Parksituation in Saerbeck
Ärger über Knöllchen im Dorf

Saerbeck -

Sie waren Gesprächsthema bei Geburtstagsfeiern, auf Baustellen, auf der Straße: Es gab „Knöllchen“ in Saerbeck. Manche fühlten sich zu Unrecht verwarnt und zur Kasse gebeten.

Dienstag, 26.03.2019, 12:00 Uhr
Dieses „Knöllchen“ gab es für Parken ohne Parkscheibe auf dem Kirmesplatz. Es gilt auch, wenn dem Fahrer nie aufgefallen war, dass ein entsprechendes Schild an der Zufahrt steht.
Dieses „Knöllchen“ gab es für Parken ohne Parkscheibe auf dem Kirmesplatz. Es gilt auch, wenn dem Fahrer nie aufgefallen war, dass ein entsprechendes Schild an der Zufahrt steht. Foto: Alfred Riese

Die länglichen Zettel mit der Gemeinde Saerbeck als Absender und dem Überweisungsträger dabei klemmten unter Wischerblättern auf dem Kirmesplatz an der Lindenstraße, an der Marktstraße, am Bevergerner Damm. Zehn Euro war ein Standardsatz für das offizielle „Verwarnungsgeld“. „Verbotenes Parken ohne Parkscheibe/ Parkschein“ war oft angekreuzt. Manche fühlten sich zu Unrecht verwarnt und zur Kasse gebeten.

Wurden sie aber wohl nicht, auf jeden Fall nicht auf dem Kirmesplatz und der Marktstraße. Die gefühlte Ungerechtigkeit mag daher kommen, dass es in Saerbeck – wiederum gefühlt – eher selten „Knöllchen“ gibt. Die Schilder und Regeln, auf deren Grundlage die Verwarngelder verhängt werden, gelten aber immer.

Parkzeitbeschränkungen gibt es in Saerbeck auf öffentlichen Verkehrsflächen nur auf dem Kirmesplatz an der Lindenstraße und auf der Marktstraße, erklärt Ines Heilemann, Leiterin des Ordnungsamts. Ein generelles Parkverbot gilt zum Beispiel auf der Schulstraße. Die gute Nachricht für Autofahrer aus dem Ordnungsamt: Die Zahl der kostenpflichtigen Parkplätze, etwa mit Parkscheinautomat, beträgt in Saerbeck weiterhin null.

Zehn Euro ist der Grundtarif für Parken ohne vorgeschriebene Parkscheibe, erklärt Rainer Schmitz. Wird das Auto ohne entsprechenden Ausweis auf einem Behinderten-Parkplatz erwischt, kostet das 35 Euro, sagt der Mitarbeiter des Bürgerservices im Rathaus.

Die gleiche Summe werde fällig für das Zustellen von beschilderten Rettungswegen. Steht das Fahrzeug tatsächlich Einsatzkräften im Weg, werde direkt kostenpflichtig abgeschleppt. „Im Sommer wird gerne an der Zufahrt zu Badesee und Seniorenzentrum geparkt“, benennt Schmitz ein Beispiel für einen Rettungsweg. Hier begegnet ihm auch immer wieder das Phänomen des ebenfalls verbotenen Parkens entgegen der Fahrtrichtung. Zum „täglichen Brot im ruhenden Verkehr“ gehört Schmitz zufolge auch das Parken auf Geh- und Radwegen. Die Verwarngeld-Formulare haben darüber hinaus noch mehr Felder für mögliche Ordnungswidrigkeiten, die einem Auffrischungskurs für den Führerschein gleichkommen.

Die Verwarngelder fließen in der Gemeindekasse in den Etat für den ruhenden Verkehr, erklärt Ines Heilemann. Damit werden zum Beispiel Schilder bezahlt. Einen Zeitplan für die Runden des Ordnungsamts gibt es nicht, sagt sie. „Wir kontrollieren hauptsächlich in Bereichen, wo das Thema Verkehrssicherheit hoch angesetzt ist, an neuralgischen Punkten wie Schulwegen“, beschreibt die Ordnungsamtsleiterin. Hinzu kämen Anfragen von Bürgern, etwa wegen zugestellter Einfahrten. Ein Anliegen ist Ines Heilemann klarzustellen: „Wir wollen niemanden bestrafen, sondern es geht uns um die Sicherheit des Verkehrs insgesamt.“ Das betreffe zum Beispiel die Straße „Am Kirchplatz“ auf der südlichen Seite. Dort liege „offensichtlich“ ein Bürgersteig. Fußgänger, Rollatorfahrer oder Menschen mit Kinderwagen sollten an dieser Stelle nicht durch falsch parkende Autos auf die Straße gezwungen werden.

Bevergerner Damm und zwei weitere Beispiele

Was hat man falsch gemacht, dass es fürs Parken im verkehrsberuhigten Bereich ein „Knöllchen“ gab? Diese Frage kam zuletzt häufiger auf. Erlaubt ist es laut Ordnungsamtsleiterin Indes Heilemann und der Straßenverkehrsordnung in den „andersfarbig gepflasterten oder markierten Bereichen“. Auf dem Bevergerner Damm wäre das alles, was wie ein Bürgersteig aussieht, was Pflaster hat statt Asphalt. Ein am Boden markiertes „P“ für Parken braucht es hier nicht. Denn in so genannten „Spielzonen“ teilen sich alle Verkehrsarten gemeinsam die gesamte Fläche, einen Unterschied zwischen Fahrbahn für Autos oder Bürgersteig für Fußgänger gibt es nicht. Vor Einfahrten oder an Straßeneinmündungen oder Kreuzungen darf das Fahrzeug allerdings nicht stehen.Der Dorfplatz vor der Bücherei und die Fläche vor der Alten Hauptschule sind mangels Beschilderung übrigens offiziell kein Parkplatz, erklärt Ines Heilemann. Hier werde das Parken, in der Nähe der Gesamtschule, aber zurzeit geduldet.Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass auf Initiative der CDU-Fraktion der Gemeinderat das Bauamt losgeschickt hat: Es soll die Parkplatzsituation im Ort insgesamt überprüfen und gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge machen – heißt: nach mehr Flächen zum Parken suchen.

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