Einbrecherbande war auch in Lengerich und Tecklenburg aktiv
Polizei nimmt 21 Verdächtige fest

Lengerich/Tecklenburg/Osnabrück -

Von einem „großen Erfolg im Kampf gegen Einbrecherbanden“ spricht Bernhard Witthaut, Präsident der Polizeidirektion Osnabrück. Nach knapp eineinhalbjähriger Ermittlungsarbeit sind jetzt elf mutmaßliche Wohnungseinbrecher festgenommen und zahlreiche Wohnungen durchsucht worden. Insgesamt 21 Tatverdächtige hat die Polizei im Visier. Sie sollen mehr als 100 Taten in Deutschland – unter anderem auch in Lengerich und Tecklenburg –, Belgien, Niederlande und Dänemark begangen haben.

Dienstag, 23.10.2018, 19:27 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 23.10.2018, 18:20 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 23.10.2018, 19:27 Uhr
Dieser Schmuck ist von der Polizei im Zuge der Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Einbrecher sichergestellt worden. Ein aus einem Haus gestohlener Tresor wurde aufgebrochen und dann aus dem Auto in einen Straßengraben geworfen.
Dieser Schmuck ist von der Polizei im Zuge der Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Einbrecher sichergestellt worden. Ein aus einem Haus gestohlener Tresor wurde aufgebrochen und dann aus dem Auto in einen Straßengraben geworfen. Foto: Polizei Osnabrück

Federführend bei den Ermittlungen war die Zentrale Ermittlungsgruppe Wohnungseinbruchdiebstahl (ZEG) der Polizeidirektion Osnabrück. Bei den Verdächtigen handelt es sich um Mitglieder einer niederländischen Großfamilie, die nach Angaben der Polizei „Züge von Clan-Kriminalität“ aufwies.

Bevorzugt wurde in allein stehende Wohnhäuser und Gehöfte eingebrochen. Der materielle Schaden beläuft sich auf über 150 000 Euro, so die Beamten. Sehr viel schwerer wiegen die seelischen Folgen für die Opfer, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei.

In Deutschland gehen auf das Konto der 21 tatverdächtigen Bandenmitglieder nachweislich 64 Einbrüche, davon 25 in Niedersachsen und 39 in Nordrhein-Westfalen. Bei den Taten gingen die Mitglieder der Großfamilie äußerst professionell vor, haben die Beamten ermittelt. Die Taten wurden von täglich wechselnden „Teams“ begangen.

Eingesetzt wurden bei den Einbruchdiebstählen unterschiedliche Fahrzeugtypen. Etliche von ihnen waren auf „Scheinhalter“ zugelassen. In Meinerzhagen gelang es den Tätern, einen großen Tresor ohne Aufsehen aus einem Einfamilienhaus zu transportieren. In der Nähe des Tatorts wurde der Safe gewaltsam geöffnet und das Diebesgut entnommen. Der Geldschrank wurde anschließend während der Fahrt aus dem Auto in den Straßengraben geworfen.

Erste Ermittlungen gab es bereits im Jahr 2012. Mitglieder einer Großfamilie waren in den Fokus niederländischer und deutschen Behörden gelangt. 54 Tatverdächtige sollten im Raum Enschede Diebesgut im Wert von über 300 000 Euro erbeutet haben. Einige der Täter wurden in den Niederlanden zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt.

Im April vergangenen Jahres hat die Osnabrücker ZEG ihre Ermittlungen aufgenommen. 21 Mitglieder der Großfamilie standen im Fokus, als es überwiegend in Nordwest-Deutschland und in NRW zu einer Häufung von Wohnungseinbrüchen. Bevorzugtes Diebesgut waren Schmuck und Bargeld.

Durch Zeugen erhielt die Polizei erste Hinweise zu den verdächtigen Personen und Fahrzeugen. Die Spur führte in die Niederlande. Von den Osnabrücker Ermittelern wurden – dank internationalem Informationsaustausch der Polizeibehörden – Bezüge zu weiteren Taten in den Niederlanden, Belgien und Dänemark hergestellt. Ende November 2017 wurden drei Tatverdächtige in Antwerpen festgenommen, Anfang Dezember aber wieder aus der Haft entlassen.

Im März 2018 durchsuchten niederländische Polizisten in Enschede und Utrecht diverse Wohnungen und Aufenthaltsorte tatverdächtiger Mitglieder der Großfamilie. Zwei mutmaßliche Einbrecher wurden festgenommen, Wertgegenstände und Beweismittel sichergestellt.

Im Juli ertappten die Ermittler drei Bandenmitglieder bei einem Einbruch in ein Wohn- und Geschäftshaus, bei dem sie Bargeld erbeuteten, und nahmen sie auf frischer Tat fest. Die beiden Frauen und ein Mann befinden sich in Untersuchungshaft. Zeitgleich wurden Wohnungen von vier weiteren Tatverdächtigen in Enschede durchsucht und dabei unter anderem Schmuck sichergestellt.

Im August wurden fünf weitere Mitglieder der Bande in Vechta und Nordhorn festgenommen. Zwei von ihnen wurden mangels ausreichender Haftgründe wieder auf freien Fuß gesetzt. In einem von den Verdächtigen genutzten Pkw fanden die Beamten eine EC-Karte, die im Jahr 2014 bei einem Einbruch in den Niederlanden gestohlen worden war. Das betroffene Ehepaar wurde Jahre später erneut Opfer eines Einbruchs. Die Polizei vermutet, dass die Verdächtigen lohnenswerte Tatorte mehrfach aufgesucht haben. Insgesamt gehen die Ermittler davon aus, dass sich der Gesamtwert des Diebesguts auf über 1,3 Millionen Euro beläuft.

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