Landschaftsverband soll RWE-Aktien abstoßen
Klima-Aktivisten stören Sitzung des Westfalenparlaments

Münster -

Die Grünen klatschen mit, die anderen erscheinen amüsiert bis ärgerlich: Knapp 20 Demonstranten der "Klimaschutzgruppe Fossil Free Münster" haben am Donnerstagmorgen die Sitzung des Westfalenparlaments gestört, um für einen Verkauf der RWE-Aktien im Besitz des Landschaftsverbands zu werben.

Donnerstag, 11.10.2018, 21:41 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 11.10.2018, 11:15 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 11.10.2018, 21:41 Uhr
Landschaftsverband soll RWE-Aktien abstoßen: Klima-Aktivisten stören Sitzung des Westfalenparlaments
Das sind die Mitglieder des Westfalen-Parlaments nicht gewohnt: Demonstranten haben heute morgen ihre Sitzung gestört. Foto: Stefan Werding

Zur Melodie von „Hejo, spann den Wagen an“ forderten sie: „Grenzt Euch ab von RWE, den Konzern zu unterstützten ist nicht mehr okay.“

Beim LWL wird zurzeit diskutiert, was mit den 6,6 Millionen RWE-Aktien in seinem Besitz passieren soll. Landesdirektor Matthias Löb würde sie gerne verkaufen, seine Kritiker werben dafür, sie zu halten.

Vor dem Hintergrund des „skandalösen Verhaltens von RWE am Hambacher Forst" dulde der Verkauf keinen weiteren Aufschub, heißt es in einer Pressemitteilung der Demonstranten. Mit jedem weiteren Tag als Anteilseigner von RWE mache sich der LWL mitschuldig an der Zerstörung ihrer Zukunft.

Wackelige Wertanlage

Im Manuskript seiner Rede zum neuen Haushalt waren die RWE-Aktien noch 140 Millionen Euro wert. Als LWL-Direktor Matthias Löb die Rede dann tatsächlich am Donnerstagmorgen hielt, war der Kurs schon so abgesackt, dass er die Zahl auf 113 korrigieren musste. In der Debatte um den Hambacher Forst hat RWE an Ansehen verloren – und die Aktien ihren Wert. Am 11. September lag sie noch bei 22,36, Donnerstagnachmittag bei 17,65 Euro.

Der LWL verfügt nach Löbs Worten lediglich über zwei wesentliche Vermögenswerte – nämlich die Anteile an der RWE und an der Provinzial. Der Kurs des Energieversorgers zeigt, dass der zumindest wackelig ist. Darum hat Löb im Juni ein Papier erarbeitet, dessen Tenor lautet: Die Kommunen können bei RWE kaum noch mitreden, RWE-Aktien sind Aktien wie alle anderen Finanzbeteiligungen auch, die Konzentration auf RWE widerspricht der Erkenntnis von Börsenfachleuten, „nie alle Eier in einen Korb zu legen“.

 „Wir sind auf stabile Einnahmen angewiesen“

Das hat eine scharfe Diskussion ausgelöst. Löbs Kritiker wie der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau zum Beispiel möchten die Aktien behalten und setzen auf bessere Zeiten. Sie wollen von Löb wissen, was mit dem Geld passieren soll. Das will ihnen der Direktor bis zum Jahresende sagen. Alle Wünsche wird er nicht erfüllen können, hat der LWL-Chef bereits angekündigt: Den Kapitalerhalt sicherstellen, eine Rendite von über 2,5 Prozent und einen sofortigen gesellschaftlichen Nutzen – also zum Beispiel ein neues Museum –, das passt unter keinen Hut. Am Rande der Sitzung sagte Löb aber, dass der LWL weiter Geld brauchen wird, mit dem er seine Aufgaben finanzieren kann. „Wir sind auf stabile Einnahmen angewiesen“, sagt er. „Für mich hat die Sicherung des kommunalen Vermögens Priorität. Erst dann gucke ich auf Erträge.“

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