Rodelbahn: Über 150 Tecklenburger im Kulturhaus
Kritik und Zuspruch

Tecklenburg -

Zweimal kommt das Thema noch in den Bauausschuss, zweimal noch in den Stadtrat. „Wir sind ganz am Anfang des Verfahrens“, erläuterte Bürgermeister Stefan Streit zu Beginn der rund drei Stunden dauernden Bürgerversammlung. Im Kulturhaus ging es am Donnerstagabend um den Bebauungsplan „Erholungsgebiet Stutenmond“, genauer gesagt um die Errichtung einer Rodelbahn zwischen altem Bahnhof und Parkplatz „Münsterlandblick“.

Freitag, 12.10.2018, 19:00 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 12.10.2018, 19:00 Uhr
Fritz Puhle übergab Bürgermeister Stefan Streit (links) die Listen mit rund 120 Unterschriften.
Fritz Puhle übergab Bürgermeister Stefan Streit (links) die Listen mit rund 120 Unterschriften.

Zweimal kommt das Thema noch in den Bauausschuss, zweimal noch in den Stadtrat. „Wir sind ganz am Anfang des Verfahrens“, erläuterte Bürgermeister Stefan Streit zu Beginn der rund drei Stunden dauernden Bürgerversammlung. Im Kulturhaus ging es am Donnerstagabend um den Bebauungsplan „Erholungsgebiet Stutenmond“, genauer gesagt um die Errichtung einer Rodelbahn zwischen altem Bahnhof und Parkplatz „Münsterlandblick“. Über 150 Tecklenburger waren gekommen, um sich zu informieren und vor allem kritische Fragen zu stellen. Doch auch Befürworter meldeten sich zu Wort.

Zunächst stellten die Initiatoren Oliver Tiedemann und Henrik Borgmeyer noch einmal detailliert die Pläne vor. „Die Rodelbahn ist ein ganz wichtiges Element“, so Tiedemann. Neben der Rodelbahn soll es Baumhäuser und Schäferwagen als Übernachtungsmöglichkeit geben. Hinzu kommen Streichelzoo und Imbiss. Im alten Bahnhof soll ein Bed & Breakfast eingerichtet werden. Für den Parkplatz „Münsterlandblick“ ist eine Außenplattform mit Gastronomie geplant (wir berichteten mehrfach ausführlich).

Förderung des Tourismus, Steigerung der Übernachtungszahlen, Schaffung von Arbeitsplätzen nannten die Investoren als Ziele, die dem Leitbild „Tecklenburg 2023“ entsprächen. „Wir versuchen, Tecklenburg in seiner Einzigartigkeit attraktiver zu machen“, so Tiedemann.

Zu Wort kamen außerdem Paul Stegmann vom Ingenieurbüro „plan.S“, der den Umweltbericht erstellt hatte, und Stefanie Poerschke, die Fragen zum Schallgutachten beantwortete. Vor allem sie war vom Publikum gefragt.

Sämtliche schalltechnischen Quellen seien in dem Gutachten berücksichtigt worden. Das Projekt lasse sich verträglich realisieren. „Wir unterschreiten die Richtwerte“, versicherte sie.

Moderiert wurde die Versammlung von Stefan Lehmann, Stadtplaner beim Ingenieurbüro Tovar in Osnabrück und für Tecklenburg federführend für Bebauungspläne tätig. Er erläuterte die Modalitäten des Verfahrens und versicherte: Es gibt noch Einiges, wo Sie ganz viel bewegen können.“

Dann gab er das Wort frei für die Tecklenburger. Hauptkritikpunkte: der zu erwartende Lärm und die grundsätzliche Frage, ob das Erholungsgebiet überhaupt zur Kultur- und Festspielstadt passt. So bezeichnete ein Anlieger die von der Schallgutachterin erwähnten Kommunikationsgeräusche der Rodler als „wüstes Gekreische“.

Das kulturhistorische Landschaftsbild am Ortseingang werde seinen Charakter verlieren, befürchtete unter anderem Anlieger Hartwig Kreimeyer. Ein Dorn im Auge ist vielen auch die geplante Gastronomie am „Münsterlandblick“. Dadurch würden noch mehr Motorradfahrer angelockt. Das sei auch ein Kritikpunkt seitens der Stadt, merkte Bürgermeister Streit an.

Ob die Zahl der erwarteten Rodelfahrten (120 000 pro Jahr sind im Gespräch), die Parkplätze am alten Bahnhof und die vorgesehenen Zufahrten sowie die Lärmbelastung dort – kein Thema blieb aus. Die Besucher der Versammlung hatten sich gut vorbereitet und hinterfragten sowohl die Ergebnisse des Schallgutachtens als auch generell die Sinnhaftigkeit des Erholungsgebietes für Tecklenburg.

Doch es gab auch Fürsprecher. Rainer Budke bezeichnete das geplante Erholungsgebiet als wichtigen Baustein für Tecklenburg und: „Ich freue mich über Kinder, die jauchzend auf der Rodelbahn fahren. Viel schlimmer ist der Biker-Lärm.“

Eindeutig abgelehnt wird das Erholungsgebiet vom Betriebsrat der benachbarten Klinik Tecklenburger Land. In dessen Namen überreichte Fritz Puhle Unterschriftenlisten. „Eine Rodelbahn finde ich hundertprozentig – aber nicht an diesem Standort“, kritisierte er. „Die Leute, die zu uns kommen, sind schwer krank und brauchen Ruhe und Erholung.“

Nicht gerade begeistert scheinen auch die Investoren zu sein, die das neue Hotel „Burggraf“ bauen wollen. Warum dem so ist? Das werde im laufenden Verfahren beantwortet, so Stefan Streit.

Sämtliche Anregungen und Bedenken – die der Bürger, der Klinik und des Hotels – werden gesammelt, diskutiert, abgewogen und entweder aufgegriffen oder abgelehnt. Auch das geschieht in öffentlichen Sitzungen.

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