Ehefrau im Teich versenkt
Totschlag: Ehemann gesteht Tat nach Appell an die Ehre

Münster/Heek -

Ein Appell an die Ehre hat den Verdächtigen zum Geständnis bewogen. Der 32-Jährige hatte seine Ehefrau in Heek mit 17 Messerstichen und einem Schnitt durch die Kehle getötet. Der Leiter der Mordkommission schilderte vor dem Landgericht Einzelheiten der Tat.

Freitag, 12.04.2019, 19:02 Uhr aktualisiert: 12.04.2019, 20:42 Uhr
Im September suchte die Polizei noch vergeblich nach der damals vermissten 27-Jährigen im Teich des Stiegenparks. Erst im Dezember gestand ihr Ehemann die Tat.
Im September suchte die Polizei noch vergeblich nach der damals vermissten 27-Jährigen im Teich des Stiegenparks. Im Dezember schließlich gestand ihr Ehemann die Tat. Foto: Christian Bödding

Am Prozesstag drei gegen den Ehemann der getöteten Heekerin standen die polizeilichen Ermittlungen im Mittelpunkt. Joachim Poll, Leiter der Mordkommission, schilderte am Freitag den langen Weg bis zum Durchbruch, dem Geständnis des 32-jährigen Angeklagten, das auch zum Fund der Leiche im Teich des Stiegenparks führte.

Die Polizei sei schon früh davon ausgegangen, dass der 27-Jährigen etwas zugestoßen sei, so Poll. Schließlich hatte die Frau drei Kinder, darunter einen zwei Monate alten Säugling zurückgelassen. Außerdem habe es Hinweise auf Streitigkeiten zwischen den Eheleuten gegeben. Hinweise auf ein Lebenszeichen gab es nicht. Die Aussage des Ehemannes, die Frau sei an der Bahnhofstraße in einen Bus gestiegen, erwies sich als falsche Fährte.

Schwiegermutter mit Messer beworfen

Als die Kinder im September an die aus Russland gekommene Schwiegermutter übergeben werden sollten, sei es zum Streit zwischen dem Angeklagten und seiner Schwiegermutter gekommen, weil diese dem Sohn kein Fleisch zu essen gegeben habe. „Ich habe deine Tochter fertiggemacht. Du bist die nächste. Ich werde dich abschlachten“, soll der Angeklagte gedroht haben. Auch mit einem Messer soll er nach seiner Schwiegermutter geworfen haben. Kurz darauf wurde er festgenommen.

Ich habe deine Tochter fertiggemacht

32-jähriger Angeklagter

Mehr Aufschluss sollte ein Zeuge aus Frankreich geben. Dem soll der Angeklagte erzählt haben: „Man braucht nicht nach ihr zu suchen. Nur Allah weiß, wo sie ist.“ Auch soll er angedeutet haben, sie mit einem „Loch im Bauch“ in einen Fluss geworfen zu haben. Zu einer Vernehmung des Zeugen kam es nicht, denn ein Rechtshilfeersuchen an Frankreich hätte zu lange gedauert, so Poll.

Auch ein Brief eines Mitgefangenen des Angeklagten ging bei der Polizei ein. Diesem gegenüber habe der Ex-Soldat die Tat eingeräumt und sich Tipps für eine mögliche Schuldunfähigkeit erhofft.

Bemühungen verlaufen zunächst im Sande

Doch die Suche nach der Leiche blieb ergebnislos. Dabei waren die Ermittler früh auf den späteren Fundort im Stiegenpark gekommen. Doch die Leichenspürhunde schlugen nicht an. Auch Teiche und Seen in Metelen durchsuchten die Ermittler.

„Die Bemühungen verliefen im Sande“, berichtet Poll. Im Dezember wollte der Angeklagte erneut mit den Ermittlern zu sprechen. Dabei habe er auf seine damaligen Anwälte geschimpft, aber auch abfällig über seine Ehefrau gesprochen. „Es waren frauenverachtende Worte“, so Poll. „Ich hatte den Eindruck, dass sie für ihn nichts wert ist.“

Der Angeklagte habe ihr Untreue vorgeworfen. Einen Hinweis auf Männer-Bekanntschaften hatten die Ermittler beim Auswerten der Handy-Daten der Heekerin nicht gefunden. Zugleich ergaben diese, dass ihr Ehemann im Internet nach Prostituierten gesucht hatte.

Angeklagter „ehrbesessen“

Zu einem Geständnis kam es zunächst nicht. Als Poll die Vernehmung schon abbrechen wollte, appellierte er an die Ehre des 32-Jährigen. Die Kinder hätten ein Recht zu wissen, was mit ihrer Mutter passiert sei – und auf eine Beerdigung in geweihtem Boden. Den Angeklagten habe er als „ehrbesessen“ eingeschätzt, so der Polizist. „Und ich wollte ein Geständnis.“

Da war viel Wut und vielleicht Hass dabei.

Joachim Poll, Leiter der Mordkommission

Daraufhin habe der Angeklagte, den Stiegenteich auf einem Blatt Papier skizziert und die Tat gestanden. Die Situation der 17 Messerstiche habe er besonders plastisch mit Gesten geschildert. „Da war viel Wut und vielleicht Hass dabei“, so der Ermittler. Nur anfangs habe die Frau geschrien, so der Angeklagte. Als sie schon leblos am Boden lag, habe er einen „Aussetzer“ gehabt. Dabei sei noch mal alles hochgekommen, worauf er sie gepackt habe, um ihr die Luftröhre durchzuschneiden.

Leiche nachts im Teich versenkt

Die Leiche habe er nach eigenen Angaben noch in der Nacht im Teich versenkt, um den Kindern auf dem Spielplatz den Anblick am nächsten Tag zu ersparen. Mit dem schreienden Säugling im Kinderwagen sei er deshalb zur Wohnung gelaufen, um einen Koffer zu holen. Auf einer Leinwand im Gericht wird ein Unterwasser-Video von der Leichenbergung eingespielt. Es zeigt ein robustes Netz auf dem Grund des Teichs, das mit Hunderten großer Steine beschwert ist. Das Opfer sei zum Zeitpunkt der Bergung nicht mehr erkennbar gewesen, so Poll. Erst ein DNA-Test habe ihre Identität bestätigt.

„Gab es ein Zeichen von Reue bei der Vernehmung“, fragte Verteidigerin Susanne Tombrink. „Könnte so sein“, antwortete Joachim Poll. Der Angeklagte habe seine Schwiegereltern um Verzeihung gebeten. „Aber was ich nicht verstanden habe: Als ich ihm angeboten habe, etwas an seine Kinder auszurichten, schrieb er nur eine kurze Nachricht an seinen Sohn.“ „Wach auf“, so die einzige Botschaft an ein 7-jähriges Waisenkind. Dies sei als ein allgemeiner Rat für das Leben gemeint, erklärte der Angeklagte im Gerichtssaal.

Der Prozess wird am 26. April fortgesetzt.

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