Korruptionsprozess um das NRW-Landgestüt
„Das war nicht Spaß, Lust oder Luxus“

Warendorf -

Im Korruptionsprozess gegen drei ehemalige Führungskräfte des NRW-Landgestüts hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch Geldstrafen von 7200, 9600 und 10.800 Euro gefordert. Die Verteidiger plädierten auf Freispruch. Das Urteil wird am Freitag erwartet.

Mittwoch, 20.02.2019, 15:22 Uhr aktualisiert: 20.02.2019, 17:38 Uhr
Im Korruptionsprozess gegen drei ehemalige Führungskräfte des NRW-Landgestüts hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch Geldstrafen von 7200, 9600 und 10 800 Euro gefordert. Die Verteidiger plädierten auf Freispruch. Das Urteil wird am Freitag erwartet.
Im Korruptionsprozess gegen drei ehemalige Führungskräfte des NRW-Landgestüts hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch Geldstrafen von 7200, 9600 und 10 800 Euro gefordert. Die Verteidiger plädierten auf Freispruch. Das Urteil wird am Freitag erwartet. Foto: Joachim Edler

„Wir sind keine Täter. Wir haben alles gegeben für das Land und das Landgestüt, unseren Job mit Herzblut ausgeübt. Das war nicht Spaß, Lust oder Luxus.“ Die ehemalige Gestütsleiterin fand sehr persönliche Worte. Diese fielen ihr jedoch schwer, sie bat das Gericht sitzen bleiben zu dürfen. Seit viereinhalb Jahren werde sie und ihre Familie an den Pranger gestellt. „Dabei habe ich in Katar nur meinen Job getan. Sollten wir aufgrund dieser nicht haltbaren Vorwürfe verurteilt werden, steht meine Nachfolgerin bereits jetzt mit einem Fuß im Gericht.“

Und die ehemalige Gestütsleiterin räumte mit dem Anschein von Spaßreisen auf: „Doha ist nicht Dubai, hier macht niemand Urlaub.“ Die Reisen, bei 48 Grad, seien alles andere als Vergnügungen gewesen. Und das noch als Frau in einer arabischen Welt, wo Knigge-Regeln zu beachten seien. Für die Kataris sei es eine Beleidigung gewesen, wenn man die Einladung mit den Ehepartnern nicht angenommen hätte. Das galt auch für alle anderen VIP-Gäste. „Die Kataris legen die Regeln fest, nicht wir.“

Rechtfertigung von Ex-Verwaltungschef 

Die ehemalige Gestütsleiterin griff ihren früheren Arbeitgeber, das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium scharf an: „Das Land hat uns völlig allein gelassen, ist seiner Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mitarbeiterin nicht nachgekommen. Machen sie doch mal was mit den Arabern“, habe ihr der Minister mit auf den Weg gegeben. „Einen Support gab es jedoch nie. Das Ministerium hat nicht einmal nachgefragt, in welche Gefahren sich seine Mitarbeiter bei Reisen nach Katar gegeben. Uns hätten jederzeit am Flughafen die Pässe abgenommen und wir hätten verhaftet werden können.“

Dass er nichts Unrechtes getan und nur seine Aufgaben, das Landgestüt betriebswirtschaftlich weiter nach vorne zu bringen mit Leidenschaft und Freude ausgeübt habe, unterstrich auch der ehemalige Verwaltungschef (Verteidiger Ulrich Holzhey): „Wir sind angeklagt, weil wir Dinge gemacht haben, die uns das Ministerium gesagt hat.“

Der frühere Erste Hauptberittmeister könne bis heute nicht verstehen, warum er auf der Anklagebank sitze: Ich habe nur die Anweisungen meiner Vorgesetzten befolgt. Und die haben mir nie gesagt, dass ich keine Pferde vermitteln oder Reitunterricht geben darf.“ Seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe werde er und seine Familie gedemütigt. „Das ist ein Martyrium.“

Kritik am Verfahren

Detlev Ströcker, Anwalt der ehemaligen Gestütsleiterin sprach von Fehlern in der Anklageschrift, falschen Reisekosten und hochrangigen Beamten des Ministeriums, deren Aussagen unterschiedlicher nicht hätten sein können. „Das war ein schwaches Bild. Nicht zuständig“, hätte man immer wieder aus dem Zeugenstand gehört. Bei den Geschäftsbeziehungen zu Katar, die seine Mandatin für das Landegestüt vorantreiben sollte, tummele sich eine Behördenstelle in einem Bereich, in dem sonst nur Private unterwegs seien.

Auch Ströcker kritisierte die Länge des Verfahrens. „Dank des Verfahrens ist meine Mandatin nach wie vor erwerbslos, ihr Ruf völlig verbrannt, in der Reiterszene Null wert. Kein Mensch in Europa würde meine Mandatin einstellen, nicht mal um den Pferdestall ausmisten zu lassen.“

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