Ausfallhonorare
Honorar für verpasste Arzttermine? Das sagen Ärzte

Lüdinghausen -

Die Einen warten wochenlang auf einen Termin beim Arzt, die Anderen lassen ihren Termin verfallen – ein Ärgernis vor allem in Facharztpraxen. Inzwischen verlangen einige Ärzte Ausfallhonorare von unzuverlässigen Patienten. Wie sehen die Ärzte vor Ort die Problematik? Die WN haben nachgefragt.

Donnerstag, 14.03.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 14.03.2019, 10:01 Uhr
Vor allem in Facharztpraxen sind die Wartezimmer voll. Da sind Patienten, die ihre Termine nicht wahrnehmen, besonders ärgerlich.
Vor allem in Facharztpraxen sind die Wartezimmer voll. Da sind Patienten, die ihre Termine nicht wahrnehmen, besonders ärgerlich. Foto: dpa

Wer heutzutage schon mal versucht hat, kurzfristig einen Termin beim Orthopäden oder Kardiologen zu bekommen, kennt das Problem. Bei Fachärzten gibt es mitunter Wartefristen von mehreren Wochen oder gar Monaten. Um so ärgerlicher – für Patienten und Ärzte – wird es dann, wenn andere Patienten ihre vereinbarten Termine ungenutzt verstreichen lassen. Ein zunehmendes Phänomen gerade in den Ballungszentren. Dort sind einige Mediziner inzwischen dazu übergegangen, in solchen Fällen Ausfallhonorare zu verlangen. Wie sieht die Situation vor Ort in Lüdinghausen aus? Die WN haben nachgefragt.

Wir ärgern uns natürlich schon sehr, wenn Termine nicht eingehalten werden.

Dr. Wolfgang Kowatz

„Wir ärgern uns natürlich schon sehr, wenn Termine nicht eingehalten werden“, sagt Dr. Wolfgang Kowatz, Facharzt für Orthopädie in einer Gemeinschaftspraxis an der Mühlenstraße. Manche Patienten würden zumindest absagen, andere leider nicht.

„Wir tragen das dann in die Akte ein und sprechen die Patienten beim nächsten Mal auch darauf an“, so Kowatz. Meist seien die dann einsichtig. „Zum Glück halten sich diese Fälle bei uns aber in Grenzen. Deswegen ein Ausfallhonorar zu fordern, käme für uns nicht in Frage. Aber von anderen Praxen kenne ich das durchaus.“

Alternative Handhabe

Für Zahnarzt Bernd Kurth sind Ausfallhonorare kein Thema. „Ich habe viele Patienten, die seit zig Jahren zu mir kommen. Wenn die mal einen Termin verpassen, mache ich mir eher Sorgen, dass etwas nicht stimmt.“ Da rufe man auch schon mal an, um zu hören, ob alles in Ordnung sei. Dennoch gebe es auch bei ihm Patienten, die gerne mal einen Termin sausen lassen. „Wenn das öfter passiert, geben wir ihnen keinen festen Termin mehr. Dann müssen sie eben kommen und warten“, beschreibt Kurth seine pragmatische Vorgehensweise.

Das steht rechtlich auf ganz wackeligen Beinen. Da wäre ich vorsichtig.

Dr. Rainer Drerup

Für Dr. Rainer Drerup, Allgemeinmediziner und Sprecher der niedergelassenen Ärzte in Lüdinghausen, gibt es eine einfache Erklärung, warum dieses Phänomen vor allem Fachpraxen betrifft: „Die Leute rufen an, bekommen einen Termin in drei Monaten, ärgern sich maßlos und rufen beim nächsten und übernächsten Arzt an.“ Gehe es dann bei einem der anderen schneller, würden viele vergessen, den ersten Termin abzusagen. „Das gibt es bei uns Hausärzten kaum, geht es bei uns doch meistens um eine akute Erkrankung“, so Drerup. Das Thema Ausfallhonorare sieht der Ärztesprecher ohnehin kritisch: „Das steht rechtlich auf ganz wackeligen Beinen. Da wäre ich vorsichtig.“

KVWL rät von Ausfallhonoraren ab

Eine Einschätzung, die auch von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL), die die Interessen von 15 000 niedergelassenen Hausärzten, Fachärzten und Psychotherpeuten vertritt, geteilt wird. „Wir raten von dieser Maßnahme ab, da die Rechtslage beim Thema Ausfallhonorar nicht klar ist“, erklärt Pressesprecherin Vanessa Pudlo auf Nachfrage der WN. Stattdessen verweist sie auf die Termin-Servicestellen, die die KVWL seit 2016 anbietet, um Patienten schneller einen Termin beim Facharzt zu ermöglichen. „Allein im vergangenen Jahr wurden so in Westfalen-Lippe 27 800 Termine vermittelt“, rechnet Pudlo vor. Ein Angebot, das verstärkt von Patienten genutzt werde. Der Vorteil: Stelle der Hausarzt einen dringliche Überweisung aus, werde ein Facharzttermin innerhalb von vier Wochen vermittelt. „Nicht unbedingt zur Wunschpraxis, aber immerhin zeitnah“,

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