Osterparadoxon
Wenn zwei Vollmonde sich streiten

Ascheberg -

Ostern wird am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert. Am frühen Donnerstagmorgen (21. März) war der Mond komplett rund. Ostern wird aber erst im April gefeiert.

Freitag, 22.03.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 22.03.2019, 10:04 Uhr
Wann Vollmond ist, lässt sich auf zwei Arten bestimmen. Astronomisch war es am Donnerstagmorgen der Fall. Nach dem Meto-Zyklus am Tag dieser Aufnahme, die am 20. März entstanden ist.
Wann Vollmond ist, lässt sich auf zwei Arten bestimmen. Astronomisch war es am Donnerstagmorgen der Fall. Nach dem Meto-Zyklus am Tag dieser Aufnahme, die am 20. März entstanden ist. Foto: hbm

Wer am Mittwoch über die Lüdinghauser Straße nach Ascheberg gekommen ist, wird die Kombination von angestrahlter Kirche und Vollmond bewundert haben. Komplett war der Vollmond wenige Stunden später – am Donnerstagmorgen. Und das wird aktuell unter dem Stichwort „Osterparadoxon“ im Internet eifrig diskutiert.

Die Faustregel fürs Festlegen des Osterdatums besagt, dass Ostern am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlings-Vollmond ist, wobei als Frühlingsanfang der 21. März festgelegt wurde - unabhängig vom tatsächlichen Termin der astronomischen Tag- und Nachtgleiche.

Wiederholung im Jahr 2038

Im diesem Jahr war der Vollmond am frühen Donnerstagmorgen, also am 21. März. Nach der Faustformel hätte am nächsten Sonntag (24. März) Ostern sein müssen. Das Osterfest steht aber tatsächlich erst in einem Monat am 21. April im Kalender. Streng genommen ist das der Sonntag nach dem zweiten Frühlings-Vollmond. Diese Ausnahme, die das nächste Mal 2038 vorkommen wird, ist unter dem Osterparadoxon bekannt.

Dahinter, so erklären es Astronomie- und Kirchenseiten im Internet, steht der 19-jährige „Meton-Zyklus“. Das ist eine Datenreihe, die sich aus theoretischen Erkenntnissen über die immer gleiche Bewegung des Mondes um die Erde ergeben hat. Der Zyklus, schreibt die Seite evangelisch.de, war schon in der Antike bekannt und funktioniert verlässlich.

Benannt ist er nach dem griechischen Astronomen Meton von Athen, der ihn im fünften Jahrhundert vor Christus entdeckte. Demnach liegen die Mondphasen alle 19 Jahre auf dem selben Kalendertag - diese Erkenntnis machte über die Jahrhunderte präzise Vorhersagen möglich.

"Kirchen-Vollmond" vor Frühlingsbeginn

Das Problem der beiden Monde: Der astronomische Vollmond und der „Kirchen-Vollmond“ nach dem „Meton-Zyklus“ müssen nicht auf den gleichen Tag fallen, wie das in diesem Jahr geschieht. Der „Kirchen-Vollmond“ war in dieser Woche schon am 20. März, also am Tag vor dem Frühlingsbeginn. Er verpasste damit die „Oster-Grenze“.

Der erste Frühlings-Vollmond ist nach dem Meton-Zyklus am 18. April, wie jetzt einen Tag vor dem astronomischen Vollmond.

In diesem Jahr schrammte das Osterfest hauchzart an einer anderen Besonderheit vorbei. Fällt der „Kirchen-Vollmond“ auf den 21. März, der zudem noch ein Samstag ist. kommt es zum frühestmöglichen Osterfest im Kalender. Dann wird Ostern am 22. März gefeiert. Zuletzt ist das im Jahr 1818 passiert, das nächste Mal wird Ostern erst 2285 wieder auf dieses Datum fallen.

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