CDU-Vorsitz
Wen wählen die Delegierten aus dem Münsterland?

Münster -

Kurz vor der Entscheidung über den CDU-Vorsitz kommen immer mehr Abgeordnete aus der Deckung und sprechen sich öffentlich für einen der Kandidaten aus. Wir haben uns im Münsterland umgehört.

Freitag, 07.12.2018, 07:38 Uhr
CDU-Vorsitz: Wen wählen die Delegierten aus dem Münsterland?
Landtagsabgeordnete Heike Wermer (Heek), Europa-Abgeordneter Markus Pieper und Borkener Landrat Kai Zwicker (v.l.). Foto: CDU-Landtagsfraktion/Volker Zierhut, Vera Szybalski, Jürgen Christ

In den letzten Wochen ist Markus Pieper viel durchs Münsterland gereist. Dabei, sagt der Europa-Abgeordnete, habe er die Stimmung eingesammelt: Leichter Vorteil für Friedrich Merz, dem folge Annegret Kramp-Karrenbauer, dann Jens Spahn.

Als einer von 39 Delegierten aus dem CDU-Bezirk fährt er noch unentschieden zum Bundesparteitag nach Hamburg: Er werde sich am Freitag nach den Reden der drei Kandidaten entscheiden. „Ich erwarte auf dem Parteitag noch Neues.“

Noch unentschlossen – das sagt auch Mark Henrichmann, CDU-Chef im Kreis Coesfeld. Er halte es für sinnvoll, dass für eine Zeit Parteivorsitz und Kanzleramt getrennt sind, um CDU-Positionen deutlicher zu erklären. Klar entschieden macht sich die Landtagsabgeordnete Heike Wermer (Heek) auf den Weg: „Jens Spahn natürlich“, antwortet sie lächelnd auf die Frage, wen sie wählt.

CDU-Parteivorsitz: Das sind die Kandidaten

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  • Der Parteivorsitz der Christlich Demokratischen Union bietet, zumindest den Amtszeiten der bisherigen Vorsitzenden zu Folge,  den stabilsten Posten in der bundespolitischen Hemisphäre Deutschlands. Mehr als 18 Jahre bekleidete die erste Bundeskanzlerin der deutschen Geschichte diese machtvolle Position - und erlebte derweil elf Kandidaten auf sozial-demokratischer Seite. Am Freitag soll nun das selbst eingeleitete Ende dieser Ära beschlossen werden. Die drei aussichtsreichsten Kandidaten sind viel besprochen in Medien, Parteien und an Stammtischen; das wichtigste über die Anwärter folgt in der Bilderstrecke.

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  • Ladies first - Das gilt nicht nur für die Position von Annnegret Kramp-Karrenbauer in unser Bilderstrecke, sondern auch - nach Meinung vieler - für ihre Aussichten im Rennen um den Parteivorsitz. Hier aber nur im Singular, denn die Saarländerin ist die einzige Frau im Trio der aussichtsreichsten Kandidaten. Die 56-Jährige ist seit 1981 Mitglied der CDU. In Trier und Saarbrücken studierte sie von 1982-1990 die Juristerei sowie Politikwissenschaft. Die politische Karriere nahm 1999 ihren Lauf, als sie zum ersten Mal in den saarländischen Landtag gewählt wird. Rasant ging es weiter mit einem Posten als Innenministerin zum neuen Jahrtausend; damit war sie die erste deutsche Chefin eines solchen Ressorts. Ab 2007 kommt es zum häufigen Wechsel der Ministerämter im Saarland. Von Bildung/Familie/Kultur zum Ressort für Arbeit, zum Justizministerium und schließlich zum Landesministerium für Wissenschaft und Forschung.  

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  • 2010 schafft es Kramp-Karrenbauer, die auch "AKK" abgekürzt wird, in das CDU-Präsidium aufgenommen zu werden. 2011 wird sie zur Ministerpräsidenten des kleinen Bundeslandes Saarland gewählt. Nach dem Rücktritt Peter Taubers wagt sie den Sprung in die Bundespolitik und wird mit Merkels Unterstützung zur Generalsekretärin gewählt. Sie gilt in den Reihen der CDU-Politiker als "Merkelvertraute". Annegret Kramp-Karrenbauer ist verheiratet und hat drei Kinder.

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  • Friedrich Merz, dem neben "AKK" die größten Chancen auf die Nachfolge von Angela Merkel eingeräumt werden, erblickte 1955 das Licht der Welt. Der Sauerländer ist seit 1972 Mitglied der CDU. Nach einem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn arbeitet Merz seit 1986 als Rechtsanwalt. 1989 wird er für fünf Jahre in das Europäische Parlament gewählt. Anschließend beginnt für ihn ein Mandat im Deutschen Bundestag, das er bis 2009 innehat. 

