Vierfachmord in Enschede
Beweise stapeln sich

Enschede -

Die Beweislage gegen die drei Mitglieder der Familie A. aus Hengelo ist offenbar erdrückend. Sie sind am Tag des vierfachen Mordes in Enschede von Zeugen in der Nähe des Tatorts gesehen worden. Außerdem gibt es ein Video, das sie dort zeigt. Wie aus Recherchen des Twentsche Courant Tubantia hervorgeht, fanden sich außerdem DNA-Spuren eines der Verdächtigen an einer Patronenhülse, die am Tatort lag. Das bestätigten Quellen rund um die Ermittler der Enscheder Zeitung gegenüber.

Freitag, 07.12.2018, 05:49 Uhr aktualisiert: 07.12.2018, 09:00 Uhr
Der Tatort an der Ecke Van Leeuwenhoekstraat/Snelliusstraat zwei Tage nach der Tat. Die Ermittler waren noch vor Ort.
Der Tatort an der Ecke Van Leeuwenhoekstraat/Snelliusstraat zwei Tage nach der Tat. Die Ermittler waren noch vor Ort. Foto: Martin Borck

Die Verdächtigen selbst – Vater Camil A. und seine Söhne Dejan und Denis – schweigen derzeit. Denis hatte allerdings zugegeben, dass sie am Tatnachmittag in einem VW Golf durch die Snelliusstraat gefahren seien, an deren Ecke zur van Leeuwenhoekstraat der Growshop liegt, in dem vier Männer erschossen wurden. Denis‘ Aussage zufolge seien sie auf dem Weg zum Möbelboulevard gewesen – der allerdings an einer ganz anderen Gegend der Stadt liegt.

Das Video, das von einer Kamera in der Snelliusstraat aufgenommen wurde, zeigt, wie der Golf am 13. November gegen 14.45 Uhr von dem Growshop wegfährt. Die Polizei geht aufgrund ihrer Ermittlungen davon aus, dass die tödlichen Schüsse gegen 14.30 Uhr abgegeben wurden.

Zeugen sahen drei Männer, deren Beschreibung auf die drei Verdächtigen zutrifft: einen älteren Mann, der einen Hut mit Kniff trug, und zwei jüngere, die sich wie Zwillinge ähneln. Ein Hut, der auf die Beschreibung passt, wurde später in der Wohnung von Camil A. gefunden.

Blutspuren in VW Golf

In dem VW Golf, der auf einen der drei zugelassen ist, wurden Blutspuren entdeckt. Es wird derzeit noch untersucht, ob es sich dabei um Blut eines der vier Opfer handelt.

Auf einer der Patronenhülsen wurden DNA-Spuren des Growshop-Besitzers und von Dejan A. entdeckt. Eine Hülse desselben Kalibers fand die Polizei auch in der Wohnung von A. Außerdem wurde die gleiche Munition eine Woche vor den Morden bei der Bedrohung eines Autohändlers in Hengelo verwendet, für die die A‘s verantwortlich gemacht werden. Der Händler hat gegen sie Anzeige erstattet. Die drei hätten von ihm nach einem misslungenen Deal mit harten Drogen 50 000 Euro verlangt. Um ihrer Forderungen Nachdruck zu verleihen, sei ein Schuss auf ihn abgefeuert worden, der knapp an ihm vorbeiging.

Von vorbeifahrendem Auto gefilmt

Nachdem sie das Gebäude im Hengeloer Hafengebiet verlassen hatten und in einen Opel gestiegen waren, wurden sie zufällig von der Dashcam eines vorbeifahrenden Wagens gefilmt. Der Opel ist auf einen der drei A.s zugelassen. Daraufhin scheint das Trio Beweise für die Bedrohung zu verschleiern. Sie wissen offenbar, dass die Ermittler den Opel suchen. Darum verkaufen sie ihn und schaffen sich den VW Golf an. Auch der wird auf den Namen eines der Familienmitglieder zugelassen. Als die Polizei das Fahrzeug auf den Videos aus der Snelliusstraat sieht, haben sie eine erste Verbindung zu den A‘s.

Die Familie A. ist offenbar bislang nicht mit Verbrechen gegen Leib und Leben in Erscheinung getreten. Lediglich als im Drogenhandel Tätige sind sie bei Polizei und Justiz bekannt.

Waffen sind verschwunden

Die Polizei geht laut Tubantia davon aus, dass bei dem Vierfachmord in Enschede zwei Schusswaffen unterschiedlichen Kalibers eingesetzt wurden. Von den Waffen fehlt derzeit jede Spur. Die Motive der Tat liegen immer noch im Dunkeln.

Nach ihrem Aufenthalt in Enschede fahren die drei nach Hengelo, wo der Vater und der ältere der beiden Söhne wohnen. Dort werden sie erneut von einer Überwachungskamera gefilmt. Camil und Dejan tragen Taschen. Die Polizei interessiert sich für deren Inhalt, gibt auch Bilder der Taschen frei; doch bislang ist weder der Verbleib noch der Inhalt bekannt.

Motiv unklar

RTV Oost berichtete in der vergangenen Woche, dass das Motiv der Tat eventuell darin liegt, dass der später ermordete Besitzer des Growshops minderwertige Cannabis-Setzlinge an A. geliefert hat. Dafür gibt es bislang keine offizielle Bestätigung.

Doch auch ohne Kenntnisse über das Motiv dürften die Beweise reichen, die drei Verdächtigen zu verurteilen, schätzt die Tubantia.

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