Rituale zum Fest
Familien erzählen von ihren ganz persönlichen Osterbräuchen

Münster -

Eier färben – und wenn ja, dann wie? Hühnereier oder lieber Süßigkeiten suchen? Und was ist vom Osterfeuer zu halten? Erfahrene Eltern erzählen von ihren ganz persönlichen Osterbräuchen. Vielleicht inspiriert das ja junge Eltern. 

Samstag, 13.04.2019, 16:00 Uhr
Eier bemalen:In vielen Familien ist das eine selbstverständliche Tradition. colourbox
Eier bemalen:In vielen Familien ist das eine selbstverständliche Tradition. Foto: colourbox

Eier färben

Jürgen: Von jeher Vatersache. Jürgens Vater hat die zuvor hartgekochten Eier schon ins Farbbad getaucht, als sein heute 56-jähriger Sohn ein Kind war. Das Kochen erweist sich allerdings als schwierige Kür – die Zahl der Brucheier steigt.

Claudia: Der Sohn ist mittlerweile 19 Jahre alt, legt auf die Tradition aber noch immer so viel Wert wie seine Mutter: Die Eier müssen ökologisch einwandfrei gefärbt werden. Mit einem Sud aus Zwiebeln, „der sie schreiend hässlich macht“, und genau so soll es auch sein. Farbschöne Eier im nächsten Jahr? Auf keinen Fall – wo bliebe dann die Familientradition.

Peter: Bis zum Ende der Grundschulzeit der Tochter ein fester Brauch – Mutter, Vater, Kind sitzen am Küchentisch, blasen Eier aus und malen die Motive, auf die sie sich am besten verstehen. In Peters Fall ist das die Kehrseite eines Elefanten – der Abwechslung zuliebe immer wieder in anderen Farben gemalt. Auf die Kunst folgt das Frühstück mit einer einzigen Ingredienz: Rührei, sehr viel Rührei . . .

Karfreitag

Frank: Aufgewachsen in Sachsen als Sohn einer überzeugten Katholikin und eines ebenso überzeugten Protestanten. Der Karfreitag gehörte der Mutter und hatte trist und traurig zu sein. Das Leben verfiel in einen augenblicklichen Stillstand. Heute wohnt Frank mit seiner Familie im Münsterland. Struwen – in der Pfanne gebratener Hefeteig mit Rosinen – mag er durchaus. Auf den Tisch kommt er trotzdem nicht – aus Unbehagen vor kultureller Anbiederei.

Claudia: It’s Showtime. Der Ehemann verbringt den Tag vor dem Bildschirm und fühlt sich wieder wie der Junge, der er einmal war. Verabredungen waren am Karfreitag tabu. Der Jugendliche verbrachte den Karfreitag deshalb Jahr für Jahr vor dem Fernseher und unterhielt sich mit Film-Klassikern wie „Die zehn Gebote“ und „Ben Hur“. Weil diese Filme teilweise aus der Mode geraten sind, hat Bernhard schon vor Jahren vorgesorgt und die alten Filme digitalisiert.

Ann-Kathrin: Karfreitag besucht die Großfamilie die Großmutter und lässt sich dort den Münsterland-Klassiker Struwen schmecken. Dazu serviert die Oma Salzkartoffeln und – die Familie kommentiert es stets mit milder Kritik – in Butter zerlassenen Frühstücksspeck. Vermutlich in der Annahme, dass Enkelkinder in der Wachstumsphase auch am für Christen eigentlich fleischlosen Karfreitag ihre Einheit tierische Produkte brauchen.

Doerthe: Herumgekommen mit ihren Eltern, schließlich gestrandet und gut angekommen im Münsterland. Seit ein paar Jahren reserviert ihre Familie Struwen mit Apfelmus in einem Restaurant und holt ihn ab. Struwen mit Apfelmus to go – für sie das exakt richtige Bindeglied zwischen neuer Heimat und dem Ruhrgebiet ihrer Kindheit.

Statistik der Rituale

Übrigens: Statista, ein Online-Portal für Statistik, berichtet, dass laut einer aktuellen Umfrage 78 Prozent der Befragten Ostern feiern wollen – davon gehen aber nur 18 Prozent in die Kirche. Populär ist da das Ostereier-Verstecken und -Suchen (58 Prozent). Am wichtigsten ist an diesem langen Wochenende aber, dass die Familie zusammenkommt. Ein – zumeist süßes – Ostergeschenk besorgen  75 Prozent der Befragten – davon geben 67 Prozent mehr als 15 Euro aus.

