Grevener wird Opfer von Datenklau
1100 vertrauliche Mails mitgelesen

Greven -

Irgendwann ging ihm ein Licht auf. Die ganzen Informationen, die die Gegenseite hatte, die Verträge, die Steuererklärungen, die beurkundeten Verkäufe – es gab nur eine Erklärung, wie sie daran gekommen sein könnte: Das Mail-Konto musste gehackt worden sein. Der vermeintliche Täter: der eigene Sohn.

Samstag, 17.11.2018, 18:48 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 17.11.2018, 17:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 17.11.2018, 18:48 Uhr
Das Auslesen des Passwortes machte es möglich, sich Zugriff auf das Mailkonto des Greveners zu verschaffen. Der Täter soll pikanterweise ein Familienmitglied sein.
Das Auslesen des Passwortes machte es möglich, sich Zugriff auf das Mailkonto des Greveners zu verschaffen. Der Täter soll pikanterweise ein Familienmitglied sein. Foto: dpa

Als er einen IT-Experten darauf ansetzte, stellte dieser fest: Tatsächlich, jemand hatte unbefugt auf die Daten zugegriffen. Daher also die merkwürdigen Fehlermeldungen und PC-Abstürze in letzter Zeit. Nicht weniger als 1100 vertrauliche Mails und Dokumente hatte sich der Hacker besorgt. Mit allen pikanten Infos, die sie enthielten. Details über Börsengeschäfte, Korrespondenz mit dem Anwalt. Einfach alles.

Also erstatte das Opfer Anzeige, das war im November 2017. Passiert ist seitdem nicht viel. Aber immerhin dies: eine Hausdurchsuchung beim vermeintlichen Täter – pikanterweise der Sohn des Opfers. Er soll, klagt der Vater, sich mit seiner Mutter, der Ex-Frau des Opfers, verbündet haben. Vater und Mutter hatten sich getrennt und haben seitdem ein – sagen wir mal – distanziertes Verhältnis zueinander.

Falscher Anfangsverdacht

Im Scheidungsverfahren ging es unter anderem um Unterhaltsansprüche und finanzielle Verpflichtungen gegenüber den gemeinsamen Kindern. Wo um Summen gerungen wird, sind Informationen darüber, wie die Gegenseite wirtschaftlich aufgestellt ist, hochwillkommen. Infos, die der Sohn seiner Mutter beschafft haben soll, in dem er das Mail-Konto des Vaters hackte und die Daten abfischte. „Ich hatte ganz schnell meine Ex in Verdacht“, sagt der Grevener. „Ich habe Anwaltsschreiben mit so detaillierten Infos zu meiner Situation erhalten, dass ich mich gefragt habe: Woher haben die das nur?“ Es konnte nur eine Antwort geben: illegal ergaunert. „Ich stand da mit heruntergelassener Hose. Bis zum Knöchel. Mir ist klar geworden: Ich habe ein Leck im direkten Umfeld.“

Und tatsächlich: Bei der Hausdurchsuchung stellten die Ermittler Computer des Sohnes sicher und wiesen nach, dass diese für die Angriffe genutzt worden sind. Was passiert seitdem? „Nichts“, klagt der Mann. „Die Staatsanwaltschaft sagt mir: Sie haben es ihm technisch auch sehr einfach gemacht.“

Was der Betrogene durchaus einräumt. Er nutzte ein Mailprogramm, in dem er das Passwort abspeicherte. Wenn man es startete, musste man das Passwort nicht jedes mal neu eintippen. Das begünstigte den Angriff auf die Daten. Der Sohn konnte es auslesen und von jedem Computer der Welt aus aufs Mail-Konto des Vaters zugreifen.

Anzeige erstattet

Wenn der Täter es leicht hat – ist es deshalb weniger strafbar, Daten zu stehlen? „Wenn eine Kassiererin die Kasse aufstehen lässt, macht sie es mir auch leicht. Es ist trotzdem verboten, dass ich in die Kasse greife und Geld stehle“, argumentiert der Familienvater. Er erstattete Anzeige wegen „unerlaubten Ausspähens von Daten“ nach §202. Bislang ohne durchschlagenden Erfolg.

So wird die Sache, fürchtet er, womöglich im Sande verlaufen, verjähren oder irgendwann wegen Geringfügigkeit eingestellt. „Ich warte seit drei Monaten auf eine Antwort der Staatsanwaltschaft“, sagt er. Polizei, Gerichte, Staatsanwälte ließen sich entweder sehr viel Zeit oder sendeten von vornherein das Signal aus: Es lohnt sich nicht, sich um die Sache zu kümmern.

Ab sofort sensibilisiert

Das sieht der Betrogene aber ganz anders: „Da wurde eine Straftat begangen und nichts anderes.“ Das müsse doch für den vermeintlichen Täter juristische Folgen haben. Ob es dazu kommt? Derzeit offen. Einen Termin für eine Gerichtsverhandlung gibt es jedenfalls noch nicht.

Was es gibt: ein neues Passwort für die Mails (und auch für andere Konten) und eine andere Art, auf die elektronische Post zuzugreifen. „Ich bin jetzt auf jeden Fall sensibilisiert.“

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