Interview mit „Rudelsingen“-Erfinder David Rauterberg
Ohne „White Christmas“ geht’s nicht

Münster -

Am Weihnachtsbaum singen gelegentlich ein paar Familienmitglieder zusammen. Doch wenn David Rauterberg ein Lied anstimmt, stimmen gerne mal 500 oder 2000 Menschen mit ein. Der Erfinder der „Rudelsingen“-Abende hat am Sonntag einen zweitausendstimmigen Chor auf dem Prinzipalmarkt geleitet und lädt zum adventlichen Liederabend am Mittwoch ins Jovel ein. Zeit, ihn mal zu fragen: Was macht ein gutes Mitsing-Weihnachtslied aus? Unser Redaktionsmitglied Gunnar A. Pier hat ihn getroffen.

Montag, 10.12.2018, 21:34 Uhr aktualisiert: 11.12.2018, 08:02 Uhr
David Rauterberg hat das Rudelsingen erfunden.
David Rauterberg hat das Rudelsingen erfunden. Foto: Oliver Werner

Herr Rauterberg, sollen wir Heiligabend mit den Kindern „Stille Nacht“ oder „In der Weihnachtsbäckerei“ singen?

Rauterberg: Ich würde auf jeden Fall „In der Weihnachtsbäckerei“ singen. Für „Stille Nacht“ braucht man eine schöne Atmosphäre. Zuhause klingt es aber kaum so schön, dass ich mich wohl fühle. Die „Weihnachtsbäckerei“ lebt vom Text. Ach, und was ich übrigens im vergangenen Jahr wiederentdeckt habe: „Eine Muh, eine Mäh“. Das macht so viel Freude, das zaubert jedem ein Lächeln ins Gesicht.

Was macht denn ein gutes Lied zum Mitsingen aus?

Rauterberg: Der Text darf nicht zu altbacken sein . . .

. . . aber ist „Eine Muh“ nicht altbacken?„“Eine Diedeldadeldum“ – meine Kinder kennen die Worte gar nicht!

Rauterberg: Ja, aber es ist albern. Albernheit macht es in diesem Fall aus. Außerdem sind die Strophen tatsächlich witzig.

Wie kommt es eigentlich, dass in der Weihnachtszeit plötzlich alle singen? Vor Ostern würden wir hier ja gar nicht drüber sprechen.

Rauterberg: Die Weihnachtszeit ist die Zeit, in der man nach Hause kommt, sich auf die Familie besinnt. Und das gemeinsame Singen ist eben ein Urbedürfnis. Es gibt ein großes Bedürfnis, sich mit Liedern in weihnachtliche Stimmung zu bringen.

Rudelsingen auf dem Prinzipalmarkt

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  • Münster singt auf dem Prinzipalmarkt.

    Foto: Oliver Werner
  • Am zweiten Adventssonntag kamen Hunderte auf den Prinzipalmarkt,...

    Foto: Oliver Werner
  • ...um beim großen Rudelsingen gemeinsam Weihnachtslieder anzustimmen.

    Foto: Oliver Werner
  • Auf einer Bühne begleitete Rudelsingen-Organisator David Rauterberg die Sängerinnen und Sänger.

    Foto: Oliver Werner
  • Münster Marketing, die Halle Münsterland und die Initiative Starke Innenstadt hatten zum dritten Mal zum weihnachtlichen Rudelsingen eingeladen.

    Foto: Oliver Werner
  • Auf dem Programm von "Münster singt" standen Weihnachtslieder von klassisch bis rockig.

    Foto: Oliver Werner
  • Vorweihnachtliche Stimmung: Mit einsetzender Dämmerung begann um 16.30 Uhr das Rudelsingen.

    Foto: Oliver Werner
  • Wer nicht so textsicher war, konnte sich an der großen Leinwand auf der Bühne...

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  • ...Unterstützung holen.

    Foto: Oliver Werner
  • Sehen Sie im Folgenden weitere Impressionen vom Rudelsingen auf dem Prinzipalmarkt am 9.12.2018.

    Foto: Oliver Werner
  • Rudelsingen auf dem Prinzipalmarkt Foto: Oliver Werner
  • Rudelsingen auf dem Prinzipalmarkt Foto: Oliver Werner
  • Rudelsingen auf dem Prinzipalmarkt Foto: Oliver Werner
  • Rudelsingen auf dem Prinzipalmarkt Foto: Oliver Werner
  • Rudelsingen auf dem Prinzipalmarkt Foto: Oliver Werner
  • Rudelsingen auf dem Prinzipalmarkt Foto: Oliver Werner
  • Rudelsingen auf dem Prinzipalmarkt Foto: hö
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  • Rudelsingen auf dem Prinzipalmarkt Foto: hö
  • Rudelsingen auf dem Prinzipalmarkt Foto: hö

Wie viel Kitsch darf sein?

Rauterberg: Ohne „White Christmas“ geht es natürlich nicht. Das lebt bei unseren Veranstaltungen auch von der Mehrstimmigkeit. Oder „Wann kommst Du, Weihnachtsmann?“: Eine unfassbar schöne Melodie, das Lied kommt eigentlich aus Frankreich, aber Rolf Zuckowski hat’s wunderschön übersetzt – da hat man wirklich Tränen in den Augen.

Apropos „Tränen in den Augen: Was ist mit „Last Christmas“?

Rauterberg: Wir suchen schon seit Jahren eine Version, die singbar ist. Die erste Strophe geht ja noch, die zweite geht gar nicht. Manchmal singen wir zu dem Video. Das ist unfassbar kitschig, aber es setzt 1:1 um, was da gesungen wird. Jedes Wort ist visualisiert. Der Text ist übrigens gar nicht so schlecht, wie man denkt.

Ihr Favorit?

Rauterberg: „Happy Christmas“ von John Lennon ist für mich das beste Weihnachtslied, das es auf dem ganzen Erdball gibt. Es berührt mit seiner Botschaft, mit seiner Musik. „War is over if you want it“ – besser kann man es nicht formulieren.

Haben neue Weihnachtslieder überhaupt eine Chance, oder brauchen sie immer eine gewisse Patina, eine Tradition?

Rauterberg: Ich glaube, so ist das. Es gibt jedes Jahr einen neuen Sommerhit – aber einen Weihnachtshit gibt es nicht. Man möchte das nicht. Deshalb kommen immer wieder die alten Lieder in die Charts: „Merry Christmas“ von Slade zum Beispiel, auch „All I want for Christmas is you“ von Mariah Carey.

Wie kann es uns Familien gelingen, die Singerei über die Weihnachtszeit hinaus ins neue Jahr zu retten?

Rauterberg: Was spricht denn dagegen, gerade die vorweihnachtlichen Lieder einfach nicht nur im Dezember zu singen, sondern sie wohldosiert übers Jahr verteilt immer mal wieder herauszuholen? Einfach nur, weil es Spaß macht, sich zusammen klingen zu hören. Meistens hört man sich doch nur zusammen singen, wenn Geburtstag ist und man „Wie schön, dass Du geboren bist“ singt.

 

 

Zum Thema

Das vorweihnachtliche Münsteraner Benefiz Rudelsingen, Mittwoch, 12. Dezember 2018, Jovel in Münster. Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt: 13 Euro.   |  www.rudelsingen.de

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