Verhandlungen über Gasleitungs-Trasse
Verärgerte Landwirte: Verband soll Geld kassiert haben

Kreis Borken -

Dicke Luft im Bauernverband: Mitglieder im Kreis Borken werfen dem Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) mangelnde Transparenz vor. Der Verband soll von einem Unternehmen hohen Summen bekommen haben.

Freitag, 12.10.2018, 17:05 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 12.10.2018, 16:20 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 12.10.2018, 17:05 Uhr
Verhandlungen über Gasleitungs-Trasse: Verärgerte Landwirte: Verband soll Geld kassiert haben
Symbolbild: Eine Straßenkappe mit dem Schriftzug Gas. Sie dienen dem leichten Zugang zu unterirdischen Leitungen. Foto: dpa

Im Bauernverband herrscht dicke Luft – zumindest bei einigen Mitgliedern im Kreis Borken. Sie werfen dem Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) vor, es im Umgang mit dem Unternehmen Zeelink/Open Grid Europe an Transparenz und Unabhängigkeit mangeln zu lassen. Der Grund: Der WLV habe sich von dem Unternehmen, das eine rund 60 Kilometer lange Gasleitung durch den Kreis Borken baut, bezahlen lassen – und das bislang verschwiegen.

WLV soll 33.339 Euro erhalten haben

Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt Jörg Sümpelmann, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, dass der WLV für das Aushandeln einer Rahmenregelung mit Zeelink 33.339 Euro bekommen habe. Weitere 25.000 Euro seien bereits für das Aushandeln einer 2016 vorgestellten Rahmenregelung für die so genannte Loop-Gasleitung von Epe nach Legden geflossen. Das Geld sei direkt an den WLV – also weder an ihn noch an den WLV-Kreisverband – geflossen. Der WLV habe jeweils 500 Euro an drei Landwirte weitergeleitet, die an der Loop-Vereinbarung mitverhandelt hatten und einen „außergewöhnlich hohen Aufwand“ gehabt hätten.

In den Rahmenregelungen werden grundsätzliche Fragen des Leitungsbaus geklärt. Dazu gehört die Frage, wie Zeelink/Open Grid mit dem Boden der Landwirte umgeht, wie viel Entschädigung beim Bau und wie viel Geld für Ernteausfälle gezahlt wird.

Kritik: Zahlungen und Tätigkeiten nicht erläutert

Kritisiert wird derzeit im WLV-Kreisverband, dass diese Zahlungen und Tätigkeiten dem „durchschnittlichen WLV-Mitglied“ bislang nicht erläutert worden seien. „Man kann doch nicht die Bauern vertreten und ein Honorar von der Gegenseite bekommen“, sagt ein WLV-Mitglied.

Dass man sich den Aufwand für die zum Teil „sehr aufwendigen und grundlegenden Verhandlungen“ von Zeelink habe bezahlen lassen, hält Sümpelmann für juristisch in Ordnung. Kritikern hält er entgegen, dass der WLV nicht tätig geworden sei, was die konkrete Trassenauswahl angehe. Diese sei Gegenstand des Planfeststellungsverfahrens, das die Bezirksregierung leite. Im Übrigen behalte jeder Bauer trotz der Rahmenregelungen das Recht, Klage gegen eine solche Trassenführung zu erheben.

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