Besuch bei der Bundesbildungsministerin
Anja Karliczek - Hausherrin im Herzen Berlins

Berlin/Brochterbeck -

Als Anja Karliczek im März 2018 zur Bundesministerin für Bildung und Forschung ernannt wurde, waren viele überrascht. Die CDU-Politikerin aus Brochterbeck gilt in diesem Ressort als Quereinsteigerin. Doch sie hat sich offenbar gut eingelebt. Ein Besuch in Berlin.

Dienstag, 12.02.2019, 11:04 Uhr aktualisiert: 12.02.2019, 11:10 Uhr
Vom Balkon ihres Büros kann Anja Karliczek den Reichstag sehen: Die Politikerin aus Brochterbeck leitet das Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Vom Balkon ihres Büros kann Anja Karliczek den Reichstag sehen: Die Politikerin aus Brochterbeck leitet das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Foto: Vera Szybalski

Wer durch die Glastür auf den Balkon tritt, bekommt einen einzigartigen Blick geboten. Zu Füßen biegt sich die Spree in einer Linkskurve. Geradeaus erhebt sich hinter der Schweizerischen Botschaft das Kanzleramt. Guckt man nach links, entdeckt man das Reichstagsgebäude, verdeckt vom Paul-Löbe-Haus. Genau hier, mitten drin im politischen Berlin, ist vor elf Monaten eine neue Hausherrin in das Bundesministerium für Bildung und Forschung eingezogen: Anja Karliczek.

Der CDU-Politikerin aus Brochterbeck gehört seitdem das Büro mit Balkon zur Spree. Für viele überraschend wurde sie von Bundeskanzlerin Angela Merkel für das Amt als Bundesbildungsministerin nominiert. Die 47-jährige Finanzexpertin, die 2013 erstmals in den Bundestag einzog, galt im Bildungsministerium als Quereinsteigerin. In ihr Amt habe sie sich mittlerweile eingearbeitet, sagt Karliczek vergangene Woche bei einem Gespräch in ihrem Berliner Büro: „Dazu war dieses letzte Jahr für mich auch da: einfach einen soliden Überblick zu gewinnen.“

Wettbewerb in Berlin ist groß

Kritische Stimmen begleiteten Karliczeks Amtsübernahme, fast ein Jahr danach sind sie noch nicht verstummt. Auch weil Karliczek mit einer unglücklichen Aussage für Aufmerksamkeit sorgte: 5G sei nicht an jeder Milchkanne notwendig. Unfreiwillig geriet damit ausgerechnet die im Tecklenburger Land so verwurzelte Karliczek in Verdacht, dem ländlichen Raum schnelles Internet vorerst vorenthalten zu wollen. Jetzt sagt sie: „Ich stehe ja immer dafür, dass man aus Fehlern lernt.“

Das harte Berliner Politikgeschäft kennt sie aus ihrer Zeit als Abgeordnete. Das Ministeramt bringt nun aber eine deutlich erhöhte Aufmerksamkeit mit sich. „Das eine ist, als Parlamentarierin in einem kleinen Arbeitsbereich etwas zu organisieren und dann nach vorne zu bringen. Aber das andere ist natürlich, es in der Breite zu tun“, sagt sie. Der Wettbewerb in Berlin ist groß, die Hauptstadtpresse nicht zimperlich. Und der gebeutelte Koalitionspartner SPD scheint froh zu sein um jede Attacke, die er setzen kann. „Ich glaube, man muss lernen, damit umzugehen“, sagt Karliczek. „Und man kann auch daraus lernen, dass man vielleicht manche Dinge anders erklären und anders verkaufen muss.“

Die Vorwürfe verfehlen dabei schon mal das Ziel. Bildungspolitik ist Ländersache, der Einfluss der Bundesministerin ist beschränkt. Wer sie für marode Schulen oder das Hin und Her um G8 und G9 attackiert, adressiert die Falsche. Um die Schulen im Land mit Laptops, Notebooks und Smartboards auszustatten, will der Bund fünf Milliarden Euro investieren. Der Bundestag segnete den Gesetzesentwurf ab – die Länder stoppten den „Digitalpakt Schule“. Der Gesetzesentwurf ging ihnen zu weit. Er wird im Vermittlungsausschuss behandelt.

Karliczek will gerne weitermachen

Karliczek hat daneben weitere Projekte auf dem Schreibtisch, die jetzt angegangen werden. Mit der „Nationalen Dekade gegen Krebs“ sollen Fragen um Prävention, personalisierte Therapien und die Vernetzung einzelner Partner beantwortet werden. Mit der Bafög-Novelle soll nicht nur der Elternfreibetrag steigen, sondern auch die Wohnpauschale. Karliczek will „Familien in der Mitte der Gesellschaft unterstützen“.

Afrika-Gottesdienste 2018 in Greven mit Anja Karliczek

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  • Martin Frohnhöfer schenkt Anja Karliczek (Bundesministerin für Bildung und Forschung) einen schwarzen Regenschirm. Zuvor hatte er die Anekdote erzählt, dass die beiden beim Reckenfelder Weihnachtsmarkt 2017 zusammen unter einen Schirm Schutz vor einen Regenguss gesucht hatten. Der Schirm war rot: "Das passt doch nicht zu Ihnen!"

