Urteilsspruch am Amtsgericht Tecklenburg
Zu lange aufs Navi geschaut: Tödlicher Unfall am Saal Daweke

Lienen -

Auf die Einlegung eines Rechtsmittels verzichten der Angeklagte und sein Verteidiger noch im Gerichtssaal. Der Mettinger akzeptiert die sechsmonatige Bewährungsstrafe, zu der ihn das Amtsgericht Tecklenburg wegen fahrlässiger Tötung verurteilt hat. 

Freitag, 12.10.2018, 18:11 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 12.10.2018, 17:42 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 12.10.2018, 18:11 Uhr
Bei dem Unfall auf der Kreuzung am Saal Daweke kam im Februar dieses Jahres eine junge Frau ums Leben.
Bei dem Unfall auf der Kreuzung am Saal Daweke kam im Februar dieses Jahres eine junge Frau ums Leben. Foto: Lienen

Der 25-Jährige räumt ein, vom Navigationsgerät abgelenkt gewesen zu sein, als er im Februar dieses Jahres an der Kreuzung Ostbeverner Damm/Schweger Straße die Stopp-Schilder übersah und mit dem Fahrzeug einer 28-Jährigen aus Glandorf kollidierte. Die junge Frau, Mutter eines siebenjährigen Jungen, verstarb noch an der Unfallstelle.

Die Fahrzeuge seien von der Straße „geschossen“ worden und im Graben gelandet, fasst der Richter die Wucht des Unfalls zusammen.

Auch wenn ein Menschenleben nicht durch Strafe aufzuwiegen sei, müsse sich der Mann wegen seines Verhaltens einem Strafverfahren stellen, machen Gericht und Staatsanwaltschaft deutlich, wohl wissend dass ein Urteil für die Hinterbliebenen kein Trost sei.

Angeklagter ist in psycholgischer Behandlung

Tatsächlich wäre den Angehörigen eine Entschuldigung des Unfallverursachers wichtig gewesen. Die erfolgt aber weder im Vorfeld noch im Gerichtssaal. Es wisse nicht, wie er das in Worte fassen solle, sagt der Angeklagte zur Begründung. „Für mich ist das das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann; für die Familie ist es noch schlimmer“, ringt der junge Mann um Worte.

Er selber wurde bei dem Unfall schwer verletzt, war mehrere Wochen krank geschrieben und ist noch in psychologischer Behandlung. Bereits vor dem Unfalltag habe er sich psychisch ausgelaugt gefühlt, sich krank schreiben lassen wollen, sagt der 25-Jährige am Freitag vor Gericht aus.

Das möchte der Anwalt der Familie, die in der Verhandlung als Nebenkläger auftritt, genauer wissen. Er gibt zu bedenken, dass der Mann vielleicht nicht in der Lage gewesen sei, ein Fahrzeug zu führen. Das sieht das Gericht anders. Die Beeinträchtigung durch psychische Problem werte er nicht zu Lasten des Angeklagten, sagte der Richter.

Kollision nicht zu verhindern

Der Mettinger hatte deutlich gemacht, dass er auf dem Heimweg von der Arbeit nicht gestresst gewesen sei. Dass er dennoch die 100 Meter zuvor angekündigte Kreuzung zu spät bemerkt hat, schiebt er auf sein Navi. Er habe den Fahrtverlauf und die Ankunftszeit zu lange im Blick gehabt.

Der Gutachter, der zwei Stunden nach dem verhängnisvollen Unfall vor Ort war, rechnet vor, mit welcher Anstoßgeschwindigkeit die Fahrzeuge aufeinanderprallten. 60 bis 70 Stundenkilometer beim Angeklagten, 50 bis 60 bei der getöteten Frau, selbst wenn der Unfallverursacher 15 bis 20 Meter vor der Haltelinie aufgeschaut hätte, wäre die Kollision nicht zu verhindern gewesen.

Kreuzung war Thema in der Politk

„Er war unaufmerksam und hat den Tod eines Menschen verschuldet, das ist ihm bewusst und das akzeptiert er auch“, betont der Verteidiger. Sorglosigkeit möchte er ihm jedoch nicht unterstellen. „Eine Entschuldigung kriegt er nicht hin, das ist enttäuschend für die Familie, aber menschlich“, wirbt er um Verständnis für seinen Mandanten.

„Ich hätte es besser gefunden, wenn ein Kontakt zur Familie stattgefunden hätte, verstehe aber, dass Worte schwer fallen“, sagt der Richter abschließend. Sein Wunsch für alle Beteiligten: dass sie lernen, mit der Situation zu leben. Zu den Auflagen der dreijährigen Bewährung gehört die Zahlung von 3000 Euro an den Sohn des Unfallopfers, der nach dem Tod seiner Mutter bei deren Schwester und Schwager aufwächst.

Nach dem Unfall war die Kreuzung auch ein Thema in der Politik. Die anfänglich aufgebrachten Rüttelstreifen wurden inzwischen erhöht, sind beim Überfahren deutlich zu spüren.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6118434?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819239%2F
Nachrichten-Ticker