Naturschutzgebiet Borkenberge
Stacheldraht über Weg gespannt

Seppenrade -

Im Naturschutzgebiet Borkenberge haben Unbekannte einen Stacheldraht über einen Weg gespannt, der nach Angaben der Polizei offensichtlich von Motocrossfahrern genutzt wird. Die Ermittlungen wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung laufen.

Dienstag, 26.03.2019, 12:56 Uhr aktualisiert: 26.03.2019, 13:09 Uhr
Unbekannte spannten einen Stacheldraht über einen Weg, der offensichtlich von Motocrossfahrern genutzt wird.
Unbekannte spannten einen Stacheldraht über einen Weg, der offensichtlich von Motocrossfahrern genutzt wird. Foto: Polizei

Das hätte mindestens schmerzhaft, im schlimmsten Fall tödlich ausgehen können: Als Polizisten am Sonntag (24. März) – wie berichtet – im Naturschutzgebiet Borkenberge unterwegs waren und kontrollierten, ob sich dort Motocross- oder Quadfahrer illegal aufhalten, entdeckten sie einen Stacheldraht.

Er war in Brusthöhe über einen offensichtlich von Motocrossfahrern genutzten Weg gespannt, teilte die Polizei am Dienstag mit. Die Ermittlungen wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung laufen. Zeugenhinweise nimmt die Polizei in Lüdinghausen ( ✆ 0 25 91/79 30) entgegen.

Platzverweise erteilt

Motorrad- und Quadfahrer, die das Naturschutzgebiet Borkenberge als Gelände zum Austoben missbrauchen und Schäden anrichten, sind Naturschützern seit Jahren ein Dorn im Auge. Die Wege und Flächen dort mit motorisierten Fahrzeugen zu befahren, sei streng verboten, schreibt die Polizei in einer Pressenotiz. Seit Mai 2015 ist die Fläche zudem offiziell als Sperrgebiet ausgewiesen.

Ungebetene Gäste im Naturschutzgebiet Borkenberge

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  • Motorradfahrer, die illegalerweise das Naturschutzgebiet Borkenberge befahren, sind für Naturschützer ein Ärgernis. Bernd Brüning, Vorsitzender des BUND-Ortsverbandes Lüdinghausen und des -Kreisverbandes Coesfeld, zeigt Spuren, die die ungebetenen Gäste hinterlassen haben.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Der ehemalige Truppenübungsplatz ist vor allem wegen seiner sogenannten Offenlandschaft im Kerngebiet ökologisch besonders wertvoll und bietet eine sehr große Artenvielfalt.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Lange wurde die Bedeutung militärischer Übungsplätze wie in den Borkenbergen für den Naturschutz verkannt. Heute weiß man, dass das regelmäßige Befahren mit schweren Ketten- und Radfahrzeugen zu Bodenverdichtungen und Vertiefungen führt, in denen sich Wasser sammeln kann und in denen zahlreiche Kleinsttier- und Pflanzenarten dann ideale Lebensbedingungen finden.

    Foto: west
  • Vor allem sogenannte Pionierpflanzen profitieren davon. Wichtig ist, dass durch wiederholte Zerstörungen die Vegetation immer wieder in frühe Stadien zurückgeworfen wird, wodurch die Offenlandschaft nicht verbuscht oder verwaldet.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Während heute nach dem Ende der militärischen Nutzung gelegentlich Fahrzeuge des THW für gezielte Zerstörungen eingesetzt werden, ist das Betreten oder Befahren des Geländes für sonstige Fahrzeuge aller Art sowie Fußgänger strengstens untersagt. Zum einen aus Sicherheitsgründen.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Denn im Boden des ehemaligen Truppenübungsplatzes verbergen sich noch alte Munition und Granaten (hier ein Fund aus dem Jahr 2015), die zuweilen an die Oberfläche befördert werden und für Lebensgefahr sorgen.

    Foto: Lammers
  • Schlagbäume und Warnschilder, die vor allen auch Motorrad- und Quadfahrer abhalten sollen, dienen aber auch dem Naturschutz.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Denn ungebetene Gäste stören mit ihren Fahrzeugen nicht nur beispielsweise Bodenbrüter, sondern wirbeln den Sand nur auf, ohne ihn zu verdichten. Und auch Müll bleibt gelegentlich zurück, wie hier zu sehen ist.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Was Motorradfahrer bewirken, die die bis zu 130 Meter hohen Hügel in den Borkenbergen befahren, ist hier zu sehen: Die entstandenen Furchen verstärken bei Regen die Erosion, die letztlich für teils metertiefe Gräben sorgt.

    Foto: west
  • Um die illegalen Fahrten zu unterbinden, haben Polizei und Ordnungsamt kürzlich gemeinsam einen Sondereinsatz durchgeführt.

    Foto: Polizei Coesfeld
  • Mit Pferden und eigenen Motorrädern waren sie unterwegs, um Verstöße festzustellen.

    Foto: Polizei Coesfeld
  • Im Verlauf des Einsatzes wurden gut 25 Kradfahrer und fünf Quadfahrer gesehen. Drei Anzeigen wurden vom Ordnungsamt ausgestellt. Die Bußgelder können im vierstelligen Eurobereich liegen.

    Foto: Polizei Coesfeld

Am Sonntag haben Polizeibeamte dort zum ersten Mal in diesem Jahr kontrolliert – gemeinsam mit Vertretern des Grundstückseigentümers DBU Naturerbe. Weitere Kontrollen werden folgen, kündigte die Polizei an. Zwei Quadfahrer wurden gestoppt. Gegen sie wurden Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet, die mit empfindlichen Geldstrafen geahndet werden. Beide erhielten außerdem Platzverweise.

Ein weiterer Fahrer entzog sich einer Kontrolle, fuhr dicht an einem Polizisten vorbei und riskierte eine Verletzung des Beamten. Ihn erwartet nun eine Anzeige wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. Die Ermittlungen dauern an.

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