Großer Teich führt kein Wasser mehr
Trocknet das Venner Moor aus?

Venne -

Der große Teich im Venner Moor ist von grünen Binsen bedeckt – weil das Wasser futsch ist. Ein Alarmzeichen, denn die Feuchtigkeitspegelstände sind weiterhin sinkend. Biologin Kerstin Wittjen spricht von einer „dramatischen Entwicklung“.

Freitag, 12.10.2018, 21:00 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 12.10.2018, 21:00 Uhr
Das Wasser ist futsch und damit der gewohnte Anblick an dem großen Moor-Teich. Nicht nur die Biologin Kerstin Wittjen hofft, dass die Feuchtigkeit zurückkehrt.
Das Wasser ist futsch und damit der gewohnte Anblick an dem großen Moor-Teich. Nicht nur die Biologin Kerstin Wittjen hofft, dass die Feuchtigkeit zurückkehrt. Foto: Maike Harhues/di/Kerstin Wittjen

Schock für Spaziergänger: Das Venner Moor geht in die Binsen. Buchstäblich gilt das zumindest für den großen Teich, den alle Wanderer kennen. Denn dort hat sich gleichnamige Pflanze ein neues Revier erobert – weil das Wasser verschwunden ist. Das Naturreservat, das als Naherholungsgebiet für Nah und Fern hoch im Kurs steht, droht, sich zu verändern. Die Zwiebelbinse, die auf dem Vormarsch ist, dient nur als ein Alarmzeichen.

Der Grund für den Verlust an Feuchtigkeit liege in der trockenen Witterung, die seit Februar/März herrsche. „Wir hatten kaum Niederschläge“, bedauert Kerstin Wittjen, die als Biologin bei der Naturschutzstation des Kreises Coesfeld das Areal betreut. Verschärfend kamen relativ hohe Temperaturen hinzu.

Pegel sinken weiter

Entwarnung kann sie nicht geben. An vier Pegelstellen in dem Gebiet werde die Feuchtigkeit gemessen. Ernüchternd: „Wir haben den Tiefstand noch nicht erreicht“, weist Wittjen auf eine weiterhin sinkende Tendenz hin. Wenn sie Besuchergruppen auf Exkursionen durch dieses Reservat führt, merkt sie, wie sehr der Anblick die Naturfreunde erschreckt. Immerhin ein Bild, das auch Revierförster Hubert Richter nicht auf die leichte Schulter nimmt. In seinen 30 Berufsjahren in diesem Bezirk habe er nicht erlebt, dass das Wasser in dem etwa 50 Zentimeter bis einen Meter tiefen großen Bassin verdunstet ist.

Wandel ergreift das Venner Moor

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  • Ausgetrockneter großer Teich im Venner Moor

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Torfstich 4 im Winter

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Torfmoos kann viel Wasser halten.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Schwingrasen weist noch Feuchtigkeit auf.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Pegelmessungen im Venner Moor.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Stauungen, um das Wasser im Moor zu halten.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Gefährdetes Naturidyll: Dem Venner Moor fehlt die Feuchtigkeit. Foto: Kerstin Wittjen
  • Herbstimpression: Fliegenpilze

    Foto: Dieter Klein
  • Der größte Teich ist grün von Binsen-Bewuchs.

    Foto: Maike Harhues
  • Vierfleck Libelle im Venner Moor.

    Foto: Kerstin Witjen
  • Schauriger Nebel im Venner Moor.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Herbstimpressionen.

    Foto: Dieter Klein
  • Libelle im Venner Moor.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Gefährdetes Naturidyll: Dem Venner Moor fehlt die Feuchtigkeit. Foto: sff
  • Abendstimmung am großen Teich, als er noch Wasser führte.

    Foto: di
  • Buchen im Venner Moor.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Selten gewordenen Brombeerzipfelfalter.

    Foto: Kerstin Wittjen (Naturschutzzentrum K
  • Laubbäume im Herbst.

    Foto: sff
  • Mächtige Buchen im Venner Moor.

    Foto: sff
  • Gefährdetes Naturidyll: Dem Venner Moor fehlt die Feuchtigkeit. Foto: sff
  • Naturimpressionen im Venner Moor.

    Foto: sff

Dort, wo keine Torfmoose zu finden sind, die bisher noch Feuchtigkeit speichern, sehe es „schlecht aus“, räumt die Vertreterin des Naturschutzzentrums ein. Sie nennt die Entwicklung der vergangenen Monate „krass“ und „dramatisch“. Denn dass der Zustand so trist ist, überrasche angesichts von aufwendiger Vorsorgearbeit, die geleistet wurde: Im Rahmen des Waldklimafondsprojektes „Fit für den Klimawandel“ wurden vom Naturschutzzentrum in Kooperation mit der NABU-Naturschutzstation Münsterland sowie dem Landesbetrieb Wald und Holz zahlreiche Entwässerungsgräben abschnittsweise gestaut und ein großer Torfstich mit einer 130 Meter langen Holzspundwand abgedichtet, so dass die Jahresniederschläge im Gebiet zurückgehalten werden und dem Moor wieder Wachstum ermöglichen.

Hoffen auf Niederschläge im Winter

Als wirksamer Schutz entpuppte sich das nicht: Bei ausbleibendem Regen so wie in diesem Jahr, komme die Regeneration zum Erliegen und die offenen Moorbereiche fielen trocken, schildert die Biologin. Sie hofft, dass im Winter, wie im Vorjahr geschehen, kräftig Niederschläge ’runterkommen. Andere Maßnahmen seien nicht möglich.

Wittjen ist zuversichtlich, dass das gewohnte Bild zurückkehrt. Aber eine Garantie auf ein Happy End gebe es nicht. Welche Folgen das für die Fauna hat, lasse sich noch nicht abschätzen: Kreuzotter, Moor-Libellen oder auch Krickenten seien vom Verlust der Feuchtigkeit aber betroffen.

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