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  • Den bisherigen politischen Höhepunkt erreicht Merz im Jahr 2000, in dem er zum Fraktionsvorsitzenden der CDU gewählt wird - in Zeiten der Opposition stellte dies ein machtvolles Amt dar. Zwei Jahre hält sich Merz auf dem Posten. Ab 2005 beginnt er seine Mitarbeit bei der international tätigen Anwaltskanzlei "Mayer Brown". In den folgenden Jahren wird der als neo-liberal geltende Merz in verschiedene Aufsichts- und Verwaltungsräte gewählt. 2018 kündigte er überraschend seinen Antritt zur Wahl der CDU-Spitze an und findet dabei Unterstützung bei Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Friedrich Merz ist verheiratet und hat drei Kinder.

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  • Das jüngste Kabinettsmitglied Merkels machte besonders in der jüngeren Vergangenheit mit provokanten Äußerungen zum Thema Migration von sich Reden. Jens Spahn kam 1980 in Ahaus zur Welt und trat 1997 der CDU bei, nachdem er schon zwei Jahre in der Jungen Union tätig war. 1999 beginnt er sein Studium der Politikwissenschaft an der Fernuniversität Hagen, das er im vergangenen Jahr abschließt. 1998 bis 2005 ist er Vorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend. Seit 16 Jahren ist der junge Spahn Mitglied im deutschen Bundestag. 

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  • Der rasche Aufstieg gewinnt weiter an Fahrt als der Münsterländer 2012 Mitglied des CDU-Vorstandes und 2014 Mitglied des Präsidiums wird. Im Bundesfinanzministerium wird Spahn 2015 Staatsekretär und bleibt dies bis zur neuen Regierungsbildung Anfang des Jahres. Darauf folgt sein bisherig politisch höchstes Amt als Bundesgesundheitsminister. Der 38-Jährige etablierte sich in den letzten Jahren zu einem der prominentesten Merkel-Kritiker. Trotz der geringen Umfragewerte unter den 1001 CDU-Delegierten sieht Spahn selbst seine Kandidatur als aussichtsreich. Spahn ist katholisch und seit 2017 verheiratet.

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Die haben so auch weitere Delegierte aus Spahns Heimatverband kund getan wie Verkehrsminister Hendrik Wüst und der Borkener Landrat Kai Zwicker. Wermer ergänzt: Wenn es zur Stichwahl ohne Spahn komme, sei ihre Entscheidung offen.

Astrid Birkhahn, Delegierte für den Kreisverband Warendorf, will Kramp-Karrenbauer ihre Stimme geben. Anders als sie habe Merz bei der Sozialpolitik eine Schwachstelle. „Da hat er mich nicht erreicht.“ Dafür habe Spahn sie durchaus beeindruckt.

Aus Münster wird es keine Stimme für Friedrich Merz geben - zumindest im ersten Wahlgang. Die fünf Stimmberechtigten teilen sich in ein Spahn- und ein „AKK“-Lager auf.

Andere Delegierte behalten ihre Entscheidung für sich.

So läuft die Wahl ab

Mehr als 1000 Delegierte, bislang drei Bewerber und ein Sieger:

Wie läuft die Wahl?

Die Kandidaten bekommen zunächst die Möglichkeit, sich in kurzen Reden vorzustellen, im Anschluss sind Fragen der Delegierten an sie möglich. Dann wird gewählt. „Bei allen Wahlen ist die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen erforderlich“, heißt es im Parteistatut. Bekommt also im ersten Wahlgang einer der Kandidaten mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen, ist die Wahl entschieden.

Ist dies nicht der Fall, kommt es zu einer Stichwahl zwischen den Kandidaten, die im ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhalten haben. Die Wahl ist geheim, jeder Delegierte findet auf seinem Platz einen Pappaufsteller, damit die Stimme wie in einer Wahlkabine unbeobachtet abgegeben werden kann. Mit dem Ergebnis ist am Nachmittag zu rechnen.

Wer darf abstimmen?

Erwartet werden 1001 Delegierte, die den oder die neue Vorsitzende wählen. Wie viele Delegierte ein Landesverband entsendet, hängt von seiner Mitgliederzahl sowie vom Wahlergebnis bei der letzten Bundestagswahl ab. Weit­aus der mächtigste Landesverband ist somit Nordrhein-Westfalen mit 296 Delegierten, gefolgt von Baden-Württemberg mit 154 Delegierten.

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