Blaue Tonnen: Pappe verdrängt Altpapier
Zahl der Pakete nimmt ständig zu

Lengerich -

Das schnelle Bestellen im Internet zeigt in der analogen Welt seine Folgen unter anderem in der blauen Tonne für Altpapier. Pappe und Karton verdrängt immer mehr das klassische Zeitungs- und Zeitschriftenpapier. Tendenz steigend.

Donnerstag, 14.03.2019, 06:22 Uhr aktualisiert: 14.03.2019, 06:30 Uhr
Pakete, Pakete, Pakete: Die Deutsche Post erwartet, dass das Paketvolumen jährlich um fünf bis sieben Prozent wächst. Das macht sich letzten Endes auch in den blauen Tonnen für Altpapier bemerkbar.
Pakete, Pakete, Pakete: Die Deutsche Post erwartet, dass das Paketvolumen jährlich um fünf bis sieben Prozent wächst. Das macht sich letzten Endes auch in den blauen Tonnen für Altpapier bemerkbar. Foto: dpa

Der Einkauf im Internet ist mit wenigen Klicks erledigt. Die Auswirkungen dessen, was in der digitalen Welt getan wird, zeigen sich in der analogen Welt: Pakete und Päckchen werden hin und her transportiert. Die Verpackungen landen in der Altpapiertonne. Quillt der blaue Behälter eines Tages über?

Bei der Firma „PreZero“, zuständig für die Leerung der Altpapiertonnen im Kreis Steinfurt, macht sich der Konsum in den Online-Versandhäusern bemerkbar.Boris Ziegler spricht von „zwei gesellschaftlichen Trends“, die beim Entsorgungsunternehmen beobachtet werden: Die Lektüre von Zeitungen verlagert sich sukzessive in die digitale Welt. Dementsprechend sinkt das Volumen, das Zeitschriften und Zeitungen in der blauen Tonne beanspruchen.

Da der Konsum im Online-Handel kontinuierlich zunimmt, „beträgt der Anteil von Verkaufs- beziehungsweise Versandverpackungen heute schon in manchen Bereichen bis zu 70 Prozent am Volumen“, so der Pressesprecher des Unternehmens. In welcher Relation der Rückgang des Altpapier-Aufkommens aus Zeitungen zur Steigerung bei den Konsumverpackungen stehen? Offenbar, so Boris Ziegler, fehle es noch an belastbaren Zahlen. Für sein Haus könne er da keine Aussage treffen, stellt er gegenüber den Westfälischen Nachrichten fest.

Zahlen, wie viele Päckchen und Pakete täglich oder wöchentlich in Lengerich oder Tecklenburg zugestellt werden, hat auch die Deutsche Post nicht. Dort werden nur die Gesamtzahlen erhoben. Demnach sind im Jahr 2010 täglich 2,6 Millionen Pakete und Päckchen ausgeliefert worden. Sieben Jahre später hat sich diese Zahl auf 4,6 Millionen Stück erhöht. Die Milliarden-Grenze pro Jahr ist 2013 überschritten worden. Bis 2017 – neuere Zahlen liegen nicht vor – ist dieser Wert um weitere 364 Millionen Stück auf 1,394 Milliarden Päckchen und Pakete gestiegen.

Ein Ende ist nicht in Sicht. „Wir gehen davon aus, dass sich die Paketvolumina bis 2020 jährlich um fünf bis sieben Prozent erhöhen“, sagt Rainer Ernzer, Post-Pressesprecher, auf Nachfrage der WN. Damit dürfte bereits in diesem Jahr die Zahl der Paketsendungen auf deutlich mehr als 1,5 Milliarden Stück steigen.

Ob sich das irgendwann auf die Gebühren auswirkt? Bislang müssen Bürgerinnen und Bürger nur für die Abfuhr von Restmüll und Bio-Abfälle zahlen. Beim Altpapier kommt das Duale System Deutschland (DSD) ins Spiel. Das zahlt in diesem Jahr 1,20 Euro je Einwohner an die Stadt Lengerich fürs Altpapier-Aufkommen. Im vergangenen Jahr, so ist dem Haushaltsplan zu entnehmen, war die Altpapier-Entsorgung für die Stadt ein einträgliches Geschäft. Als Kosten für die Abfuhr werden 65 300 Euro genannt, die Erlöse mit 110 000 Euro für die Altpapierverwertung angegeben.

In die blaue Tonne gehören übrigens ausschließlich Papier, Pappen und Kartonagen. Milchtüten, Tapetenreste oder Fotos gehören nicht dazu, schreibt der Grüne Punkt. Das Unternehmen hat seit 1990 das erste duale System zur endverbrauchernahen und hochwertigen Verwertung von Verkaufsverpackungen aufgebaut und organisiert.

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