Zweiter Prozesstag im Mordfall Salzgitter
Verhandlung läuft anders als geplant

Westerkappeln/Braunschweig -

Am zweiten Verhandlungstag zum Mord in Salzgitter lief alles anders als geplant. Eigentlich sollten die Beteiligten am Sorgerechtsprozess vor dem Amtsgericht Tecklenburg (NRW) im Landgericht Braunschweig im Fall der getöteten vierfachen Mutter aussagen.

Dienstag, 04.12.2018, 18:58 Uhr aktualisiert: 04.12.2018, 19:12 Uhr
Ein Kameramann kontrolliert seine Aufnahmen von dem des Mordes angeklagten Westerkappelners im Landgericht in Braunschweig.
Ein Kameramann kontrolliert seine Aufnahmen von dem des Mordes angeklagten Westerkappelners im Landgericht in Braunschweig. Foto: dpa

Schließlich hatte der Angeklagte (38) aus Westerkappeln in Tecklenburg Ende Mai den Prozess verloren und anschließend in Salzgitter seine Ex-Lebensgefährtin erschossen – so lautet die Anklage vor dem Landgericht Braunschweig. Doch der wiederholte Einwand seines Rechtsanwalts, bei den Aussagen im Landgericht solle der Gutachter dabei sein, überzeugte schließlich das Gericht.

Zumal der Staatsanwalt und ein Nebenkläger-Anwalt den Einwand unterstützten. Der Prozess wurde am Dienstag also bereits nach den Aussagen von zwei Zeugen unterbrochen. Anlass dafür war die Aussage der Rechtsanwältin, die im Sorgerechtsprozess vor dem Amtsgericht die getötete vierfache Mutter vertreten hatte. Der Angeklagte, der vor dem Familiengericht das gemeinsame Sorgerecht, das Aufenthaltsbestimmungsrecht und die Herausgabe der Kinder verlangt habe, sei ihr damals durch „starre Mimik“ aufgefallen. Er habe nicht reagiert und sie habe den Eindruck einer psychischen Erkrankung gehabt, sagte sie im Landgericht aus. Zudem habe er im Flur seine Lippen bewegt, ohne zu sprechen.

Nach dieser Aussage, sagte ein Nebenklägeranwalt, könne keiner mehr die richtigen Fragen stellen – außer dem Sachverständigen, der allerdings nicht da war. Der Anwalt des Angeklagten wollte, dass der Sachverständige auch bei den Aussagen der fachlich versierteren und „etwas objektiveren Zeugen“, die anschließend am Dienstag zum Verhalten des Angeklagten während des Sorgerechtsstreits gehört werden sollten, dabei sein sollte. Der Sachverständige muss schließlich ein Gutachten erstellen, wofür solche Schilderungen von hoher Wichtigkeit sein können.

„Das wirst Du bereuen“

Der Prozesstag hatte zuvor mit der Aussage der Tecklenburger Familienrichters begonnen, der den Verlauf der Verhandlung damals schilderte. Er habe keine Chance in Sachen Sorgerecht für den Mann gesehen und daher das – begleitete – Umgangsrecht ins Spiel gebracht, worauf sich der Angeklagte mit allen Parteien auch in Ruhe geeinigt habe.

Doch anschließend sei er aus dem Saal gestürmt und habe dabei seiner Ex-Lebensgefährtin etwas auf Albanisch zugeraunt. Die Anwältin habe sofort nachgefragt, und die später Getötete übersetzte laut Familienrichter so: „Das wirst Du bereuen“.

Das begleitete Umgangsrecht sei auch ein Wunsch der später Getöteten gewesen, sagte der Familienrichter, da sie Angst hatte, dass der Vater die Kinder sonst nicht zurückbrächte. Ein Kind sei zudem offenbar misshandelt worden – der Angeklagte soll es mit einem Gürtel geschlagen haben.

Der Familienrichter hatte zudem den Eindruck, dass der Angeklagte die Sorgerechtssache nur angeleiert hatte, um den Aufenthaltsort seiner Ex-Lebensgefährtin herauszufinden, so hatte er es in einem Gespräch geschildert. Auf dem Gerichts-Parkplatz, so beschrieb der Familienrichter, wartete der Angeklagte nach der Verhandlung in seinem Auto. Sobald das spätere Opfer in seinem Auto saß, startete auch er seinen Wagen, fuhr weg, kam wieder. Er habe den Eindruck gehabt, der Angeklagte habe seine Ex-Lebensgefährtin abpassen wollen, sagte der Familienrichter, der die Polizei rief.

„Ich muss Gas geben auf der Autobahn, der kommt hinter mir her!“

Zunächst in einem Konvoi machte sich die vierfache Mutter schließlich nach Salzgitter auf, nachdem sie vor Nervosität kaum ausparken konnte, wie die Anwältin beschrieb. Zuvor hatte sie ihre hochhackigen Schuhe gegen Ballerinas eingetauscht, das schilderte die Anwältin und zitierte die Frau: „Ich muss Gas geben auf der Autobahn, der kommt hinter mir her!“

Tief sitzende Angst des späteren Opfers

Die Anwältin beschrieb die tief sitzende Angst der später Getöteten, die auf keinen Fall allein mit ihrem Ex-Mann im Gericht zusammentreffen wollte – weil der sehr aggressiv sei. Sie habe das wohl „angetriggert“, gab die Anwältin die Aussage des späteren Opfers wieder, weil sie ohne Kopftuch erschienen sei. Das Kopftuch, das ihr Mann von ihr zu tragen verlangt hatte, das sie aber ihren beiden Töchtern ersparen wollte. Trotzdem habe es keine häusliche Gewalt gegeben, so hatte es die Frau gegenüber ihrer Anwältin versichert.

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