Interview mit Germania-Chef Balke
„Wir fliegen natürlich weiter“

Münster/Greven -

Germania-Chef Karsten Balke ist Berichten entgegengetreten, der Rechtsstreit mit einem Ex-Gesellschafter könne die Suche nach Investoren erschweren. Im Gespräch mit unserer Redaktion äußerte er sich zur Finanzkrise und neuem Ärger mit dem Sohn des Firmengründers.

Sonntag, 13.01.2019, 17:44 Uhr
Seit nunmehr drei Jahren ist das ein vertrautes Bild: eine Germania-Maschine am FMO.
Seit nunmehr drei Jahren ist das ein vertrautes Bild: eine Germania-Maschine am FMO. Foto: Gunnar A. Pier

Überraschend hat die Fluggesellschaft Germania in der vergangenen Woche für negative Schlagzeilen gesorgt. Die Airline, die am Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) neben der Lufthansa der wichtigste Anbieter ist, meldete Liquiditätsprobleme. Kaum, dass diese Krise überwunden zu sein scheint, droht nun schon wieder Ungemach.

Der „Spiegel“ berichtete am Samstag, Ex-Germania-Gesellschafter Erik Bischoff fordere von dem Unternehmen 40 Millionen € . Germania-Eigentümer und Airline-Geschäftsführer Karsten Balke antwortete am Sonntag auf die Fragen unseres Redaktionsmitgliedes Elmar Ries zu aktuellen Geldsorgen, Kundenreaktionen und dem Streit mit dem Sohn des Firmengründers.

Herr Balke, Sie haben vergangenen Dienstag mit der Meldung über Liquiditätsprobleme bei Germania für Unruhe gesorgt. Was sagen Sie den potenziellen Fluggästen, die jetzt überlegen,

Karsten Balke: Dazu gibt es keinen Grund. Alle Reiseveranstalter und Partner sind weiterhin von unserer Leistungsfähigkeit überzeugt und stehen hinter uns. Die Durchführung unseres Flugprogramms, auch über den Sommerflugplan 2019 hinaus, ist in keiner Weise beeinträchtigt. Fluggäste, Reiseveranstalter und Airports vertrauen uns. Das wissen wir sehr zu schätzen und dafür sind wir sehr dankbar.

Branchendienste berichten, Ende 2018 hätten Germania 20 Millionen €  gefehlt. Hinzu kommt, dass die Zahlen in den vergangenen Jahren angeblich auch schon rot waren. Das klingt alles nicht gut. Wie schlimm ist die Lage denn nun wirklich?

Balke: Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass das Ergebnis der Germania Fluggesellschaft mbH für das Geschäftsjahr 2017 einen Ge­winn auswies. Weiterhin sollte man hier nicht die Handelsergebnisse mit der Liquidität verwechseln. Richtig ist, dass für das Geschäftsjahr 2018 ein Verlust auszuweisen sein wird. Gleichwohl investieren wir auch weiterhin in die Zukunft der Germania, beispielsweise in neues Fluggerät über entsprechende Anzahlungen, um unsere Leistungsfähigkeit langfristig zu sichern.

Dieser kurzfristige Liquiditätsbedarf in den für Ferienflieger defizitären Wintermonaten in Höhe von 15 Millionen € resultiert im Wesentlichen aus erhöhten Sicherungsanforderungen un­serer Vertragspartner aufgrund des schlechten Jahresergebnisses 2018. Das beeinträchtigt aber in keiner Weise den Flugbetrieb.

Wie haben Fluggäste und Flughäfen eigentlich auf die Schreckensnachricht reagiert?

Balke: Es hat sich gezeigt, dass unsere langfristigen Geschäftsbeziehungen, die wir über die Jahre aufgebaut haben, sich auch in solchen Situationen als tragfähig erweisen. So stehen die Flughäfen zu uns. Da wir unseren Flugbetrieb natürlich un­eingeschränkt weiter durchführen, vertrauen uns auch unsere Fluggäste und buchen weiterhin Germania.

Wiederholt berichtet wurde, Germania sei zuletzt zu schnell gewachsen. So hat sich Ihre Airline beispielsweise am Flughafen Münster/Osnabrück in nur drei Jahren zum Nummer-eins-Carrier in der Tourismus-Sparte entwickelt. So positiv das ist: Haben Sie sich vielleicht übernommen?

Balke: Nein. Die Veränderungen im Luftverkehr in den beiden letzten Jahren stellten eine historische Chance dar, unser Geschäft nachhaltig zu erweitern. Dies rechtfertigt auch die hierzu notwendigen Investitionen, die natürlich das Geschäftsergebnis und die Liquidität kurzfristig belasten.

In einem Schreiben an Ihre Mitarbeiter haben Sie davon gesprochen, dass Investoren bereitstünden, Ihrem Unternehmen aus der Misere zu helfen. Die ersten Zahlungen sollen bereits eingegangen sein. Wann, glauben Sie, ist die Liquidität wiederhergestellt?

Balke: Zuerst möchte ich sagen, wie sehr ich überrascht war, dass die öffentliche Berichterstattung uns so viel Zuspruch beschert hat. Es ist uns gelungen, durch intensive Verhandlungen in den letzten Tagen mehr als die Hälfte der erforderlichen Finanzmittel einzusammeln. Ich gehe davon aus, dass wir im Laufe der nächsten Tage auch die restlichen Mittel einwerben.

Zum Thema: Germania

Nach der Insolvenz der Air Berlin ist Germania zur zweitgrößten deutschen Airline aufgestiegen. In ihrem Besitz befinden sich 35 Flugzeuge, 28 weitere im Wert von rund 2,6 Milliarden Euro sind bestellt. Das Unternehmen hat 2017 rund drei Millionen Fluggäste befördert, das sind fast 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Am FMO flogen 2018 fast 270.000 Passagiere mit Germania.

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Können Sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt ausschließen, Ihr Unternehmen verkaufen zu müssen?

Balke: Ja.

Der „Spiegel“ berichtete am Wochenende von einem alten Rechtsstreit, der offenbar neu hochkocht. Demnach verlangt der Sohn des Firmengründers Erik Bischoff für sein Ausscheiden 40 Millionen € . Sie lehnen die Zahlung ab. Das Landgericht Cottbus sprach Bischoff im Oktober rund zehn Millionen zu. Der will jedoch die volle Summe. Bekäme er recht, drohen Ihrem Unternehmen durch den Kapitalverlust neue Liquiditätsprobleme. Was sagen Sie dazu?

Balke: Dazu möchte ich Folgendes erklären: Erik Bischoff, der Sohn des Firmengründers, hat am 23. Juni 2015 aus eigenen Stücken seine Beteiligung an der S.A.T. Fluggesellschaft mbH gekündigt, die im Jahre 2017 in der Germania Fluggesellschaft mbH aufgegangen ist. Das Unternehmen hat ihm von Anfang an einen angemessenen Betrag zur Abfindung seiner Anteile angeboten, sogar etwas mehr als der jetzt vom Landgericht Cottbus ausgeurteilte Abfindungsbetrag.

Dieses Angebot hat Herr Erik Bischoff abgelehnt. Das Landgericht Cottbus musste daher entscheiden. Es hat die Rechtslage eingehend geprüft und festgestellt, dass Herrn Erik Bischoff keine weitere Abfindung über den ihm angebotenen Betrag von 9,5 Millionen €  hinaus zusteht. In dieser Höhe hatte die Germania Fluggesellschaft mbH seit dem Jahresabschluss 2017 ei­ne von der S.A.T. Fluggesellschaft mbH gebildete Rückstellung übernommen.

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