Vom Risikoprojekt zum Erfolg
Kooperationsprojekt zeigt Flüchtlingen Wege in die Berufswelt

Warendorf -

„Welcome to WiN – Work in Nature“ war anfangs ein Risikoprojekt. Mittlerweile ist es so erfolgreich, dass mehr als „Grüne Berufe“ im Fokus stehen. Dass alles so gut läuft, liegt sicherlich auch daran, dass ganz viele an einem Strang ziehen – unter ihnen Pia von Steegen.

Montag, 14.01.2019, 09:54 Uhr aktualisiert: 14.01.2019, 10:00 Uhr
Vom Risikoprojekt zum Erfolg: Kooperationsprojekt zeigt Flüchtlingen Wege in die Berufswelt
Fotos mit erfolgreichen Schülernaus vielen unterschiedlichen Nationen und Kulturen entstehen immer wieder im Rahmen des Projektes „Welcome to WiN – Work in Nature“. Foto: Deula

An diesem sonnigen Freitag erleben Andrea Schütte, Mitglied der Geschäftsleitung der Deula Westfalen-Lippe GmbH in Warendorf, und ihr Kollege Björn Plaas einen echten Glücksmoment: Das Pressegespräch zum 2016 gestarteten Kooperationsprojekt „Welcome to WiN – Work in Nature“, mit dem Geflüchtete in den Arbeitsmarkt integriert werden sollen, ist gerade gelaufen. Fotos mit der mittlerweile vierten Schülergruppe von 15 Flüchtlingen sind soeben gemacht.

Auf dem Weg zurück ins Büro kommt den Deula-Vertretern ein junger Mann in Arbeitskleidung entgegen – er strahlt die beiden an und grüßt mit einem freundlichen „Hallo“. Und genau das ist der Glücksmoment. Denn in Raffi Jrjos aus Syrien erkennen Björn Plaas und Andrea Schütte sofort einen Schüler aus dem ersten „Welcome to WiN“-Kursus aus dem Jahr 2016 wieder.

Glücksmoment auf dem Flur

Er erzählt, dass er heute als Auszubildender der Gartenbaufirma Benning in Münster gekommen ist, um einen überbetrieblichen Ausbildungskurs bei Deula zu absolvieren. Die Zwischenprüfung habe er schon bestanden.

Ein besseres Beispiel für den Erfolg dieses Bildungsprojektes für geflüchtete Menschen, das bereits Erwähnung im Online-Auftritt des Bundeskanzleramtes fand, kann es wohl kaum geben. Ein echter Glücksmoment eben, als wäre Raffi Jrjos eigens zum Pressetermin gekommen. War er aber nicht.

Qualität und Nachhaltigkeit in der Ausbildung sind uns wichtig, deshalb beschränken wir die Ausbildungsgruppen auf rund 15 Teilnehmer.

Andrea Schütte

„Welcome to WiN – Work in Nature“ war anfangs ein Risikoprojekt. Mittlerweile ist es so erfolgreich, dass jetzt nicht mehr nur „Grüne Berufe“ im Mittelpunkt stehen, sondern auch in den Bereichen „Lager- und Produktionstechnik“ sowie „Kraftfahrer“ qualifiziert wird.

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr, das machen die Kooperationspartner deutlich: „Qualität und Nachhaltigkeit in der Ausbildung sind uns wichtig, deshalb beschränken wir die Ausbildungsgruppen auf rund 15 Teilnehmer“, erläutert Andrea Schütte.

Vorteile durch Netzwerkarbeit

Darüber hinaus stimmt die Netzwerkarbeit: Durch einen stetigen Austausch zwischen dem Jobcenter des Kreises Warendorf beziehungsweise der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster, dem Deula-Bildungszentrum sowie dem Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (VGL) wird das Projekt stetig optimiert. „Manche haben versucht, die Maßnahme zu kopieren. Es fehlte aber oft am Zusammenspiel der Beteiligten, vor allem mit dem bei uns so engagierten Ehrenamt“, erläutert Björn Plaas.

Drei Standbeine geben dem Projekt Beständigkeit: Die Ausbildung wird über verschiedene Module durch eine Mischung aus Lernen und Erleben vermittelt, die Teilnehmer werden durch einen eigens dafür eingestellten Integrationscoach intensiv begleitet. Für jeden werden klare Ziele gesteckt.

