Erweiterungsvorhaben an den Strönfeldseen
Mehr Sand für Abbaufirma

Heek -

Sand ist für die Firma Tegro ein kostbares Gut. Und der Bedarf steigt und steigt. Daher will das Heeker Unternehmen seinen Sandabbau erweitern. Das soll sich nun auch im B-Plan wiederfinden.

Samstag, 23.02.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 23.02.2019, 06:02 Uhr
Die Firma Tegro will ihren Sandabbau an den Strönfeldseen erweitern – um rund vier Hektar auf insgesamt 17,7 Hektar. Dafür soll der Bebauungsplan geändert werden. Baden ist im Abbaubereich derzeit verboten, der See ist dort eingezäunt. Nach Abschluss des Sandabbaus dagegen könnte der See zu Freizeitzwecken genutzt werden.
Die Firma Tegro will ihren Sandabbau an den Strönfeldseen erweitern – um rund vier Hektar auf insgesamt 17,7 Hektar. Dafür soll der Bebauungsplan geändert werden. Baden ist im Abbaubereich derzeit verboten, der See ist dort eingezäunt. Nach Abschluss des Sandabbaus dagegen könnte der See zu Freizeitzwecken genutzt werden. Foto: Mareike Meiring

Sand ist für die Firma Tegro ein kostbares Gut. Und der Bedarf steigt und steigt. Daher will das Heeker Unternehmen seinen Sandabbau in der Gemeinde erweitern – und damit auch die Wasserfläche an den Strönfeldseen vergrößern. Über eine hierfür nötige Änderung des Bebauungsplans Nummer 58 Strönfeld beriet am Mittwochabend der Bauausschuss.

Tegro hat beantragt, dass die Abgrabungsfläche erweitert wird, um rund vier Hektar auf insgesamt 17,7 Hektar. Damit würde auch die Wasserfläche um 3,6 Hektar vergrößert werden, und zwar in südwestlicher Richtung zum Wirtschaftsweg „Buschen Erben“ sowie zum „Hellingbach“.

Daneben will die Gemeinde durch die B-Plan-Änderung die zukünftige Nutzung des Sees zu Freizeit- und Erholungszwecken planungsrechtlich vorbereiten. Diese soll auf den Osten begrenzt werden. Daher wird dieser Bereich in dem geänderten B-Plan als Liegewiese ausgewiesen. Auf dieser öffentlichen Fläche ist auch ein Parkplatz angedacht. Ebenso sind Fuß- und Radwege eingezeichnet, die sich entlang des Wassers schlängeln. Möglich gemacht werden soll in Zukunft auch der Bau von Umkleiden mitsamt Toiletten und einer Badeaufsicht. Hierfür ist ein Baufenster ausgewiesen.

Einige Fragen, auch mit Blick auf den Naturschutz, sollen indes nicht im B-Plan-Verfahren erörtert werden, sondern im Genehmigungsverfahren für die Abgrabungen, wie Bauamtsleiter Herbert Gausling am Mittwochabend sagte. Teilweise würden zum Beispiel noch vogelkundliche Gutachten eingeholt, auch eine Stellungnahme des Kreises Borken lag den Ausschussmitgliedern am Mittwochabend noch nicht vor.

Nach der Offenlage der Pläne stand zudem noch eine Antwort auf eine Stellungnahme des Landesbetriebs Wald und Holz aus. Das Regionalforstamt hatte darin für den Bereich des geplanten Radweges Ersatzaufforstungen gefordert, wie Gausling sagte. Der Radweg soll sich an zwei Seiten entlang des Gebiets schlängeln.

Die Verwaltung machte nun den Vorschlag, zwischen See und Liegewiese eine Fläche für Wald auszuweisen (1100 Quadratmeter), die zunächst als Grünfläche angedacht war. Dann müssten die Parkplätze verschoben werden.

Ob es wirklich soweit kommt, hänge aber auch davon ab, „ob der Radweg tatsächlich gebaut wird“, sagte Gausling. Dafür seien noch intensive Gespräche mit Straßen-NRW und Eigentümern nötig. Letztlich könne die Waldfläche aber auch noch in andere Bereiche verschoben werden.

Hermann-Josef Schepers (SPD) wollte wissen, inwiefern die Gemeinde für ihr Vorhaben später noch Ökopunkte erwerben muss. Hintergrund ist, dass Eingriffe in die Natur in der Regel kompensiert werden müssen. Dafür bekommen bestimmte Flächen eine sogenannte ökologische Werteinheit (ÖWE) zugeordnet – ein Wald etwa hat den Wert sechs, eine Straße (vollversiegelt) den Wert null. Diese werden dann mit der Fläche multipliziert. Dann werden Eingriff und Kompensation gegeneinander aufgerechnet. Das ist auch bei der Planung für die Strönfeldseen passiert.

Dabei machte Gausling deutlich, dass die Gemeinde durch verschiedene Maßnahmen in dem Gebiet genügend Ökopunkte für alle im B-Plan angedachten Vorhaben sammeln würde. Unter anderem sind verschiedene Flächen „zum Schutz, zur Pflege, und zur Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft“ ausgewiesen. Nach jetzigen Planungen ist dabei der Wert für die Kompensation sogar höher als jener für den Eingriff – und liegt bei über 23 000 Ökowerteinheiten.

Laut dem Umweltbericht soll dieser sogenannte Kompensationsüberschuss der Firma Tegro „zum Ausgleich von weiteren Eingriffen in Natur und Landschaft zur Verfügung stehen“. Hierzu meinte Hermann-Josef Schepers: „Da stellt sich die Frage, ob die Gemeinde an den 23 000 Punkten nicht auch noch partizipieren kann“. Immerhin schaffe sie der Firma Tegro mit diesem Vorhaben „einen riesen Vorteil.“ Man könne zum Beispiel diskutieren, ob sich die Gemeinde und die Firma die überschüssigen Ökopunkte teilen. „Das ist ein interessanter Aspekt“, sagte daraufhin Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff. Mit Blick auf Gespräche mit der Firma Tegro sei das „in jedem Fall eine gewisse Verhandlungsmasse“.

Einen Beschluss dazu, wie mit den überschüssigen Ökopunkten umgegangen werden soll, fassten die Mitglieder des Bauausschusses aber nicht. Wie als Beschlussvorschlag vorgesehen, stimmten sie aber dafür, dem Rat zu empfehlen, einen entsprechenden Satzungsbeschluss zu fassen. Hierzu tagt der Rat dann am 13. März.

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