Anklage gegen Rathaus-Mitarbeiter
Fahrlässige Tötung durch Versäumnisse beim Grünschnitt

Wadersloh -

Wegen fahrlässiger Tötung ist Anklage gegen zwei Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung in Wadersloh erhoben worden. Ihnen werden Versäumnisse beim Grünschnitt vorgeworfen, die Ursache für einen tödlichen Unfall gewesen sein könnten.

Montag, 22.10.2018, 21:45 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 22.10.2018, 21:45 Uhr
Gegen zwei Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Wadersloh wurde Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben.
Gegen zwei Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Wadersloh wurde Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben. Foto: Kreis Warendorf

Die Staatsanwaltschaft Münster hat Anklage gegen zwei Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung in Wadersloh wegen fahrlässiger Tötung erhoben. Ihnen wird vorgeworfen, für den Tod eines 17-jährigen Kradfahrers mitverantwortlich zu sein, weil sie nicht für ausreichend gute Sichtverhältnisse auf der Straße gesorgt haben. Konkret soll es sich um Versäumnisse beim Grünschnitt handeln.

Das Amtsgericht Beckum hat bislang allerdings noch nicht entschieden, ob die Anklage zugelassen wird, die bereits am 14. August erhoben wurde.

Der tödlich verunglückte Kradfahrer war am 5. September vergangenen Jahres in Liesborn gegen einen Gülle-Anhänger geprallt, dabei schwer verletzt worden und kurz darauf im Krankenhaus gestorben.

Treckerfahrer konnte Kradfahrer nicht sehen

Schon vor Monaten wurde Anklage gegen den damals 25-jährigen Traktorfahrer aus Lippstadt erhoben – ebenfalls wegen fahrlässiger Tötung. Auch dieser Prozess wird vor dem Amtsgericht Beckum verhandelt und ist bereits eröffnet worden. „Wahrscheinlich werden am Ende beide Prozesse gemeinsam vor Gericht verhandelt werden“, stellte der Direktor des Amtsgerichts, Helmut Seel, in Aussicht.

An der Kreuzung ist eine Sichtweite von 200 Metern vorgeschrieben, es waren aber nur 83.

Martin Botzenhardt

Der 25-Jährige Treckerfahrer hatte unmittelbar nach dem Unfall angegeben, er habe den 17-jährigen Kradfahrer überhaupt nicht sehen können, weil der Mais zu hoch stand. „An dieser Kreuzung ist eine Sichtweite von 200 Metern vorgeschrieben, es waren aber nur 83 Meter“, begründete Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt die Anklage.

Kradfahrer hatte Vorfahrt

Daher wird den beiden Rathaus-Mitarbeitern, die für den Bereich Straßen verantwortlich sind, vorgeworfen, ihre Arbeit nicht sachgerecht gemacht zu haben.

Zum Unfall war es gekommen, als der Treckerfahrer von der Landstraße Göttinger Breede nach links abbog. Dabei erfolgte der Zusammenstoß mit dem Kradfahrer, der Vorfahrt gehabt hätte. Ein Geschwindigkeitsbeschränkung gilt an dieser Stelle nicht.

Bereits im Frühjahr hatte die Staatsanwaltschaft die Büros der beiden beschuldigten Mitarbeiter in Wadersloher Rathaus durchsuchen lassen. Mit dieser Maßnahme wollte man eventuelles Beweismaterial sicherstellen.

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