Bahnverbindung Münster-Lünen
Streckenausbau soll nur auf sechs Kilometern zweigleisig werden

Münster/Düsseldorf -

Die Ende November verkündeten Plänen für einen zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Münster-Lünen könnten nach Bahn-Angaben auf eine Minilösung geschrumpft werden. Mit dieser Botschaft jedenfalls konfrontierte der Bahnbevollmächtigte für NRW, Werner Lübberink, zu Wochenbeginn die nordrhein-westfälischen SPD-Bundestagsabgeordneten in Berlin. 

Donnerstag, 18.04.2019, 18:13 Uhr aktualisiert: 18.04.2019, 18:24 Uhr
Bahnverbindung Münster-Lünen : Streckenausbau soll nur auf sechs Kilometern zweigleisig werden
Foto: Wilfried Gerharz

Danach würden von dem laut Ministerium auf 27 Kilometer Länge geplanten zweigleisigen Ausbau lediglich sechs Kilometer realisiert. So berichten es gegenüber unserer Zeitung der kommunalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Bernhard Daldrup (Sendenhorst) und sein Lünener Fraktionskollege Michael Thews.

Solche Sätze lösen in der Region natürlich Alarmstimmung aus. Denn damit stehen die Pläne für eine Anbindung an den Rhein-Ruhr-Express über Dortmund in Frage. Die hohe Anfälligkeit für Verspätungen bliebe erhalten. Erst im November war der zweigleisige Ausbau zumindest von Teilstrecken in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2030 der Bundesregierung aufgenommen worden.

"Schlicht eine Unverschämtheit"

Die SPD-Abgeordneten sind stocksauer auf Verkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann (CDU). Der habe den Ausbau 2017 bei der Eröffnung von Münsters neuem Hauptbahnhof versprochen und sich danach nie mehr ganz festgelegt: „Was die Bahn und das zuständige Ministerium sich jetzt erlauben, ist schlicht eine Unverschämtheit“, schäumt Daldrup wütend.

Das Bundesverkehrsministerium bestätigt gegenüber dieser Zeitung die ursprünglichen Pläne. Danach werde die Strecke zwischen Capelle und Ascheberg zweigleisig ausgebaut, die Kreuzungsbahnhöfe Amelsbüren und Davensberg werden reaktiviert. Gesamtlänge: 27 Kilometer. Dort sollen Züge auf Tempo 230 beschleunigen können. Auf die Sechs-Kilometer-Variante kann man sich keinen Reim machen.

Eine Bahn-Sprecherin verweist hingegen darauf, dass die genannte Streckenlänge nur beschreibe, dass Züge hier die geplante Geschwindigkeit erreichen können. Doch im Haus von NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) reagiert man irritiert, auch dort sind Lübberinks Äußerung angekommen: Das Land drängt auf eine zügige Klarstellung aus Berlin: Ohne eine schriftliche Zusage könne man sich nicht verbindlich äußern.

Kommentar

Westfalen verschaukelt

Kein großer Wurf, sondern nur eine kleine Beruhigungsmaßnahme für die Quälgeister aus dem Ruhrgebiet und dem Münsterland? So muss man die Planungen der Bahn für den minimal zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Münster-Lünen bewerten. Der Eindruck, dass diese Strecke dem Staatsunternehmen einfach nur lästig ist, bestätigt sich erneut. Dass die Bahn zugleich die Struktur-Milliarden für das Rheinische Revier freudig in Baumaßnahmen eingeplant, wirkt da wie Hohn.

Wenn die Darstellung des Bahnbevollmächtigten Lübberink stimmt, dass für die geplante Maßnahme nur sechs Kilometer Schienenstrang zweigleisig verlegt werden müssen und sonst alles bleibt wie gehabt, dann muss niemand mehr phantasievoll eine Anbindung Münsters an den Rhein-Ruhr-Express aus Dortmund ausmalen. Dann macht auch die Bahn-Strategie, Fernzüge erst ab 15 Minuten als verspätet zu werten, Sinn. Denn die haben die Intercity-Züge auf dieser Route regelmäßig eingefahren.

Das Bundesverkehrsministerium muss sich den Vorwurf gefallen lassen, Tausende Pendler und Bahnreisende in Westfalen verschaukelt zu haben. Auf den Deutschland-Takt sollte keiner mehr bauen.

von Hilmar Riemenschneider

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