Familie Fels in Lüdinghausen
Kampf für bessere Pflege: Hilfsbereitschaft überschüttet Adrian

Lüdinghausen -

Unser Bericht über die Familie Fels hat eine außergewöhnliche Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Viele Angebote werden die Lüdinghauser allerdings nicht annehmen. Denn das Hauptproblem bleibt: Viele Krankenkassen machen den Eltern schwer kranker Kinder das Leben noch zusätzlich schwer.

Dienstag, 23.10.2018, 08:38 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 23.10.2018, 08:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 23.10.2018, 08:38 Uhr
Anita Fels (l.) berichtet über ihre Schwierigkeiten bei der Pflege ihres schwer kranken Sohnes Adrian. Ihre Tochter Amelie und die Pflegekraft Marina Kösters (r.) hören zu.
Anita Fels (l.) berichtet über ihre Schwierigkeiten bei der Pflege ihres schwer kranken Sohnes Adrian. Ihre Tochter Amelie und die Pflegekraft Marina Kösters (r.) hören zu. Foto: Wilfried Gerharz

Eine Welle der Hilfsbereitschaft hat die Familie Fels überschüttet. Nach unserem Bericht über die Schwierigkeiten der Lüdinghauser, einen Pflegedienst für ihren schwer kranken Sohn Adrian zu finden, hat sich unter anderem Gärtnermeister Herbert Tüns entschieden zu helfen.

Vier Auszubildende der Baumschule aus Seppenrade werden Anfang 2019 den Garten des Reihenhauses an mehreren Tagen auf Vordermann bringen. „Das wird eine Projektarbeit, in die sich die vier richtig reinknien werden“, ist ihr Chef überzeugt. Ein Unternehmer will Anwälte bezahlen, die die Familie bei einer juristischen Auseinandersetzung mit ihrer Krankenkasse unterstützen, ein Reisebüro hat angeboten, die Familie zur See zu fahren.

Mehrere Leser wollten der Familie gerne Geld spenden. Am Montag bekam die Familie Besuch von den CDU-Politikern Marc Henrichmann (Bundestag), Dietmar Panske (Landtag), Anna Maria Willms (Kreistag) und Anke Austrup (Stadtrat Lüdinghausen).

Enorme Empathie 

„Die Anteilnahme ist enorm hoch“, sagt Anita Fels nach der Veröffentlichung Anfang September. Leser hätten zum Teil enorme Empathie gezeigt. „Dabei war das gar nicht mein Anliegen. Ich wollte nur meine Wut zum Ausdruck bringen, dass Krankenkassen und Pflegedienst ihren Streit auf unserem Rücken austragen.“

Einige Anrufer hätten angekündigt, Verantwortung für das übernehmen zu wollen, „was die Politik total verbockt“. Tenor: „Wenn die es nicht hinkriegen, bieten wir Hilfe an.“

Neuer Pflegedienst für Adrian 

Erleichtert ist Anita Fels, dass sich aufgrund der Berichterstattung nun auch ein Pflegedienst gefunden hat, der Adrian seit dem 1. Oktober zu Hause pflegt. Der Junge muss künstlich beatmet werden und braucht 24 Stunden am Tag medizinische Betreuung.

Fünf bis sechs Pflegekräfte sollen ab dem nächsten Monat so weit eingearbeitet sein, dass sie die Arbeit leisten, die bislang zum größten Teil Adrians Eltern bewältigt haben. Dafür arbeiten sie zwölf Stunden entweder von 7 bis 19 Uhr oder von 19 bis 7 Uhr. Nun hofft Anita Fels, dass die Pflegenden nicht zu sehr belastet werden und sie ihr Kind möglichst lange begleiten können.

Politiker stehen der Familie zur Seite

Völlig entspannt ist die Lage aber auch mit dem neuen Pflegedienst noch nicht. Obwohl ein Gutachten aus dem Januar bestätigt hat, dass Adrian eine 24-Stunden-Pflege benötigt, hat die Krankenkasse der Fels’ schon wieder ein neues Gutachten in Auftrag gegeben, wie die Lüdinghauserin berichtet. Der medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) soll erneut prüfen, ob dem Jungen tatsächlich so viele Pflegestunden zustehen.

Das ließ die Politiker staunen. Der Forderung des Bunten Kreises, der Familien mit chronisch und schwer kranken Kindern hilft, dass ein Rezept eines Arztes darüber entscheiden soll und nicht ein Sachbearbeiter einer Krankenkasse, schlossen sich die Politiker an. Henrichmann kündigte am Rande des Treffens an, sich unter anderem für eine Ombuds­stelle einsetzen zu wollen. Die soll Eltern bei Auseinandersetzungen mit Krankenkassen helfen.

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