Nach Nabu-Beschwerde: Umrücken in letzter Sekunde
Zoff um Osterfeuer im Naturschutzgebiet

Gimbte -

Im Naturschutzgebiet soll nichts anbrennen. Auch kein Osterfeuer. Darum gab es Ostersonntag Ärger in Gimbte.

Dienstag, 23.04.2019, 06:06 Uhr aktualisiert: 25.04.2019, 17:27 Uhr
Das umgeschichtete Osterfeuer in Gimbte lockte viele Besucher an. Fast wäre die Traditionsveranstaltung ausgefallen.
Das umgeschichtete Osterfeuer in Gimbte lockte viele Besucher an. Fast wäre die Traditionsveranstaltung ausgefallen. Foto: Jannis Beckermann

Die Hiobsbotschaft aus dem Rathaus erreichte ihn am Gründonnerstag um kurz vor zehn per Telefonanruf. „Das war wirklich ein Schock für uns alle“, sagt Sebastian Siemon, als es am Sonntagabend vor seinen Augen schließlich doch noch flackert, oder besser gesagt flackern darf: das Gimbter Osterfeuer.

Bis zuletzt hatte der Löschzugführer, und mit ihm viele Gimbter, um genau jenen Traditionstermin gebangt, den die örtliche Feuerwehr seit jeher auf die Beine stellt. Der Grund: Wegen einer Beschwerde des Naturschutzbundes (NABU) drohte dem beliebten Brauch kurzfristig das Aus. „So etwas hatten wir wirklich noch nie“, da ist sich der Sohn von Gimbtes Dorflegende Siggi Siemon im Rückblick sicher. Denn: „Eigentlich war im Vorfeld alles geregelt“, betont der Feuerwehrchef.

Genehmigung lag vor

Insbesondere den traditionellen Standort am Alten Fährweg habe die Stadt genehmigt, wie es seit dem letzten Jahr per Behördenverordnung vorgeschrieben ist. Und auch das Brennholz hatten die Gimbter emsig-fleißig seit Wochen aufgeschichtet. Also alles bereit für die übliche Osterromantik?

Nein. Denn: „Kurz vor knapp hat sich der NABU bei der Stadt gemeldet, um sich über den Standort unweit der Emsauen zu beschweren“, weiß Siemon. Das Problem, das offenbar niemandem im Rathaus vorher aufgefallen war: Der Acker am Alten Fährweg liegt in einem Naturschutzgebiet.

Mindestabstand

Dass man dort keine Osterfeuer veranstalten darf und obendrein mindestens 100 Meter Abstand halten muss, hat die Stadt selbst in ihre „Brauchtumsfeuerverordnung“ hineingeschrieben. Die Konsequenz: „Trotz vorheriger Zusage hat man uns am Gründonnerstag kurzerhand das Osterfeuer am geplanten Ort untersagt“, erzählt der Löschzugchef, der daraufhin die Telefonleitungen im Golddorf heiß laufen ließ.

Die Lösung ließ nicht lange auf sich warten: Die Gimbter organisierten in einem Kraftakt einen neuen Standort am anderen Ende der Bauerschaft unweit der neuen Emsumflutbrücke der Autobahn.

Am Samstag folgte der Umzug im Eiltempo mit sechs Treckern, Anhängern, einem extra angemieteten Radlader und Dutzenden Helfern. Nicht nur Sebastian Siemon ist überzeugt: „Dass wir das gesamte Material in dieser kurzen Zeit rüber transportieren konnten, grenzt an ein Wunder.“

Nabu in der Kritik

Umso kritischer diskutierten die Gimbter am Sonntag am Rande ihres „geretteten“ Osterfeuers über die Motive, die den NABU zu einer derart kurzfristigen Anzeige verleitet haben könnten. Der Verdacht: Man wollte – der Luftverschmutzung wegen – das Feuer an sich verhindern und eine kurzfristige Verlegung (wie letztlich realisiert) praktisch unmöglich machen.

„So oder so war der ökologische Effekt des Umzuges wegen der zahlreichen Fahrten mit schwerem Gerät sicher nicht positiv“, zieht Ratsherr und Bezirksausschusschef Johannes Wilp (CDU) eine kritische Bilanz.

Warum sich NABU und Stadtverwaltung nicht darauf hätten einlassen können, das zuvor genehmigte Osterfeuer ausnahmsweise am alten Standort abbrennen zu lassen, sei jedenfalls erstaunlich. Feuerwehrchef Sebastian Siemon indes nahm die Osterfeuer-Odyssee am Ende sportlich: „Es war stressig, aber auch eine tolle Teamleistung.“ Hektische Osterfeuer-Umzüge wollen sie sich in Gimbte in Zukunft dennoch lieber ersparen.  

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