Nach Problemjahr: Auftraggeber prüft Vertragskündigung
Rote Karte für die Eurobahn?

Münster -

Zugausfälle, Verspätungen, Platzmangel aufgrund verkürzter Züge: Im Februar wurde die Eurobahn wegen schlechter Leistungen abgemahnt – und gelobte Besserung. Dauerhaft besser war das Angebot des Eisenbahn-Unternehmens jedoch nicht. Darum wird es im Dezember vermutlich die zweite Abmahnung kassieren.

Montag, 19.11.2018, 18:58 Uhr aktualisiert: 19.11.2018, 19:44 Uhr
Ein Zug der Eurobahn.
Die Eurobahn steht schon lange in der Kritik. Nun könnten die anhaltenden Probleme einschneidende Konsequenzen haben, Foto: Caroline Seidel dpa/lni

Damit nicht genug: Der Zweckverband Schienen-Personen-Nahverkehr (NWL) prüft als Auftraggeber „mit Hochdruck alle rechtlichen Möglichkeiten, die geeignet sind, den Betrieb in den ­Netzen der Eurobahn zu stabilisieren“, sagte Sprecher Uli Beele am Montag. Konkret handelt es sich dabei um den Schritt, den der NWL sich bislang zu gehen scheute: die Kündigung der Eurobahn-Verträge für alle vier Netze.

Das ist rechtlich einfacher umzusetzen als praktisch. Heißt es doch, kurzfristig ­­ei­nen Ersatzanbieter auf die Schiene zu bringen. Nach ­Informationen von Verfahrensbeteiligten untersucht der NWL mit Hilfe externer Vergaberecht-Spezialisten derzeit die Möglichkeit, das ­Management der Eurobahn zu ersetzen und das Zug­personal aus dem Pannen unternehmen herauszulösen. Per Notvergabe könnte dann ein anderer Anbieter in die Bresche springen – mit dem alten Personal der Eurobahn und deren Fahrmaterial: die 91 Triebwagen sind geleast.

Massive Probleme

Seit August hat das Un­ternehmen im Teutoburger Waldnetz, dem Hellweg-Netz, dem OWL-Netz und dem Maas-Rhein-Lippe-Netz wieder massive Probleme. Fehlende Fahrzeuge aufgrund von Unfällen und unverhoffter Instandsetzungsmaßnahmen sind laut Un­ternehmen ursächlich für die aktuelle Pannenserie.

Eurobahn-Sprecherin Ni­co­le Pizzuti sprach am Donnerstag von ei­nem „rabenschwarzen Jahr für unser Unternehmen“. Um wieder einen zumindest geregelten Betrieb anbieten zu können, habe die Eurobahn inzwischen Fahrzeuge von Mitbewerbern gemietet und zusätzliches Werkstattpersonal angeheuert. „Wir wollen zeigen, dass wir zuverlässig sind“, sagte sie.  

Kommentar: Die Sorgenbahn

Schon wieder die Eurobahn. Die Tochter des französischen Keolis-Konzerns ist das größte private Ei­sen­­­bahnunternehmen in Deutschland – und sorgt für den größten Ärger. Mal fehlen Lokführer, dann wieder funktionieren Triebwagen nicht: Die Eurobahn brüskiert Kunden und Auftraggeber gleichermaßen, und das in unschöner Regelmäßigkeit.

Jetzt also will der Zweckverband NWL die Reißleine ziehen. Vertragskündigung, Konzessionsentzug. So weit ist er noch nie gegangen. Bisher hat er allenfalls halbherzig damit gedroht. Nun müssen Taten folgen, sonst präsentiert sich der Verband als zahnloser Tiger. Die Pannenbahn aufs Abstellgleis zu stellen, klingt konsequent. Nur ist niemandem damit gedient, wenn sie Knall auf Fall den Betrieb einstellt – und kein Ersatz­anbieter parat steht. Immerhin fahren 70 000 Menschen täglich Eurobahn.

Der Rauswurf ist die Ultima Ratio. Klüger und stressfreier wäre es, das Vergaberecht zu ändern. Dahingehend, dass nicht automatisch der kostengünstigste Anbieter den Zuschlag bekommt. Das bindet dem Auftraggeber die Hände und führt dazu, dass der Interessent spart, wo es nur geht. Die Folgen sind bekannt.

Von Elma Ries

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