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Eier suchen

Jürgen: Nicht nur das Eierfärben, auch das Verstecken ist Vatersache – zunächst für die eigenen Kinder, später für die Enkel. Heute ist der Vater 83 Jahre alt, die Enkel 29, 26 und 18. Die nicht mehr ganz junge Jugend wähnt sich manchmal in einem Kinderfilm und fragt dezent, ob der Brauch denn tatsächlich fortgesetzt werden soll. „Nur noch dieses Jahr“, verspricht der Opa. Das kündigt er seit Jahren an. Wahrscheinlich wären die Enkel sowieso enttäuscht, wenn ihr Opa dieses Jahr tatsächlich Wort hielte.

Wilfried: Seine Kinder sind mittlerweile erwachsen und suchen keine Eier mehr. In ihrer Kindheit ist Wilfried gelegentlich am Ostersonntag frühmorgens in den Wald geradelt und hat dort gemeinsam mit einem Freund, einem dreifachen Vater, Eier an den raffiniertesten Stellen im Unterholz versteckt. Manchmal an vielleicht zu raffinierten Stellen – von zehn bemalten Hühnereiern tauchten nur ein paar wieder auf.

Jan: Ostersonntag bei den Schwiegereltern – der Termin ist gesetzt – beginnt mit der Eiersuche für die Kinder im Garten, mündet im Brunch mit der Großfamilie und führt manchmal die Gedanken in die Vergangenheit, als Jan als Kind eines vielreisenden Lehrerpaares Ostern immer auf Campingplätzen in Südfrankreich oder Spanien verbrachte. Zuvor mit anderen Familien gemeinsam gefärbte Eier gemeinsam verstecken und später an zusammengeschobenen Campingtischen gemeinsam verspeisen – für ihn ein Stück Ostern-Geschichte.

Frank: Mit den beiden Söhnen zu den Schwiegereltern und morgens im Garten Eier suchen. Frank hat dabei stets seinen Schwiegervater im Blick und der wiederum seine Blumen: Hoffentlich zertritt niemand die Frühblüher im Eifer der Eier-Suche . . .

Anne: Von ihr aus kann die Tradition fortgesetzt werden, bis ihre Tochter 40 Jahre oder gern auch älter ist. Anne versteckt Schokoeier im Flur, Wohnzimmer und in der Küche und geht dabei nach einem ausgeklügelten System vor: Eier verschwinden hinter Büchern, unter Kissen, in Töpfen, Besteckschubladen und in Schuhen. Mann und Tochter warten, stürmen auf Zuruf in die Versteckzonen und suchen um die Wette. Sie finden viele, aber niemals alle Eier. Ein im Sommer im Wok verstecktes Schokoei ist kein Problem, ein später im Schuh zertretenes allerdings schon . . .

Osterfeuer

Stefanie: Wahrscheinlich das anarchische Highlight der Ostertage – das sich am besten in ihren eigenen Worten schildern lässt: „Wir Kinder und Jugendlichen haben uns gegenseitig mit schwarzer Holzkohle angeschmiert.“ Was zu Vorsichtsmaßnahmen führte, die ihren Effekt aber zumeist verfehlten: „Wir sind mit hochgeschlossener Kleidung zum Osterfeuer gegangen, haben Holzkohle aus dem Feuer gezogen und versucht, andere damit zu bemalen.“

Anne: Zur Nachahmung auf keinen Fall empfohlen. Osterfeuer sind ihr bis heute suspekt. Wo man auch steht – entweder ist es zu warm oder zu verräuchert. Aufgewachsen auf dem Land in einem Klima, in dem das Klima keine Rolle spielte, empfahl es sich, Abstand zum Feuer zu halten. Das gelegentlich bedrohlich laute und grelle Puffen verhieß nichts Gutes. Was da wohl unter den Ästen gerade unerlaubterweise brannte?

Michaela: Aus der Traum vom schönen Feuer im Niemandsland. Bislang haben einige Familien aus der Nachbarschaft immer ein kleines Feuer auf einem Grünstreifen entzündet, der an ihre Grundstücke grenzte und niemandem zu gehören schien. In diesem Jahr dürfen sie das aber nicht mehr. Die Tradition bleibt trotzdem erhalten – Zweige und Äste brennen auch in einer Feuerschale sehr effektvoll.

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