Arbeitsmarkt hat Türen geöffnet

Neben Deula als Zentrum für Jugend- und Erwachsenenbildung im Kreis Warendorf und überregional tätiger Einrichtung im technischen Bereich waren von Beginn an auch VGL NRW sowie der Kreis Warendorf und die Stadt Münster mit im Boot. „Bei diesem Netzwerk hatte jeder sein Risikopäckchen zu tragen“, erinnert sich Björn Plaas an die Anfänge. Jeder Kooperationspartner habe schon früh die Probleme gesehen.

Es gab die große Zahl an Flüchtlingen, die 2015 eingereist waren. Für die wenigsten gab es 2016 schon eine klare rechtliche Aussage über eine Bleibeperspektive. Spezielle Fördertöpfe existierten auch nicht. Aber es gab diese besondere Situation: „Die Lage auf dem Arbeitsmarkt, dem so viele Fachkräfte fehlen, hat uns viele Türen geöffnet“, beschreibt Björn Plaas. Der Verband GaLaBau leistete damals dazu einen wesentlich Beitrag, indem die Bereitschaft der Betriebe bekräftigt wurde, praktische Arbeits- und Ausbildungsstellen in „Grünen Berufen“ anzubieten.

Kooperationspartner kamen prompt

Auch Andrea Schütte trieb die Flüchtlingssituation 2015 um: „Da muss man doch Angebote schaffen, um diese Menschen aus dem Alltag in den Unterkünften zu holen – ganz unbürokratisch, dafür pragmatisch und zielführend.“ Björn Plaas hatte 2015 gerade seine Geschäftsführerposition bei Deula angetreten. Er griff die Ideen seines Stabes auf und unterstützte deren Umsetzung. Sein Motto: „Alle reden über Flüchtlinge, aber niemand kennt einen.“

Die Impulse der anderen Kooperationspartner kamen prompt. Und 2018 sind sich die Partner einig: Sie kennen jetzt Flüchtlinge aus ganz unterschiedlichen Nationen. „Und sie haben eines gemeinsam“, sagt Susanne Beier, Teamleiterin Kompetenzteam Mi­gration im Jobcenter des Kreises Warendorf: „Diese Menschen sind motiviert und nehmen viel auf sich, um hier ausgebildet zu werden. Sie kommen in der Regel fröhlich und pünktlich zur Arbeit.“

Maßnahmen bringen viel Freude

Mittlerweile habe sich die Qualität der Kurse herumgesprochen. „Da kommen dann Nachfragen von anderen Interessierten. Grundsätzlich sprechen wir vom Jobcenter aber die potenziellen Kandidaten an, weil wir Misserfolge für die Bewerber vermeiden möchten.“ Die Vertreterin des Jobcenters ergänzt: „Die Geflüchteten verbringen vorab eine sehr lange Zeit in den Sprachkursen, dann bringt die Integrationsmaßnahme bei der Deula fast allen viel Freude. Sie gewinnen dabei den Eindruck, dass es nun wirklich an die Arbeit geht.“

Während die ersten beiden „Welcome to WiN“-Kurse mit Menschen stattfanden, die noch keine klare Bleibeperspektive hatten, hat sich die Handhabung in den jüngsten beiden Kursgruppen verändert. „Das Umfeld ändert sich hier laufend. Viele Flüchtlinge sind heute anerkannt, und genau mit den­jenigen müssen wir an der Integration arbeiten.

Anerkennung gibt Planungssicherheit

Auf der anderen Seite gibt die Anerkennung den Betrieben auch Planungssicherheit für die spätere Beschäftigungsmöglichkeit“, erläutert Deula-Geschäftsführer Plaas. Deshalb werden nun bevorzugt Teilnehmer mit einer sicheren Bleibeperspektive ausgewählt.

„Welcome to WiN ist für alle Seiten ein Lernprojekt – auch für uns als Bildungszentrum“, macht Andrea Schütte deutlich. Aus ihrer Sicht ist einer der Erfolgsgaranten die Haltung der Kooperationspartner: Offenheit und Wertschätzung gegenüber den Teilnehmern, verbunden mit klaren Vorgaben für ihre Qualifizierung. Wichtig ebenso: „Der Arbeitsmarkt ist nicht allein für Flüchtlinge besonders offen, sondern für jeden, der motiviert ist. Wir sollten da nicht immer differenzieren.“

Puffer für Probleme

Ein weiterer Erfolgsgarant ist Pia von Steegen. Sie begleitet als Integrationscoach der Deula die Teilnehmer, mitunter auch, wenn diese bereits eine Ausbildung in einem Betrieb angetreten haben. Sie ist Puffer für Probleme und gibt Hilfestellung in allen organisatorischen Fragen. „Für die Teilnehmer in allen Kursen bin ich immer die Leitfigur“, sagt sie.

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