Borkenkäfer-Befall
„Jahrhundertkatastrophe“: Dramatische Lage im Wald

Münster -

Die Schäden sind schon jetzt in den Wäldern des Münsterlandes dramatisch: Der Borkenkäfer breitet sich immer mehr aus. Und es wird noch schlimmer kommen.

Freitag, 09.11.2018, 19:22 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 09.11.2018, 19:22 Uhr
Der Tannenborkenkäfer hat schon heute schwere Schäden im nordrhein-westfälischen Wald angerichtet.
Der Tannenborkenkäfer hat schon heute schwere Schäden im nordrhein-westfälischen Wald angerichtet. Foto: imago

Dem Wald droht eine „Jahrhundertkatastrophe“: Nach Informationen unserer Zeitung hat der Borkenkäfer-Schädling in NRW bereits 2,3 Millionen Festmeter Fichtenholz befallen – damit ist der Schaden im Forst schon jetzt höher als durch den schweren Orkan „Friedrike“, der im Januar 2018 dem heimischen Wald schwer zugesetzt hatte. Experten und Waldbesitzer fürchten, dass die Trockenheit und das Ausbreiten des Schädlings auch zu einem Absterben von Laubbäumen wie Buche und Eiche führen könnte.

Für das gesamte Jahr rechnet die Vereinigung der „Familienbetriebe Land und Forst“ (FABL) sogar mit einer Schadholzmenge von 4,3 Millionen Festmetern. „Das könnte die kompletten Fichtenbestände in NRW vernichten“, warnt der Vorsitzende des FABL, Max von Elverfeldt. Für die nächsten Jahre gehen Waldbesitzer und Forstexperten sogar von Schadholzmengen von bis zu zehn Millionen Festmeter aus und warnen vor einer „desaströsen biologischen Situation“. Gerade die Fichte gilt zudem als leistungsfähigster CO-Speicher.

Optimale Lebensbedingungen für Schädling

Der Landesbetrieb Wald und Holz hat alle Waldbesitzer in einem Schreiben vom Ende Oktober eindringlich vor den wirtschaftlichen und ökologischen Schäden infolge des Borkenkäfer-Befalls gewarnt. Wörtlich heißt es: „Die Situation hat sich im Bereich des Regionalforstamtes Münsterland sowie in ganz Mitteleuropa deutlich verschärft und ist dramatisch.“

Ausgelöst wurde die „Großkalamität“ durch Orkan „Friedrike“ und die danach von April bis heute anhaltende Trockenheit, die dem Schädling (geschätzt könnte die Population auf 1,5 Milliarden Tiere wachsen) optimale Lebensbedingungen ermöglichen.

Folge: Die Preise für Fichtenstammholz liegen (trotz robuster Nachfrage aus dem Bausektor) aktuell derzeit rund 40 Prozent unter dem Niveau von Anfang 2018. Viele heimische Sägewerke nehmen gar kein Holz mehr an. Der Landesbetrieb Holz empfiehlt den Waldbesitzer nun ausdrücklich, „Frischholzeinschlag im Nadelholz“ zu unterlassen. Vorrang habe der Einschlag in geschädigte Fichtenbestände.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6179256?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819239%2F
Nachrichten-Ticker