„Pokémon Go“ hat immer noch viele Fans in der Steverstadt
Wenn der Blick nur nach unten geht

Lüdinghausen -

Sie stehen – meist in kleinen Gruppen – an beliebten Plätzen in der Innenstadt und starren auf ihre Smartphones. Mal sind es Jugendliche, mal ganze Familien. Und was tun die da? Wahrscheinlich befinden sie sich gerade mitten in einem virtuellen Kampf in einer ebenso virtuellen Arena.

Sonntag, 28.10.2018, 13:24 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 22.10.2018, 08:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 28.10.2018, 13:24 Uhr
An der Nepomuk-Statue werden erstmal die Smartphones gezückt. Anja Wansing (r.) und Melanie Kuprianow sind nach mehr als zwei Jahren immer noch im „Pokémon Go“-Fieber.
An der Nepomuk-Statue werden erstmal die Smartphones gezückt. Anja Wansing (r.) und Melanie Kuprianow sind nach mehr als zwei Jahren immer noch im „Pokémon Go“-Fieber. Foto: Heidrun Riese

Dass mehrere Menschen am Christophorus-Brunnen oder vor der Burg Lüdinghausen stehen und eifrig auf ihren Smartphone-Bildschirmen herumtippen, gehörte vor zwei Jahren schon fast zum normalen Stadtbild. Damals war die „Pokémon Go“-App frisch auf dem Markt. Nach dem anfänglichen Hype wurden die virtuellen Arenen scheinbar immer seltener von Fans des damals völlig neuartigen Handy-Spiels frequentiert. Jetzt, so sieht es aus, machen sie sich wieder vermehrt auf die Jagd nach den kleinen Monstern.

Pokémon-Spieler sind sehr leicht zu erkennen.

Anja Wansing

Melanie Kuprianow verabschiedet sich gerade von einem Pärchen, mit dem sie soeben einen sogenannten Raid-Kampf ausgetragen hat, als Anja Wansing dazu kommt und erstmal ihr Smartphone zückt. Sie kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Pokémon-Spieler sind sehr leicht zu erkennen“, gibt Wansing zu. Die beiden Frauen, die an der Nepomuk-Statue vor der Stadtbücherei St. Felizitas stehen, wo sich eine der besagten Arenen befindet, kennen sich bereits. Sie sind zwei von aktuell 109 Mitgliedern einer Whats-App-Gruppe für in Lüdinghausen aktive Spieler, die sich auf die Verabredung für Raid-Kämpfe konzentriert. Bei diesen speziellen Gefechten, die vom Betreiber der App terminiert und angekündigt werden, geht es gegen besonders starke Gegner, gegen die Spieler nur in der Gruppe ankommen.

Gemeinsam auf die Jagd zu gehen, das ist einer der Anreize, die Wansing bei der Stange halten. Sie ist kurz nach Veröffentlichung von „Pokémon Go“ eingestiegen und immer noch voller Begeisterung hinter den kleinen Monstern her. „Es gibt immer wieder neue Herausforderungen, die das Spiel spannender machen“, findet sie. Dazu gehören zum Beispiel besagte Raid-Kämpfe, die vor gut einem Jahr eingeführt wurden. Oder die noch neue Möglichkeit, seine Pokémon mit anderen Spielern zu tauschen – und so mit etwas Glück auch seltene Exemplare zu ergattern, die nur in einem anderen Teil der Welt zu bekommen sind, ohne selbst in den Flieger nach Australien oder Asien steigen zu müssen. „Das ist auch eine Sammelleidenschaft“, weiß Wansing, die mittlerweile stolze 354 kleine Monster zählt.

Vorher hat man für sich alleine gespielt, dadurch ist jetzt eine richtige Gemeinschaft entstanden.

Melanie Kuprianow

Kuprianow kommt sogar auf 381. „Es gibt aktuell drei, die ich nicht habe." Die höchste Stufe, Level 40, hat sie längst erreicht. Langweilig wird es der begeisterten Pokémon-Jägerin trotzdem nicht. Sie arbeitet nun vor allem daran, ihre Punktzahl weiter in die Höhe zu schrauben. „Es gibt viele Möglichkeiten, sich mit anderen Spielern zu vergleichen“, erklärt die Lüdinghauserin.

Und auch, um mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen. Beispielsweise bei Raid-Kämpfen. „Vorher hat man für sich alleine gespielt, dadurch ist jetzt eine richtige Gemeinschaft entstanden“, freut sich Kuprianow, die auch von den Community-Days schwärmt. Nicht nur, weil bei den weltweiten Events, die alle paar Wochen stattfinden, besondere Pokémon locken. Es geht vor allem darum, zusammen auf die Jagd zu gehen. In Lüdinghausen sind immer zwischen 20 und 30 Spieler zusammen auf der Pirsch. „Das ist gemeinsames Spazierengehen“, sieht Wansing das Ganze auch als Gruppenaktivität an der frischen Luft, bei der man außerdem ins Gespräch kommt. „Pokémon-Spieler sind ganz Liebe“, ist ihre Erfahrung. Und über peinliches Schweigen brauche man sich auch keine Gedanken zu machen. „Man hat ja ein Thema

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