Bilanz der westfälisch-lippischen Sparkassen
Sparkassen-Kunden werden reicher

Münster -

Die 6,1 Millionen Privatkunden der Sparkassen in Westfalen-Lippe haben noch niemals zuvor binnen zwölf Monaten so viel neues Geldvermögen angehäuft wie im Jahr 2018.

Dienstag, 12.02.2019, 16:24 Uhr aktualisiert: 12.02.2019, 16:36 Uhr
Bei den Sparkassen in Westfalen-Lippe wird immer mehr Geld gehortet.
Bei den Sparkassen in Westfalen-Lippe wird immer mehr Geld gehortet. Foto: dpa

Der Zuwachs habe bei fast 4,5 Milliarden Euro  gelegen, berichtete Prof. Dr. Liane Buchholz, Präsidentin des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe (SVWL) am Dienstag bei der Vorlage der Jahres­bilanz in Münster. Die beliebteste Anlageform der Kunden bleibe indes die ­Immobilie, berichtet SVWL-Vizepräsident Jürgen Wannhoff aus dem bundesweiten Vermögensbarometer der Sparkassen.

Der Geldzuwachs bei den Kunden bedeutete für die Sparkassen auch steigende Bilanzkennziffern: „Im Einlagengeschäft und der Vermögensbildung jagt ein Rekord den nächsten“, betonte Wannhoff. Die aufsummierte Bilanzsumme der westfälisch-lippischen Sparkassen kletterte um 2,6 Prozent auf 134,6 Milliarden €Euro, die Kunden­einlagen um 2,9 Prozent auf 99 Milliarden Euro  und der ­Bestand an Kundenkrediten um 2,7 Prozent auf 93,6 Milliarden Euro . Wegen der notwendigen Erweiterungs­investitionen bei Unternehmen sei, so Wannhoff, vor allem der Firmenkredit­bestand kräftig (um 4,6 Prozent) gewachsen.

Die Ertragslage der Sparkassen hat sich allerdings angesichts der anhaltenden Nullzinspolitik der Euro­päischen Zentralbank weiter eingetrübt. Zwar wuchsen die Provisionsüberschüsse – auch dank des zunehmenden Wertpapiergeschäfts – um 3,8 Prozent auf 32 Millionen Euro . Allerdings konnte der Einbruch des Zinsüberschusses um 100 Millionen Euro  dadurch nur zu einem Drittel ausgeglichen werden. Das Betriebsergebnis vor Bewertung sank folglich um fünf Prozent auf 1,21 Milliarden Euro .

Für die Zukunft malte Präsidentin Buchholz ein eher düsteres Bild. Sie verwies auf den kurz bevorstehenden Brexit, die weltweiten Handelskonflikte, die schwächelnde deutsche Konjunktur und insbesondere auf das anhaltend niedrige Zinsniveau. „Leichter wird es nicht in den nächsten Jahren, resümierte Buchholz.

Immer wichtiger wird für die Sparkassen das Thema Digitalisierung. Erste Fortschritte seien auf diesem Feld bereits erzielt worden, betonte Wannhoff. Er nannte beispielhaft die Echtzeit-Überweisungen, die Geldtransaktionen innerhalb von zehn Sekunden möglich machen und seit dem 10. Juli 2018 angeboten werden. Bundesweit seien von den Sparkassen bereits 6,2 Millionen Echtzeit-Überweisungen durchgeführt worden.

Für die Zukunft wollen sich die deutschen Sparkassen neu organisieren und Landesbanken fusionieren. Buchholz fordert für den Sparkassensektor auf mittlere Sicht ein einziges Zentralinstitut. „Wir brauchen keine Superbank“, erklärte die SVWL-Präsidentin, „sondern nur eine gut funktionie­rende Girozentrale.“ Erfreut zeigte sich Buchholz über das grüne Licht der EU für die sogenannte „Small Banking Box“ die kleinen Banken mit einer Bilanzsumme von bis zu fünf Milliarden €Euro regulatorische Erleichterungen bringen soll. In Westfalen-Lippe haben 52 der 60 Sparkassen dadurch Vorteile.

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