merfelder Bruch. Hier leben die Dülmener Wildpferde, eine ursprünglich aussehende Kleinpferderasse mit meist braun- oder graufalber Färbung, einem Stockmaß von etwa 1,30 Meter und dem für Wildpferde typischen Aalstrich von der Mähne bis zum Schweif.

    Foto: Beena Shaikh
  • Die Dülmener Wildpferde sind inzwischen die einzigen unter den Wildpferderassen, die immer in freier Wildbahn lebten und nicht die Nachkommen domestizierter Pferde sind.

    Foto: Beena Shaikh
  • Die erste urkundliche Erwähnung der Tiere stammt aus dem Jahr 1316. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Wildpferde lange vor dieser Zeit im Merfelder Bruch beheimatet waren. Die Bruchlandschaft umfasste ursprünglich eine Fläche von mehreren tausend Hektar. Mit der fortschreitenden landwirtschaftlichen Nutzung der Gegend, wurde der Lebensraum der wildlebenden Pferde im 19. Jahrhundert immer mehr eingeschränkt.

    Foto: Beena Shaikh
  • Alfred Herzog von Croy war es, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts die letzten 20 Tiere einfangen lies und ihnen auf 35 Hektar Land einen Lebensraum bot. Seitdem wird die Wildbahn im Merfelder Bruch von den Herzögen von Croy stetig vergrößert, so dass den Pferden heute ein Reservat von über 350 Hektar Fläche zur Verfügung steht.

    Foto: Beena Shaikh
  • Um die Gefahr und die Folgen möglicher Inzucht möglichst gering zu halten und gleichzeitig das ursprüngliche, wildpferdähnliche Bild der Tiere zu bewahren, wird seit  Jahrzehnten mit der Einzüchtung anderer Ponyrassen gearbeitet. Beispielsweise werden verstärkt polnische Koniks eingekreuzt.

    Foto: Beena Shaikh
  • Die Wildpferde leben das ganze Jahr über im Freien und bleiben weitestgehend sich selbst überlassen. Nur in besonders harten Wintern werden die Pferde, ähnlich wie beim Wild, mit zusätzlichem Heu und Stroh versorgt. Dennoch überleben in sehr strengen Wintern nicht immer alle Tiere der Herde.

    Foto: Beena Shaikh
  • Die harten Daseinsbedingungen gewährleisten eine natürliche Auslese, die das Dülmener Wildpferd zu einer sehr widerstandsfähigen Rasse gemacht hat, weswegen es in früheren Zeiten ein begehrtes Wirtschaftspferd war. Heute ist es beliebt als intelligentes und charakterfestes Freizeitpferd.

    Foto: Beena Shaikh
  • Die Pferde leben ausschließlich im Herdenverband zusammen, allerdings gilt das nur für Stuten und Fohlen. Die Herde gliedert sich in einzelne Sippen auf. Dies sind Familienverbände einer Stamm-Stute, deren Töchter und alle Fohlen. Die Herde wird von einer Leitstute geführt, die Weide- und Ruheplätze auswählt. 

    Foto: Beena Shaikh
  • Nur in den Ein Hengst darf nur in den Sommermonaten zu der Herde. 

    Foto: Beena Shaikh
  • Die Merfelder Bruchlandschaft bietet den Wildpferden optimale Lebensbedingungen. In kurzer Folge wechseln Weide, Moor, Heide, Birkenhain, Nadel- und Laubhochwald, letzterer teilweise mit Urwaldcharakter. Hier finden die Pferde abwechslungsreiche Nahrung und bei schlechter Witterung Schutz in den Baumbeständen.

    Foto: Beena Shaikh

Die zweite Möglichkeit ist eine Führung durch den Merfelder Bruch. Hier erfahren die Besucher Interessantes über die circa 400 Bewohner der Wildbahn und können diese in freier Natur erleben. 

Wer keine Führung mitmachen möchte, kann sich auch auf eigene Faust den Wildpferden nähern. Getrennt durch einen Zaun, kann man die Tiere auf der Wildbahn sehen und das ursprüngliche Verhalten der Wildpferde beobachten. Aktuell können Besucher insbesondere auch die neugeborenen Fohlen besichtigen.

Weitere Informationen zu Besuchen bei den Wildpferden gibt es  hier

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6561275?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819239%2F
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