„Aktenzeichen XY“ half bei Ermittlungen
Phantombild verhilft Hammer Polizei zum Fahndungserfolg

Hamm/Münsterland -

Am 30. Mai 2017 schlugen sie zum ersten Mal zu. Kurz vor Ladenschluss wollten zwei Männer in einem Discounter in Hamm vermeintlich noch einkaufen. 

Freitag, 12.10.2018, 17:49 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 12.10.2018, 16:40 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 12.10.2018, 17:49 Uhr
Waffen und eine Einkaufstasche fanden die Ermittler bei den mutmaßlichen Supermarkt-Räubern.
Waffen und eine Einkaufstasche fanden die Ermittler bei den mutmaßlichen Supermarkt-Räubern. Foto: Dierk Hartleb

Doch als sie die Waren auf das Kassenband gelegt hatten, war es mit der gespielten Freundlichkeit vorbei: Dem Filialleiter schlug der eine mit dem Knauf einer Schusswaffe ins Gesicht. Dann zwangen sie ihn und die Kassiererin, den Tresor im Büro zu öffnen. Die Räuber verschwanden mit Münzgeld-Rollen. Jetzt wurden die Täter gefasst.

Ganz ähnlich war die Bande in den folgenden Monaten auch in Ascheberg, Drensteinfurt und Herbern vorgegangen. Weil der letztgenannte Raubzug am 22. August scheiterte, versuchten sie es nur anderthalb Stunden später erneut in Hamm – diesmal mit Erfolg.

Aufmerksamkeit eines Dortmunder Beamten

Damit endete zugleich die Überfallserie, die die Hammer Polizei jetzt aufklären konnte. „Unsere Ermittlungen liefen lange ins Leere“, bestätigte Kriminalhauptkommissar Martin Streubel auf einer Pressekonferenz am Freitagmittag. Von den 70 Hinweisen, die nach einem Beitrag in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ am 9. Mai eingingen, waren 50 brauchbar.

Den Durchbruch verdanken die Hammer Beamten allerdings der Aufmerksamkeit eines Dortmunder Kollegen, der bei der Vernehmung eines wegen eines anderen Deliktes Vorgeladenen die Phantombilder vorlegte und dabei Hinweise auf die möglichen Täter erhielt.

Opfer bis heute traumatisiert

Bei einer großangelegten Aktion am 27. September dieses Jahres nahm die Polizei zunächst drei Verdächtige in Lünen und später in Verl den 21-jährigen Hauptverdächtigen fest. Der saß eigentlich in der JVA Iserlohn ein, war aber von einem Freigang nicht zurückgekehrt und seitdem zur Fahndung ausgeschrieben. Mit dem erbeuteten Geld finanzierte er seine Kokainsucht.

Das Geld – insgesamt 18.900 Euro – sei nach den Überfällen untereiander aufgeteilt worden. Zwei weitere Mittäter, die der Beihilfe verdächtigt werden, wurden wieder auf freien Fuß gesetzt. Einige der Opfer seien bis heute traumatisiert, eines sogar noch immer arbeitsunfähig, erklärte die leitende Kriminalrätin Jeannette Sostmann aus Sicht des Opferschutzes.

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