Ende einer Dienstfahrt
Drei Drogenkuriere aus den Niederlanden vor Gericht

Münster -

Sie brachten kiloweise Drogen, darunter Kokain und Amphetamine, in Umschlägen und Päckchen aus Holland über die Grenze, um sie an deutsche Käufer zu verschicken: Dafür müssen sich drei niederländische Drogenkuriere nun vor dem Landgericht Münster verantworten. Beim Prozessauftakt am Donnerstag erzählten sie, wie die Sache lief.

Freitag, 12.10.2018, 07:34 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 12.10.2018, 07:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 12.10.2018, 07:34 Uhr
Luftpolsterumschläge mit Drogen (Symbolbild) sollen die Angeklagten in deutsche Briefkästen geworfen haben.
Luftpolsterumschläge mit Drogen (Symbolbild) sollen die Angeklagten in deutsche Briefkästen geworfen haben. Foto: Klaus Wiedau

Am 16. Mai 2018 klickten auf einem Supermarkt-Parkplatz in Gildehaus die Handschellen. Ende einer Dienstfahrt. 14 mal war Liam H. mit Drogenlieferungen von Holland nach Deutschland gefahren, um sie per Post an Käufer zu verschicken. Sein Komplize Luuk­ H.­ war zum sechsten Mal dabei. Und zum letzten Mal: Fahnder waren den Drogenkurieren schon seit Wochen hinterhergefahren, jetzt griffen sie zu. Seit Donnerstag müssen sich die beiden Niederländer mit einem Dritten vor dem Landgericht verantworten.

Hintermänner des großen Geschäfts sind freilich andere. Sie sollen unter dem Decknamen „Johnny Cash“ im „Darknet“, einem verborgenen Bereich des Internets, Drogen angeboten haben, darunter Kokain, Marihuana, Ecstasy und Amphetamine. Damit sie nicht so schnell auffliegen, packten sie die Ware in Enschede in Luftpolsterumschläge und Pakete und verschickten sie ab Deutschland. Sie heuerten Helfer an, die mit der heißen Ware über die Grenze fuhren.

Helfer wie Jarno R. Der Fliesenleger war zehn Jahre lang selbstständig. Als Auftraggeber pleite gingen und Rechnungen nicht bezahlten, häuften sich über 5000 Euro Schulden an, wegen Knieproblemen konnte er eine Zeit lang nicht arbeiten. Da kam das Angebot eines früheren Bekannten gerade recht: Er sollte Briefe und Päckchen über die Grenze fahren und bei kleinen Postfilialen aufgeben. „Unser Geld war auf“ – Jarno fuhr los. Zehn Euro winkten pro Paket, 50 Euro pro Einkaufstasche voller Umschläge.

Verdacht bei Lieferung Nummer 3

Bei der dritten Lieferung fiel ihm ein gekühltes Paket auf – für den 41-jährigen ein Hinweis auf Amphetamin. „Ich habe sofort Alarm gemacht“, erinnert er sich vor Gericht. Ihm war klar geworden, dass hier statt kleiner krummer Geschäfte richtiger Drogenhandel florierte. Nichts für ihn: Nach fünf Lieferungen stieg er Mitte März aus. Inzwischen ist er als Vorarbeiter angestellt. Umso härter traf ihn die Festnahme Monate später.

Auf frischer Tat ertappt

Anders der ebenfalls angeklagte Liam H. (27): Er wurde auf frischer Tat ertappt. Auch den Gelegenheitsarbeiter, Vater von zwei Kindern, plagten Geldsorgen. Als er angesprochen wurde, sagte er zu. „Ich wusste nicht genau, was in den Taschen ist – aber ich wusste natürlich, dass es nicht richtig war.“ Von Marihuana und Haschisch sei den Rede gewesen. Als er nach Kokain und Heroin fragte, hätten die Auftraggeber bestritten.

14 mal machte sich Liam­­ H. auf den Weg nach Deutschland, steckte Umschläge in Briefkästen und brachte Pakete zu Postschaltern in Ahaus und Nordhorn, manchmal 130 auf einen Schlag. Da er selbst gar keinen Führerschein hat, engagierte er wiederum andere Männer, die ihn fuhren.

Der Fahrer

Sechs mal war das Luuk H. (27), ein arbeitsloser Garten-/Landschaftsbauer, der als einziger der drei Angeklagten auch selbst regelmäßig zu Haschisch und Amphetaminen greift. Er bekam pro Fahrt zwischen 90 und 125 Euro, sein vermeintlicher Freund Liam behielt deutlich mehr übrig. Schließlich war er es, der den Kontakt zu den Dealern hielt. Bis dann im Mai die Handschellen klickten.

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Fortsetzung am 29. Oktober 2018, 10 Uhr, Landgericht Münster

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