Vierfach-Mord in Enschede
Waren Opfer zur falschen Zeit am falschen Ort?

Enschede -

Die Straße ist auch am Donnerstag gesperrt. Planen verdecken die Sicht auf das Gebäude an der van Leeuwenhoekstraat in Enschede, wo am Dienstag vier Männer getötet wurden. Zwei der Getöteten waren möglicherweise Opfer einer Abrechnung im kriminellen Milieu. Die beiden anderen waren vielleicht nur zur falschen Zeit am falschen Ort und wurden als Zeugen der Ermordung aus dem Weg geräumt. Das schreibt die Enscheder Zeitung Twentsche Courant Tubantia.

Donnerstag, 15.11.2018, 17:45 Uhr aktualisiert: 15.11.2018, 18:55 Uhr
Der Tatort wurde bereits am Dienstagnachmittag abgeriegelt.
Der Tatort wurde bereits am Dienstagnachmittag abgeriegelt. Foto: Angelique Kunst

Dieser Schluss lässt sich aus der Tatsache ziehen, dass die Männer an zwei verschiedenen Stellen des Gebäudes getötet wurden. Der 62-jährige Mann aus Arnheim passe auch sonst nicht ins Bild. Er steht in keiner bislang bekannten Beziehungen zu den drei anderen. Von denen weiß man, dass sie sich gekannt haben. Zwei unterhielten geschäftliche Beziehungen miteinander. Sie waren zusammen nach dem Fund von 17 Kilo Haschisch verhaftet worden und befanden sich in Erwartung ihres Prozesses auf freiem Fuß. Der ebenfalls erschossene 27-Jährige Hengeloer schließlich war Vermieter der Wohnung, in dem eines der Opfer wohnte.

Die Polizei ermittelt derweil auf Hochtouren. Sie gibt zu möglichen Tätern, Motiven oder Fluchtfahrzeugen keine Auskunft. Chantal Westerhoff, Sprecherin der Polizei Twente, will sich nicht an Spekulationen beteiligen. Konkrete Zusammenhänge mit anderen Verbrechen in jüngster Zeit in Enschede sieht die Polizei nicht. „Aber das kann sich ändern, wenn wir neue Informationen bekommen“, so Westerhoff gegenüber Tubantia.

Tuan N., der Betreiber des Growshops war vietnamesischer Herkunft. Vietnamesische Organisationen sind mittlerweile auf den Drogenmärkten in ganz Europa aktiv. N. soll zudem Spieler gewesen sein und hohe Beträge verzockt haben. Im Holland Casino Enschede hatte er wohl Spielverbot, da er die legale Herkunft seiner Spieleinsätze nicht nachweisen konnte.

Polizei wird personell aufgestockt

Aus dem Umfeld zweier Opfer sei zu vernehmen, dass sie offenbar nicht mit einem Anschlag rechneten. Sie seien offensichtlich unbesorgt am Dienstagvormittag zu einer Fahrt aufgebrochen, von der sie am frühen Nachmittag nach Enschede zurückkehrten, berichtet die Tubantia.

Inzwischen wurde bekannt, das die Polizei Twente personell aufgestockt wird. 58 weitere Beamte werden in der Region Dienst tun. Davon kommen allein 43 nach Enschede, wo bereits jetzt 199 Vollzeitstellen besetzt sind.

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