Ostermärsche
Die letzten Standhaften

Münsterland -

Den ersten Ostermarsch gab es vor mehr als 60 Jahren. Seitdem gehen jedes Jahr Tausende Menschen auf die Straße, um gegen Kriege und für Abrüstung zu demonstrieren. Auch im Münsterland werden an den Ostertagen Friedens­­aktionen in der Tradition der Ostermärsche stattfinden.

Freitag, 19.04.2019, 11:00 Uhr
Fahnen in Regenbogenfarben mit der Aufschrift Peace sind Wahrzeichen der Ostermärsche bundesweit.
Fahnen in Regenbogenfarben mit der Aufschrift Peace sind Wahrzeichen der Ostermärsche bundesweit. Foto: Marius Becker/dpa

Die regenbogenfarbene Peace-Flagge, die Friedenstaube auf der Fahne, das zerbrochene Gewehr auf dem Transparent: Meist begleitet die Ostermarschierer auch eine Gitarre. Lieder von Hannes Wader („Es ist an der Zeit“) schweißen die Friedensfreunde zusammen. Frieden schaffen ohne Waffen, Abrüsten statt Aufrüsten, das ist ihr Anliegen – bundesweit, vor allem vor Ort. Sie singen, sie diskutieren, sie wirken friedlich vereint in ihren Idealen.

Demonstrationen, Fahrradtouren und Mahnwachen: So will die deutsche Friedensbewegung ihre Themen in die Öffentlichkeit bringen. Regional steht die Gronauer Uranfabrik an diesem Karfreitag im Fokus. Atomkraftgegner sehen die Urananreicherung zivil- wie friedenspolitisch als „extrem gefährlich“ an. Die Friedensinitiativen im Münsterland haben sich dazu mit dem Ostermarsch Rhein-Ruhr zusammengefunden.

100 Ostermärsche geplant

Insgesamt 100 Ostermarschaktionen sind geplant – das „Bonner Netzwerk Friedenskooperative“ erwartet dazu Zehntausende Teilnehmer. Aufsehenerregend sind die Märsche eher selten: Im Vorjahr, 2018, gab es zum Beispiel eine Aktion der Friedensfreunde Dülmen vor den „Tower Barracks“. Etwa 50 unverdrossene Demons­tranten hatten sich auf den Weg gemacht. Die ehemalige britische Kaserne nutzen jetzt die Amerikaner. Nach Angaben der Friedensfreunde lagern hier jetzt US-Waffen, die teils atomar bestückt werden können.

Die „Blockade“ – das zeigt ein Video – verläuft betont friedlich. Für die Männer der privaten Wachmannschaft gibt es einen Osterkorb – dieses Geschenk dürfen die Wachleute allerdings nicht annehmen. Zwischenfälle: keine.

Ein wenig Nostalgie

Ein wenig Nostalgie schwingt immer mit in diesen Aktionen. 50 Leute in Dülmen – da werden wehmütig Erinnerungen wach an die Hochzeiten der Friedensbewegten. Der sogenannte Nato-Doppelbeschluss hatte am 10. Oktober 1981 etwa 300 000 Menschen in den Bonner Hofgarten getrieben. Redner wie der Schriftsteller Heinrich Böll, der evangelische Pastor Heinrich Albertz und Politiker wie Erhard Eppler (SPD) und die Friedensaktivistin der Grünen, Petra Kelly, vermochten die Massen zu mobilisieren und zu elektrisieren. Damals ging es darum, die Stationierung neuer US-Mittelstreckenraketen (Pershing II kontra russische SS-20) in Deutschland zu verhindern. Helmut Schmidt, seinerzeit Bundeskanzler, stand massiv in der Kritik.

Heute ist die Kündigung des INF-Vertrages, der den Besitz und die Produktion nuklearer Mittelstreckenraketen zwischen den USA und Russland regelt, nicht minder brisant für den Frieden in der Welt. Donald Trump und Wladimir Putin dienen zwar als Feindbilder, einen Massenprotest lösen sie mit ihren politischen Manövern indes nicht aus. Kristian Golla, Sprecher der Bonner „Netzwerk Friedenskooperative“, betont, dass sich die Zeiten verändert hätten. Die 80er Jahre seien mit der heutigen Zeit kaum mehr zu vergleichen. Dennoch beobachte die Friedensbewegung die aktuelle globale Entwicklung „mit großer Sorge“.

Wichtig ist, dass noch immer etliche Menschen sichtbar gegen Kriege und Aufrüstung Position beziehen.

Kristian Golla

Vor jetzt gut 60 Jahren gingen die ersten Ostermarschierer auf die Straße. Über 10 000 Menschen versammelten sich am Karfreitag 1958 in London, um gegen die britischen Atomwaffen zu protestieren. Deutschland folgte 1960. Bis heute demons­triert noch immer jedes Jahr eine Schar Unentwegter gegen Kriege und atomare Rüstung. Es wirkt fast so, als seien sie die letzten Standhaften.

„Eigentlich ist gar nicht das Thema, wie viele Leute zu den Ostermärschen kommen“, meint Netzwerker Kristian Golla. Wichtig sei, dass noch immer „etliche Menschen sichtbar gegen Kriege und Aufrüstung Position beziehen“.

Die Lehre aus der Vergangenheit

Michael Stiehls-Glenn, Sprecher der Friedensfreunde Dülmen, gibt sich optimistisch. „Der Protest läuft“, sagt er. Gerade auf lokaler Ebene auch im Münsterland. „Alte Ostermarschierer aus den 80er-Jahren werden wieder wach, ziehen ihre Wanderschuhe an“, fügt Stiehls-Glenn hinzu. Die Lehre aus der Vergangenheit sei: Wenn genug Druck auf der Straße entstehe, dann geschehe auch etwas . . .

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