Digitalisierung
Weiße Flecken auf dem Land

Düsseldorf -

Ausgerechnet die Milchkanne ist zur Maßeinheit des digitalen Fortschritts geworden. Seit Bundesforschungsministerin Anja Karliczek in einem Interview erklärt hat, der neue Mobilfunkstandard 5G müsse „nicht an jeder Milchkanne“ verfügbar sein, vielerorts reiche nämlich der bisherige Standard 4G, ist eine Debatte über den Anschluss der ländlichen Region an die Digitalisierung entbrannt. 

Montag, 21.01.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 21.01.2019, 10:35 Uhr
Digitalisierung: Weiße Flecken auf dem Land
Bundesforschungsministerin Anja Karliczek sorgte mit der Aussage, 5G müsse „nicht an jeder Milchkanne“ verfügbar sein, für Empörung. Foto: Peter Kneffel

Ministerpräsident und CDU-Vize Armin Laschet hat bereits erklärt, natürlich müsse 5G auch an jeder Milchkanne zu empfangen sein. Der Grünen-Digitalexperte Matthi Bolte-Richter nahm den Disput zum Anlass für eine Kleine Anfrage, wie es denn überhaupt mit der 4G-Versorgung rund um die Milchkannen aussieht.

Die erbetene aktuelle Aufstellung über die Versorgung mit dem LTE-Standard 4G nach Städten und Kreisen sei nicht in der Frist von sechs Wochen zu liefern, schrieb NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) in der dieser Zeitung vorliegenden Antwort. Er verwies auf den Breitbandatlas des Bundesministeriums für Infrastruktur, wonach die landesweite LTE-Abdeckung der Haushalte 95 Prozent erreicht.

Ländliche Regionen hinken hinterher

Gerade in ländlichen Regionen gibt es demnach allerdings deutliche Lücken – von der Eifel über das Münsterland und Südwestfalen bis nach Ostwestfalen-Lippe. Übrigens auch im Raum Brochterbeck (Kreis Steinfurt), wo Karliczek wohnt. Pinkwart setzt auf die Selbstverpflichtung der Mobilfunk-Konzerne, die bis Ende dieses Jahres 99 Prozent aller Haushalte eine mobile Breitbandanbindung mit 4G versorgen wollen.

Im Juni 2018 hatte das Land mit den Anbietern einen Mobilfunkpakt geschlossen, der auch mit Blick auf den kommenden Standard 5G insgesamt 1350 neue Sendeanlagen und die Modernisierung von 5500 weiteren bis 2022 vorsieht.

Nur „heiße Luft“ sei der Mobilfunkpakt: Bolte-Richters Reaktion auf Pinkwarts Antwort fiel sehr pessismistisch aus. „Der ländliche Raum wird abgehängt, wenn es nicht endlich verbindliche Vorgaben für den Netzausbau gibt“, warnte der Ostwestfale.

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