Nach vierfachem Mord in Enschede
Polizei sucht Informations-Leck in eigenen Reihen

Enschede -

Die Abteilung „Interne Ermittlungen“ der Rijksrecherche, der nationalen niederländischen Polizei, soll herausfinden, wer Informationen rund um den Vierfachmord in Enschede an die Medien und Öffentlichkeit herausgegeben hat. Die Staatsanwaltschaft mache sich darüber „ernsthafte Sorgen“, berichtet der Twentsche Courant Tubantia. Die Zeitung zitierte Polizeichef Oscar Dros mit den Worten: „Das ist nicht akzeptabel.“

Samstag, 08.12.2018, 13:00 Uhr aktualisiert: 08.12.2018, 13:06 Uhr
Nach dem vierfachen Mord in Enschede suchen Polizei und Justiz nach einem Leck in den eigenen Reihen. Viele Detailinformationen waren vorab in den Medien veröffentlicht worden.
Nach dem vierfachen Mord in Enschede suchen Polizei und Justiz nach einem Leck in den eigenen Reihen. Viele Detailinformationen waren vorab in den Medien veröffentlicht worden. Foto: Martin Borck

Kritische Töne schlägt auch Oberstaatsanwalt John Lucas an: „Wenn Informationen vorzeitig von den Medien veröffentlicht werden, können Zeugen oder Verdächtige beeinflusst werden. Ein fairer Strafprozess hat nicht in den Medien stattzufinden. Der Prozess gehört in den Gerichtssaal.“

Lucas und Dros haben der Rijksrecherche den Auftrag erteilt, das „Leck“ zu suchen. „Es ist wichtig, dass unabhängig geklärt wird, wer Informationen geteilt hat“, so Lucas.

Klare Worte auch vom Polizeichef: „Ich will wissen, wie diese Informationen an die Öffentlichkeit gelangen konnten. Ich will den Ermittlungsergebnissen nicht vorgreifen, aber ich will, dass das aufhört.“ Durch Veröffentlichungen werde in die Abläufe der Prozesse eingegriffen. Zudem sei es für Angehörige grausam, Details über den Tod ihrer Familienmitglieder aus den Medien zu erfahren.

Die Ermittlungen richten sich gegen alle an der Aufklärung der Morde beteiligten Personen. Die Staatsanwaltschaft betonte aber, dass Journalisten nicht von den Ermittlungen betroffen seien. „Sie haben die Freiheit, Informationen zu veröffentlichen, die ihnen zugespielt werden“, zitiert der Twentsche Courant Tubantia die niederländische Staatsanwaltschaft. Die Untersuchungen dürften sich daher auf Mitarbeiter der Polizei und der Justiz beziehen.

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