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Anja Karliczek (Bundesministerin für Bildung und Forschung) im Afrika-Gottesdienst der St.-Martinus-Gemeinde am 4. November 2018 in der St.-Franziskus-Kirche in Greven-Reckenfeld.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der Gospelchor Mixed Voices im Afrika-Gottesdienst der St.-Martinus-Gemeinde am 3. November 2018 in der St.-Josef-Kirche in Greven.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Die Afrika-Gruppe und die Ministerin: Thomas Volk, Bernhardine Michels, Hanne Wieskamp, Anja Karliczek (Bundesministerin für Bildung und Forschung), Marlies Windau und Paul Pier nach dem Afrika-Gottesdienst der St.-Martinus-Gemeinde am 3. November 2018 in der St.-Josef-Kirche in Greven.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der Gospelchor Mixed Voices im Afrika-Gottesdienst der St.-Martinus-Gemeinde am 3. November 2018 in der St.-Josef-Kirche in Greven.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der Gospelchor Mixed Voices im Afrika-Gottesdienst der St.-Martinus-Gemeinde am 3. November 2018 in der St.-Josef-Kirche in Greven.

    Foto: Rosemarie Bechtel
  • Als Claudia Schleich sehr gefühlvoll als Solistin „Emanuelle“ sang, sorgte das bei vielen Besuchern für Gänsehaut.

    Foto: Rosemarie Bechtel
  • Anja Karliczek (Bundesministerin für Bildung und Forschung) im Afrika-Gottesdienst der St.-Martinus-Gemeinde am 3. November 2018 in der St.-Josef-Kirche in Greven.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Anja Karliczek (Bundesministerin für Bildung und Forschung) im Afrika-Gottesdienst der St.-Martinus-Gemeinde am 3. November 2018 in der St.-Josef-Kirche in Greven.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Hanne Wieskamp, Anja Karliczek (Bundesministerin für Bildung und Forschung) und Paul Pier im Afrika-Gottesdienst der St.-Martinus-Gemeinde am 3. November 2018 in der St.-Josef-Kirche in Greven.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Anja Karliczek (Bundesministerin für Bildung und Forschung) im Afrika-Gottesdienst der St.-Martinus-Gemeinde am 4. November 2018 in der St.-Franziskus-Kirche in Greven-Reckenfeld.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Martin Frohnhöfer

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Anja Karliczek (Bundesministerin für Bildung und Forschung) im Afrika-Gottesdienst der St.-Martinus-Gemeinde am 4. November 2018 in der St.-Franziskus-Kirche in Greven-Reckenfeld.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Anja Karliczek (Bundesministerin für Bildung und Forschung) im Afrika-Gottesdienst der St.-Martinus-Gemeinde am 4. November 2018 in der St.-Franziskus-Kirche in Greven-Reckenfeld.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der Gospelchor Mixed Voices im Afrika-Gottesdienst der St.-Martinus-Gemeinde am 4. November 2018 in der St.-Franziskus-Kirche in Greven-Reckenfeld.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der Gospelchor Mixed Voices im Afrika-Gottesdienst der St.-Martinus-Gemeinde am 4. November 2018 in der St.-Franziskus-Kirche in Greven-Reckenfeld.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Martin Frohnhöfer schenkt Anja Karliczek (Bundesministerin für Bildung und Forschung) einen schwarzen Regenschirm. Zuvor hatte er die Anekdote erzählt, dass die beiden beim Reckenfelder Weihnachtsmarkt 2017 zusammen unter einen Schirm Schutz vor einen Regenguss gesucht hatten. Der Schirm war rot: "Das passt doch nicht zu Ihnen!"

    Foto: Gunnar A. Pier
  • -gap- Paul Pier im Afrika-Gottesdienst der St.-Martinus-Gemeinde am 4. November 2018 in der St.-Franziskus-Kirche in Greven-Reckenfeld.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Hanne Wieskamp im Afrika-Gottesdienst der St.-Martinus-Gemeinde am 3. November 2018 in der St.-Josef-Kirche in Greven.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Die Afrika-Gruppe und die Ministerin: Thomas Volk, Bernhardine Michels, Hanne Wieskamp, Anja Karliczek (Bundesministerin für Bildung und Forschung), Marlies Windau und Paul Pier nach dem Afrika-Gottesdienst der St.-Martinus-Gemeinde am 3. November 2018 in der St.-Josef-Kirche in Greven.

    Foto: Rosemarie Bechtel

Sie will zudem eine Mindestausbildungsvergütung festlegen und mit einer Weiterbildungsstrategie darauf reagieren, dass in den nächsten sechs Jahren 1,3 Millionen Arbeitsplätze wegfallen, während vor allem im Informatikbereich 2,1 Millionen neue entstehen.

Daneben geht es vor allem um eines: „Die Kernaufgabe in meinem Haus ist definitiv die Forschung.“ Die Spitzenforschung solle so vorangetrieben werden, dass Deutschland international wettbewerbsfähig bleibt.

Es bleibt noch viel zu tun. Dass Karliczek sich bald aus der Berliner Politik verabschiedet, ist nicht wahrscheinlich. Bei der nächsten Bundestagswahl strebt sie wieder ein Mandat an: „Wenn die Leute mir weiter vertrauen, dann würde ich gerne weitermachen.“

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