Germania-Pleite
So viele Passagiere wie nie hatten für den Sommer Germania gebucht

Berlin/Greven -

Der Blick in die Bücher offenbart: Die Fluggesellschaft Germania war wirtschaftlich am Ende. Nur noch drei der 30 Flugzeuge befanden sich in ihrem Besitz. Das Aus ist für den Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) traurig. Airport und Airline passten gut zusammen. Das zeigen auch die Vorausbuchungszahlen, die Germania am Mittwoch bekanntgab. In Greven waren sie gut wie nie. 

Mittwoch, 06.02.2019, 15:33 Uhr aktualisiert: 06.02.2019, 18:23 Uhr
Germania-Pleite : So viele Passagiere wie nie hatten für den Sommer Germania gebucht
Lange Schlangen vor den Germania-Schaltern im FMO-Terminal hat es häufig gegeben. Für den Sommer waren die Buchungszahlen „so gut wie nie“. Foto: Gunnar A. Pier (Archiv)

Das ist bitter: Am Tag nach dem offiziellen Aus hat die insolvente Fluggesellschaft Germania dem Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) die Vorausbuchungszahlen für den in sieben Wochen gültigen Sommerflugplan mitgeteilt. „Die Zahlen sind gut wie nie“, sagte Airport-Sprecher Andrés Heinemann am Mittwoch. Der Zuspruch für das touristische Angebot der Berliner Airline sei „extrem gut“ gewesen. Genaue Zahlen nannte Heinemann nicht, aber: „Im Vergleich zum Vorjahr hätten wir damit nochmal ordentlich zugelegt.“ Germania hatte dem FMO in den vergangenen beiden Jahren ein kräftiges Passagierwachstum beschert und 2018 wieder über die Hürde von einer Million Passagieren gehievt.

Drei der insgesamt 30 Flugzeuge im Besitz der Airline

Fachjuristen gehen davon aus, dass bei der Pleite-Airline nur noch geringe Vermögenswerte vorhanden sind. Nach Angaben von Branchendiensten befanden sich am Ende nur noch drei der insgesamt 30 Flugzeuge im Besitz der Airline. Zwei Maschinen hatte Germania am Flughafen in Greven stationiert. Eine wurde am Mittwochnachmittag vom Leasinggeber abgeholt und nach Budapest geflogen. Warum ausgerechnet dorthin wusste am FMO niemand.

Staatliche Hilfe wäre nicht zulässig gewesen

Dass Germania anders als zuvor die Air Berlin nicht mit Überbrückungskrediten in der Luft gehalten wurde, deutet Werner Meier von der internationalen Wirtschaftskanzlei Simmons & Simmons dahingehend, dass die Bundesregierung keine Sanierungsperspektive gesehen habe. Es sei fraglich, so Meier nach Angaben der Deutschen Presseagentur, „ob die Masse für ein reguläres Insolvenzverfahren ausreicht“. Eine staatliche Hilfe wäre schon wegen der extrem unsicheren Rückzahlungsperspektiven nach dem EU-Beihilferecht nicht zulässig gewesen.

Gespräche mit privaten Investoren gescheitert

Am Montag waren die Gespräche der Airline mit privaten Investoren endgültig gescheitert. Einen Tag später hatte die Fluggesellschaft Insolvenz angemeldet. Derzeit prüft der Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg die vorhandenen Vermögenswerte und die Perspektiven zur Fortführung des ebenfalls am Dienstag eingestellten Flugbetriebs. Die rund 1100 Beschäftigten sollen bis einschließlich März von der Arbeitsagentur Geld bekommen - das über einen Bankkredit finanziert wird.

Auswirkungen auf den FMO

Derweil bemüht sich der Flughafen in Greven, für den Sommer ein möglichst attraktives Ersatz-Programm auf die Beine zu stellen. Mit der Germania-Pleite hat der Flughafen auf einen Schlag 16 seiner 27 Ziele verloren. „Wir hoffen jetzt, für den Sommerflugplan die wichtigsten Ziele wiederzubekommen“, sagte Heinemann.

 

 


Betroffene haben unterschiedliche Rechte 

Fluggäste haben nun unterschiedliche Rechte. Dabei ist entscheidend, ob ihr Flugticket zu einem Veranstalterpaket gehört oder ob sie es individuell gebucht haben. Veranstaltergäste hätten „die besseren Karten“, weil der Anbieter für sie eine Ersatzbeförderung organisieren muss, erläutert die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Wer dagegen direkt bei der Fluggesellschaft gebucht hat, müsse sich „nun wohl auf den Totalverlust des Ticketpreises einstellen“.

Für Veranstaltergäste sind die Flüge ein Teil des Reisevertrags. Hier trage der Anbieter das Insolvenzrisiko bei Leistungserbringern wie Airlines allein, so die Verbraucherschützer. Pauschalurlauber mit Germania-Ticket sollten daher den Veranstalter kontaktieren. Bei vielen Reiseveranstaltern liefen kurz nach Bekanntwerden des Insolvenzantrages bereits die Bemühungen auf Hochtouren, Gäste auf andere Airlines umzubuchen.

Eventuell anfallende Kosten – zum Beispiel für eine Zusatzübernachtung an einem Urlaubsort – würden übernommen, teilten mehrere Veranstalter mit. Weniger weit reichen die Rechte von Reisenden, die ihre Tickets direkt bei Germania gebucht haben. Sie müssten sich selbst um Ersatzflüge kümmern und ein zweites Mal für Tickets bezahlen. Wer als Direktbucher kurz vor einer mit Germania geplanten Reise steht und nun überlegt, diese abzusagen, sollte bedenken: Weitere gebuchte Leistungen wie Hotelübernachtungen und ein Mietwagen am Ziel stehen ja zur Verfügung und müssten auch bezahlt werden, wenn die Anreise an den Urlaubsort unterbleibt. (dpa)

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