Altenheime in Lüdinghausen platzen aus allen Nähten
Pflegeplatz dringend gesucht

Lüdinghausen -

Drei Altenheime mit insgesamt 242 Pflegeplätzen gibt es aktuell in der Steverstadt. Schon jetzt sind die Häuser komplett ausgelastet, arbeiten mit Wartelisten. Bei akuten Anfragen, oft in Notlagen, haben Angehörige kaum eine Chance auf einen freien Platz.

Freitag, 12.04.2019, 09:00 Uhr
Die Zahl älterer Menschen wächst auch in der Steverstadt in den kommenden Jahren weiter. Damit steigt auch der Anteil pflegebedürftiger Menschen.
Die Zahl älterer Menschen wächst auch in der Steverstadt in den kommenden Jahren weiter. Damit steigt auch der Anteil pflegebedürftiger Menschen. Foto: Grafik Ann-Kathrin Schriever

„Komplett belegt“ heißt es immer öfter in den insgesamt 2800 Pflegeheimen in NRW. Caritas und AWO als zwei der großen landesweiten Träger schlagen jetzt Alarm. Kurzfristig einen Platz für einen Angehörigen zu finden, sei mittlerweile fast unmöglich, Wartelisten inzwischen an der Tagesordnung. Die WN haben bei den drei hiesigen stationären Pflegeeinrichtungen und beim Kreis als zuständiger Heimaufsicht nachgefragt, wie die Situation vor Ort aussieht.

Wir bekommen jeden Tag Anrufe von Angehörigen, die händeringend nach einem Pflegeplatz suchen.

Sascha Schikofski, Pflegedienstleiter im Clara-Stift

„Wir bekommen jeden Tag Anrufe von Angehörigen, die händeringend nach einem Pflegeplatz suchen“, erzählt Sascha Schikofski, Pflegedienstleiter im Clara-Stift in Seppenrade. Dabei habe man ohnehin schon einen „dicken Aktenordner“ mit langfristigen Anfragen. „Oft wenden sich die Menschen aber in akuten Notlagen an uns, wenn beispielsweise der Angehörige nach einem Krankenhausaufenthalt noch nicht nach Hause kann oder aber, wenn die Pflege zu Hause einfach nicht mehr zu bewältigen ist“, so der Fachmann. „Wenn diese Menschen bei uns auf der Matte stehen, ist ihnen die Erschöpfung schon auf den ersten Blick anzusehen. Da reichen die Augenringe schon mal bis ans Kinn“, findet Schikofski durchaus deutliche Worte. Könne man selbst in dem Moment keinen Platz anbieten, versuche man an andere Einrichtungen in der direkten Umgebung zu verweisen.

„Ja, auch wir arbeiten mittlerweile mit einer Warteliste. Auf der stehen zurzeit 20 Personen“, bestätigt Joachim Brand, Leiter des Antoniushauses, mit 100 Plätzen die größte der drei Pflegeeinrichtungen in der Steverstadt. Als „dramatisch“ möchte er die Situation zwar nicht beschreiben, aber „auch wir bekommen immer wieder Anrufe verzweifelter Angehöriger“. In solchen Fällen verweise man dann auch an andere Häuser in der Umgebung. „Wir stehen ja alle in Kontakt und können da schon mal einen Tipp geben, wo gerade etwas frei sein könnte.“ In weniger dringenden Fällen seien die Menschen aber auch bereit, Wartezeiten auf sich zu nehmen. „Manche wollen ganz gezielt einen Platz in unserem Haus und lassen sich dann lieber auf die Warteliste setzen.“

Unser Haus ist in der Regel komplett ausgelastet, ähnlich sieht es auch in der Kurzzeitpflege aus.

Nasrat Sekandarzada, Pflegedienstleiter im St.-Ludgerus-Haus

Ebenfalls mit einer Warteliste arbeitet das St.-Ludgerus-Haus, wie Pflegedienstleiter Nasrat Sekandarzada auf Nachfrage der WN bestätigt. „Unser Haus ist in der Regel komplett ausgelastet, ähnlich sieht es auch in der Kurzzeitpflege aus“, so Sekandarzada. Sobald ein Platz frei werde, würde er umgehend wieder belegt.

Wie viele stationäre Pflegeeinrichtungen es in den Städten und Gemeinden im Kreis Coesfeld gibt, wie Angebot und Nachfrage zusammenpassen, wie sich der Bedarf in den nächsten Jahren voraussichtlich entwickeln wird und welche Maßnahmen sich daraus ergeben – über all das soll der Pflegebedarfsplan Auskunft geben. Der wurde 2017 erstmals auf Vorgabe des Landes NRW von den Kreisen erstellt und wird nun alle zwei Jahre fortgeschrieben. „Der neue Plan ist gerade in Arbeit und wird noch Ende diesen Jahres vorgestellt“, informiert Kreis-Dezernatsleiter Detlef Schütt. Die darin zusammengetragenen Daten seien die Grundlage, „um nicht am Bedarf vorbei zu planen“, so Schütt. Dabei gelte es, neben den stationären Pflegeeinrichtungen auch ambulante Dienste und die Pflege durch Angehörige zu berücksichtigen. „Insgesamt ist aber klar, dass der Bedarf kreisweit steigt. Vor allem im Südkreis haben die Untersuchungen gezeigt, dass es dort Bedarf für eine weitere stationäre Einrichtung gibt“, so Schütt. Als Reaktion darauf werde gerade in Senden ein neues Heim mit rund 70 Pflegeplätzen gebaut.

Dass die Politik jetzt beginnt zu handeln, begrüßt Pflegedienstleiter Schikofski durchaus. „Allerdings hat man sich 20 Jahre lang nicht um das Thema gekümmert.“

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